1000 Freunde: Schnelle Spieler und Dumme Verteidiger

9. April 2013FelixBlogs

Schalke 04 ist zurück auf dem Weg in die Champions Leauge, weil Jens Keller das Kontern erfunden hat. Felix fasst die letzten Spiele der Knappen zusammen, spricht die Probleme des neuen Systems an und hofft, dass Hotte und der Wurstkönig nicht nach einer “großen Lösung” suchen.

 

Schalke 04 hat, nachdem es mit dem Spielaufbau im Verlauf der Hinrunde immer deutlicher haperte, eine neue Stärke gefunden: Das Kontern! Da die offensive Mittelfeldreihe mit Bastos, Draxler und Farfan eine Menge schneller Spieler bietet (und mit Raffael einen nicht langsameren Back Up) erzielt die Mannschaft immer mehr Tore nach Tempogegenstößen, wobei auch die Mithilfe einiger Gegenspieler lobend erwähnt werden muss. Schauen wir uns das mal im Einzelnen an:

Wolfsburg – Schalke 1:4
Die Schlüsselszene des Spiels in Wolfsburg war überraschenderweise keine, an der Julian Draxler beteiligt war, obwohl der weithin als wichtigster Spieler auf dem Platz anerkannt wird. Das Spiel kippte in der 31.Minute, etwas vor dem 0:1 durch Juli-Mausi, als der verletzte Naldo ausgewechselt wurde und Sortirios Kyrgiakos das Feld betrat. Bei fast allen Toren der Schalker zeigte sich der Grieche auf den Beinen oder im Kopf zu langsam. Und war damit Grundbaustein für den überraschend hohen Auswärtssieg.

 

Schalke – Dortmund 2:1
Bereits im Hinspiel hatte ich nicht mit einem Erfolg gegen den BVB gerechnet. Bereits im Hinspiel überraschte die Mannschaft durch ein grandioses und kämpferisches Auftreten. Die beiden Derbys waren die besten Spiele der Schalker in der gesamten Spielzeit. (was eigentlich auch so sein sollte) Nachdem durchschlagenden Erfolg in Wolfsburg wurde hier zum ersten Mal bewusst praktiziert, was in den nächsten Spielen ein Markenzeichen der Schalker werden sollte: Das Warten auf Konter und das eiskalte Ausspielen selbiger.

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Schalke – Galatasaray 2:3
Dieses Spiel macht mich nach wie vor furchtbar fassungslos. Weil es das dümmste und überflüssigste Ausscheiden aus einem Europapokal war, dass ich je von Schalke 04 gesehen habe. Die Türken waren fußballerisch schlechter als das Schalker Team, wurden aber zum Tore schießen eingeladen. Dass vor dem 1:1 zehn Leute im Strafraum stehen und keiner den Rückraum sichert gehört für mich zu den dümmsten Aktionen  der jüngeren Vereinsgeschichte (irgendwo zwischen den Verpflichtungen von Ze Roberto II und Albert Streit).

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Nürnberg – Schalke 3:0
In diesem Spiel paarten sich die größten Fehler der neuen Spielausrichtung auf Konter: Zum einen ist Schalke selten in der Lage, großen Druck aufzubauen und wenn, verwerten sie zu wenige Chancen. Zum anderen ist die Abwehr nicht gut genug, um die wenigen Angriffe eines ebenfalls konternden Gegners umsichtig zu Unterbinden. Gepaart mit dem Schock des Ausscheidens aus der CL führte dies zu einer Niederlage in Nürnberg, die, genau wie der Sieg in Wolfsburg, zu hoch ausgefallen ist.

 

Schalke – Hoffenheim 3:0
Bei diesem Spiel hatte ich den Eindruck, dass die Mannschaft nicht übermäßig motiviert war, aus dem Spiel heraus etwas zu machen. Man wartete geduldig, bis der Gegner sich selbst besiegte und man die immer hektischeren Pässe der Gäste abfangen und in eigene Tore ummünzen konnte. Ergebnis waren drei Kontertore und ein arbeitsloser Andi Müller (dem ich nachwievor sehr dankbar für sein Kopfballtor am 33.Spieltag der Saison 95/96 zum 2:1 gegen Bayern bin. Das war der Grundstein für bisher extrem erfreuliche 17 Jahre danach).

 

Bremen – Schalke 0:2
Wie bereits im Spiel gegen Hoffenheim wartete Schalke wiederholt einfach ab, bis der Gegner die Königsblauen dazu zwang, endlich das Spiel zu gewinnen. Das Schalke noch lässiger auftrat als gegen Hoffenheim und Bremen dazu deutlich besser besetzt ist als die Kraichgauer, wäre das in der ersten Halbzeit fast nach hinten losgegangen. Letztlich wurde die Bremer Innenverteidigung (ich schauen in deine Richtung, Assani Lukimya) aber so blöd, dass sogar Ciprian Marica so dämlich angeschossen wurde, dass ihm sein drittes Saisontor gelang. Was ich etwas schade für Teemu Pukki finde, der sich immer ganz viel Mühe gibt.

 

Fazit

Schalke 04 kontert sich zurück in die Champions League. Das kann zwar nicht dem dominanten Fußball entsprechen, den sich der Wurstkönig in seinen fettigen Träumen sicherlich ausmalt, ist aber zweckmäßig in einer Phase der Saison, in der vor allen Dingen Mannschaften belohnt werden, die nicht zu viel riskieren (An dieser Stellen einen freundlichen Gruß an unsere Freunde aus Nürnberg).

Dennoch dürfte es langfristig kein guter Plan sein, ständig zu hoffen, dass der Gegner sich dümmer anstellt als die eigene Mannschaft. Die fehlende Kreativität im Spielaufbau bleibt ein Problem, weil sie nicht behoben, sondern nur davon abgelenkt wird. Julian Draxler ist durch seine Dribbelstärke zwar pures Gold für die aktuelle Kontertaktik, aber als Ballverteiler auf der Zehn eher schlecht besetzt.

Vielleicht wird in den nächsten Spielen der immer stärker werdende Raffael diese Rolle übernehmen und Michel Bastos aus der Mannschaft drängen, der seit seinem Debüt gegen Fürth in jedem Spiel etwas schlechter geworden ist , als im Spiel zuvor. Im Anbetracht der derzeitigen Form der Spieler würde das Spiel mit Draxler auf links und Raffael im Zentrum nicht an Schnelligkeit verlieren, aber schwerer zu berechnen sein.

Das viel von der offensiven Dreierreihe abhängt liegt vor allem am verletzen Klaas-Jan Huntelaar, der weder durch Pukki, noch durch Marica ersetzt werden kann. Auch wenn Marica technisch einen Tick besser ist, würde ich lieber Teemu Pukki im Zentrum sehen. Zum einen hat er den witzigeren Namen, zum anderen hat er nicht ganz so offensichtlich ziemlich schnell keinen Bock mehr wie sein rumänischer Kollege.

Außerdem erfreulich: Armin Veh bleibt Trainer in Frankfurt. Wir dürfen gespannt sein, was der Wurstkönig und Hofnarr Hotte als nächstes vorhaben, bevor es dann doch (hoffentlich) Mike Büskens wird. Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass er für das Wurst- und Horstgehirn keine Alternative darstellt. Mit einer Begründung alà „Der hat noch nie irgendwas gewonnen. Wir suchen nach einer großen Lösung.“

Und nich‘ vergessen: „Tausend Freunde, die zusammenstehen, dann wird der FC Schalke niemals untergehen!“

 

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