1000 Freunde: Problemtorhüter oder Torwartproblem?

23. Januar 2013FelixBlogs

Endlich ist es so weit: Die langerwartete erste Ausgabe des Blogs „1000 Freunde“ erscheint auf Doppelsechs. Nach endlosen Diskussionen wurde ich gezwungen habe ich mich dazu entschieden, einen wöchentlichen Blog über den Verein meines Herzens zu schreiben.

Da auf Schalke, spätestens seit der Wurstkönig sein Zepter schwingt, in schöner Regelmäßigkeit was unglaublich Behämmertes passiert, mache ich mir eigentlich keine Sorgen, dass mir in naher Zukunft die Themen ausgehen können. Deshalb nutze ich die erste Aufgabe gleich für ein beherrschendes Thema der letzten anderthalb Jahre und widme mich der Torwartdiskussion.

Der meistverfolgte Ansatz dabei ist häufig: Wer ist der Schlechteste? Versuchen wir mal, mit dem Thema eine ganz andere Straße runter zu laufen und die Frage zu stellen: Wer kann was besonders gut?

 

Lars Unnerstall

Der junge Lars Unnerstall hat in dieser Saison die meisten Spiele im Tor der Königsblauen bestritten und war dabei Zielscheibe großer Kritik. Besonders die Niederlagen in Hoffenheim (2:3) und Hamburg (1:3) sind eng mit seinen Fehlgriffen verbunden. Dabei zeigte er jedoch keine haarsträubenden Patzer oder Missverständnisse, sondern ließ lediglich Bälle ins Tor, die man einfach mal halten könnte.

Unnerstalls Stärken liegen, gegenüber den anderen Schalker Torhütern, sicherlich in der Strafraumbeherrschung. Er ist groß, kantig und hat ein recht gutes Gespür dafür, wann er herauslaufen muss und wann nicht. Dabei strahlt er unglaubliche Ruhe aus, die leider die Grenze zum Phlegma enorm überschreitet. Aus diesem Grund sind seine Reflexe für einen Bundesligatorwart leider nicht gut genug: Unnerstall fängt sich die meisten Gegentore, weil er einfach zu langsam reagiert.

Einige Zeckenfans haben sich nach der Derbyniederlage extrem über das vermeintliche Zeitspiel von Schalkes Keeper beschwert. Mit ein wenig Schadenfreude durfte ich ihnen versichern, dass dies keine Absicht war, weil Unnerstall für jeden Abschlag bei jedem Spielstand viel Zeit benötigt.

Fazit: Unnerstall kann für sein Team keine Spiele gewinnen, aber hin und wieder eines verlieren.

 

Timo Hildebrand

Der aktuelle Depp im Tor der Königsblauen ist Timo Hildebrand, welcher derzeit auch von allen Seiten auf die Fresse bekommt, weil seine Quote von abgewehrten Torschüssen praktisch nicht vorhanden ist. Hildebrand war bis 2007 einer der besten Torhüter in Deutschland. Dann hat er den VfB Stuttgart verlassen und nie wieder zu seiner Form zurückgefunden.

Vom Leistungsvermögen her dürfte Hildebrand der beste Torhüter im Schalker Kader sein, schließlich hält er nach wie vor den Rekord für die längste Serie ohne Gegentor (ganz viele Minuten in der Saison 03/04). Allerdings reichen körperlichen Fitness, mentale Situation oder mangelnde Spielpraxis derzeicht nicht aus, um sein Potential voll abzurufen. Gegen Hannover hätte man Unnerstall sicher das 2:2 oder das 4:5 angelastet, deshalb sollte man sich beim Timo nicht damit trösten, dass die Bälle „unhaltbar“ gewesen wären. Waren se nich!

Man kann nur hoffen, dass Schalke 04 nicht die leere Hülle eines ehemaligen Spitzentorwarts zwischen den Pfosten stehen hat, sondern einen Spieler, der schon bald nach Jahren voller Verletzungen und ohne Spielpraxis ein großartiges Comeback geben wird.

Fazit: Hildebrand war ein guter Torwart und muss zeigen, dass er es noch ist. Derzeit ist er nicht besser als Lars Unnerstall.

 

Ralf Fährmann

Der vergessene Fährmann ist bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere dritter Torhüter bei Schalke 04, nachdem er zwischenzeitlich zu Eintracht Frankfurt wechselte. Dort spielte Fährmann größtenteils in der Rückrunde 10/11, in der die Eintracht nur ein Spiel gewann und vom fünften auf den siebzehnten Tabellenplatz zurück fiel.

In dieser Zeit zeigte Fährmann starke Paraden, zeichnete sich durch gute Reflexe aus und bestach zudem durch eine Reihe vollkommen vermeidbarer und spielentscheidender Fehler. Angesichts der Zahlen kann man verstehen, dass Fährmann nach seinem Kreuzbandriss im November 2011 keine Chance mehr bekommen hat, sich in die erste Mannschaft zurück zu spielen.

Fazit: Fährmann hat bisher gezeigt, dass er an guten Tagen seinem Team den Arsch retten und an schlechten Tagen ein Spiel vergeigen kann. Er ist die risikoreichste Alternative.

 

Hat Schalke 04 also ein Torwartproblem? Derzeit: Ja. Sollte sich Hildebrand jedoch endlich fangen oder Lars Unnerstall sich tatsächlich weiter entwickeln, weil sich Huub Stevens sein bislang unsichtbares Talent doch nicht eingebildet hat, wird diese leidige Diskussion im Verlauf der Rückrunde hoffentlich abebben. Schließlich gibt es noch

einige Keeper in der Liga (etwa Sebastian Mielitz, Max Grün oder Raphael Schäfer) die ich für schlechter halte als jeden der drei Torhüter der Knappen.

Und nich’ vergessen: 1000 Freunde, die zusammenstehen, dann wird der FC Schalke niemals untergeh’n!

4 Kommentare zu “1000 Freunde: Problemtorhüter oder Torwartproblem?”

  1. Jens · 23. Januar 2013 Antworten

    Ich weiß nicht, wo das Problem liegt! Mit Hildebrand habt ihr doch einen guten Torhüter…der hält nicht schlecher als Roman Weidenfeller…die Abwehr lässt nur viel zu viel zu…!

  2. Alex · 23. Januar 2013 Antworten

    nicht IMMER so ist

  3. Alex · 23. Januar 2013 Antworten

    ich denke man sollte Ralf die nächste Chance geben…er ist vllt der risiko reichste aber er hält ab und zu mal was. Wenn man merkt das er hat ein guten tag hat, brauch man wenigstens nicht bei jedem pillemann schuss angst haben das der ball reingeht, was ich leider bei unnerstall und hilde sagen muss. Auch wenn es im endeffekt nicht so ist!

  4. Fu Shan · 23. Januar 2013 Antworten

    Es war mutig von Stevens, trotz der Kritik an Unnerstall festzuhalten. Der Mann ist noch jung und kann sich noch entwickeln. Bei den Leistungen wird Hildebrand auf gar keinen Fall bis zum Ende der Saison im Tor, dafür sind die beiden anderen zu gut!!

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