Sieben Tage Zweiter

26. Mai 2012FelixBlogs

Heute ist es eine Woche her: Die Ecke von Mata, das Tor von Drogba. Die Elfmeter von Robben, Olic und Schweinsteiger. Die Enttäuschung bei Spielern, Funktionären, Fans und Millionen von Fernsehzuschauern. Seit einer Woche ist der FC Bayern zu dritten Mal Zweiter. Und damit hat er am Ende dieser Saison genauso viele Titel gesammelt wie Nürnberg, Hoffenheim oder Augsburg. Doch trotz dieser Enttäuschung, trotz der verpassten Chance bleibt von den Bayern ein großartiges Fußballspiel in Erinnerung, das allen Zuschauern Mut und Hoffnung auf die Europameisterschaft machen sollte.

Manuel Neuer zeigte wiederholt, dass er im Elfmeterschießen ein absoluter Könner ist. Alle 5 Schützen des FC Chelsea schossen scharf und platziert, trotzdem konnte der Torwart den ersten Elfmeter des Spaniers Mata parieren. Auf der rechten Abwehrseite bewies Philipp Lahm, dass er sowohl spielerisch als auch menschlich zu den besten Spielern der Welt gehört: Der Kapitän ging über 120 Minuten voran, organisierte seine Abwehr und zog auch spät in der Verlängerung immer wieder Sprints an und trieb sein Team damit nach vorne. Trotz seiner Rolle als Verteidiger übernahm er Verantwortung beim Elfmeterschießen und verwandelte den ersten Schuss sicher. Viele Pressestimmen wiesen vor dem Spiel darauf hin, dass gerade Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm als Führungsspieler im Fokus stehen würden. Und beide lösten ihre Aufgabe mit Bravur.

Denn auch Schweinsteiger hatte einen starken Auftritt. Wie bereits in Madrid dominierte er das Mittelfeld der Bayern und forderte immer wieder Bälle von seinen Mitspielern, um das Spiel aufzubauen. Im Elfmeterschießen, nachdem sich bereits bei zwei Elfmetern zuvor kein Schütze finden wollte, nahm er sich den nervenzerfetzenden letzten Schuss und trat einen guten Elfmeter. Leider fehlte ihm dabei das Glück, denn die Kugel prallte an den Pfosten. Dennoch zeigten sowohl Lahm als auch Schweinsteiger, dass sie in großen Spiele auch entsprechende Leistung zeigen und ihre Mannschaft mitreißen können.

Auch die Offensive brachte erfreuliche Erkenntnisse. Mario Gomez, der in der abgelaufenen Saison häufig nur als Abstauber glänzen konnte, zeigte übergroße Einsatzfreude und warf sich in jeden möglichen Zweikampf, auch wenn dies gegen die beiden sperrigen Innenverteidiger der Londoner häufig aussichtslos schien. Über das gesamte Spiel ging Gomez lange Wege und zeigte unbedingten Willen. Leider wurde dieser nicht, wie im Halbfinale gegen Madrid, mit einem späten Tor belohnt. Dieses war Thomas Müller vergönnt, der nach einer schwachen Saison fast das goldene Tor für die Bayern erzielte. Müller, der in letzter Zeit etwas arrogant wirkt und damit viel von seinem unschuldigen Charme, den er noch bei der WM 2010 ausstrahlte, verloren hat, machte ein für ihn typisches Tor. Mit einer fast ungelenk aussehenden Bewegung schaffte er es als einziger den ansonsten überragenden Petr Cech zu überwinden. Wie Gomez zeigte auch Müller große Laufbereitschaft und kämpfte tapfer gegen die Mauer aus acht Spielern, die Chelsea vor dem eigenen Strafraum aufzog.

Das Ergebnis bleibt auch eine Woche nach dem verlorenen Finale enttäuschend. Aber die Leistung aller Beteiligten wirkt auch eine Woche danach eines großen Titels absolut würdig. Die 5 wichtigsten Nationalspieler des FC Bayern zeigten keinesfalls, dass sie keinen Titel verdient hätten. Im Gegenteil: Sie zeigten, dass sie unbedingt einen gewinnen wollen. Und warum sollte dieser Wille nach einer so dramatischen und unverdienten Niederlage nicht schon bald belohnt werden?

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