Der Abschiedsbrief: Schon wieder, Dieter?

24. Dezember 2012FelixBlogs, | Der Abschiedsbrief

Eine deutsche Mannschaft scheidet aus einem internationalen Wettbewerb aus, ein Bundesligatrainer wird entlassen. Zu solchen Anlässen verfasst einer unserer Sechser einen Abschiedsbrief. Felix wendet sich heute an Dieter Hecking, der bereits zum zweiten Mal während einer Saison seinem Verein den Rücken kehrt.

 

Lieber Dieter,

um es vorweg zu nehmen: Es richtet ein schlechtes Licht auf einen Trainer, wenn er während der Saison seine Mannschaft und seinen Verein im Stich lässt, um zu einem Ligakonkurrenten zu wechseln. Dass Du dies bereits das zweite Mal in Deiner Karriere tust, ist menschlich enttäuschend. Etwas Verständnis kann man zumindest deswegen aufbringen, weil Du in beiden Fällen Deine Vereine verlassen hast (damals Aachen und heute Nürnberg), um in Deiner niedersächsischen Heimat zu wohnen und zu arbeiten (damals Hannover und heute Wolfsburg).

Vielleicht war es auch Deine persönliche Enttäuschung darüber, dass Du seit Jahren in Nürnberg junge Spieler ausbildest, sie vom Leistungsniveau an die besten der Bundesliga heranführst und dennoch in jeder neuen Saison mit einem Kader arbeiten musstest, der schwächer war, als der des Vorjahres. In Wolfsburg hingegen hast Du die Aussicht, eine Mannschaft zusammenzustellen, die nicht regelmäßig nach dem 34.Spieltag zerpflückt wird.

Aber was zieht Dich sonst in die Autostadt? Du hast es noch nie in deiner Karriere geschafft, eine Mannschaft unter die besten 6 der Bundesliga zu führen und wirst wissen, dass genau das in Wolfsburg erwartet wird. Kurzfristige Erfolge waren beim Vorstand des VfL schon immer wichtiger als langfristige Arbeit. Vielleicht setzt Du Dein Vertrauen in Klaus Allofs, aber auch der wird irgendwann mal einen Trainer entlassen oder mit Dir gefeuert werden, wenn es zwei Mal nur für Platz 9 gereicht hat. Deine größten Erfolge waren bisher ein Pokalhalbfinaleinzug mit Lübeck und der Bundesligaaufstieg mit Aachen. Und nun soll es die Champions League werden? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Man kann Dir zu Deiner beruflichen Entwicklung, die wahrscheinlich mit einem deutlichen Gehaltssprung einhergeht, nur gratulieren. Aber ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass bereits in 2 Jahren der Trainer des VfL Wolfsburg nicht mehr Dieter Hecking heißt. Denn der Trainer und die Ansprüche des Vereins passen einfach nicht zusammen. Schade, dass Du den 1.FC Nürnberg verlassen hast, der wohlmöglich erst in den kommenden Monaten realisieren wird, was Deine Arbeit eigentlich wert war.

Mit einer Mischung aus Enttäuschung und Vorfreude
Dein Felix

 

1 comment zu “Der Abschiedsbrief: Schon wieder, Dieter?”

  1. Fu Shan · 26. Dezember 2012 Antworten

    Dieter Hecking ist ein toller Trainer!!!

    Ohne ihn wäre Nürnberg jetzt bestimmt in der zweiten Liga. Durch Hecking ist endlich mal Konstanz nach Nürnberg gekommen. Er hat es sich verdient, zu einem Verein zu wechseln, wo er mal einen Titel holen kann. Wem das nicht gefällt, der ist nur neidisch!

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