Der Abschiedsbrief: Auf Wiedersehen, Klaus!

14. November 2012FelixBlogs, | Der Abschiedsbrief

Eine deutsche Mannschaft scheidet aus einem internationalen Wettbewerb aus, ein Bundesligatrainer wird entlassen. Zu solchen Anlässen verfasst einer unserer Sechser einen Abschiedsbrief. Felix wendet sich heute an Klaus Allofs, der nach 13 erfolgreichen Jahren Werder Bremen den Rücken kehrt.

Lieber Klaus,

es ist schade, dass einfach so, mitten in der Saison, eine Ära zu Ende geht. Und selbst wenn dieses Wort inflationär verwendet wird: Du hast eine solche in Bremen geprägt. Seit 1999 warst du ein Synonym für Werder Bremen. Eure Ehe hielt lange und hatte viele erfolgreiche Kinder. Doch im verflixten 13.Jahr konntest du der Verlockung einer anderen Frau nicht mehr widerstehen.

Im Juli 1999 kamst du in eine verantwortliche Position bei einem Verein, der zwar amtierender Pokalsieger war, aber nur knapp dem Abstieg entkommen konnte. Ein Verein, der in den ersten vier Jahren nach dem Ende einer anderen Ära den Weg zurück in die Erfolgsspur und sich selbst suchte. Ein Verein der seit dem Wechsel von Otto Rehhagel zu Bayern München im Juni 1995 fünf Trainer in vier Jahren verbrauchte und trotzdem nicht zurück in die obere Tabellenhälfte steigen wollte. In den folgenden 13 Jahren sollte ein Trainer genügen, der bereits im Amt war, als du deinen ersten Arbeitstag hattest: Thomas Schaaf.

Bereits in deiner ersten Saison hat du zwei absolute Transfervolltreffer gelandet, die den Verein weiter nach vorne führen sollten: Der junge Libero Frank Baumann kam aus Nürnberg, der Peruaner Claudio Pizarro fand, im Alter von 20 Jahren, durch dich den Weg in die Bundesliga. Ein Omen, für Transfers, die folgen sollten: Immer wieder hast du es verstanden, die richtigen Spieler innerhalb Deutschlands nach Bremen zu lotsen: Du riefst Fabian Ernst aus Hamburg, Krisztian Lisztes aus Stuttgart, Torsten Frings aus Aachen und Ivan Klasnic aus St.Pauli. Alle kamen und wurden, mit Ausnahme von Frings, im Jahr 2004 Meister und Pokalsieger. Unbestritten dein größter Erfolg als Funktionär.

Auch die Spieler, die du in den Jahren zuvor aus dem Ausland nach Bremen verpflichtet hast, schlugen 2004 voll ein: Mladen Krstajic, Valerien Ismael, Johan Micoud, Ümit Davala, Ludovic Magnin, Angelos Charisteas und Nelson Valdez wurden alle zu wertvollen Verstärkungen. In der Folge begannen die fetten Jahre für Werder, denn zwischen 2003 und 2010 landete dein Team nur einmal nicht unter den ersten Drei. In dieser Phase haben deine Transfers die Fans verzückt: Wiese, Klose, Diego, Jensen, Rosenberg, Naldo, Mertesacker, Özil, Hugo Almeida. Alle hatten ihre große Zeit im grünen, weißen oder orangenem, manchmal sogar im pinken Trikot. Doch auch die Fehlschläge dieser Zeit dürfen nicht verschwiegen werden. Die Transfers von Carlos Alberto oder Marcelo Moreno werden dir ewig nachhängen. Genauso wie eine Reihe beeindruckend schlechter Außenverteidiger. An dieser Liste stehen Gustavo Nery, Aymen Abdennour, Dusko Tosic und Jelle van Damme nur an der Spitze.

Vielleicht war die Zeit gekommen und die Beziehung hatte sich abgenutzt. Vielleicht ist dir die Geschäftsstelle von Werder zu langweilig geworden. Oder die Interviews mit der Syker Kreiszeitung. Vielleicht hat dich Willi Lemke furchtbar genervt und ein fettes Gehalt dich furchtbar gereizt. In Bremen warst du einer der Architekten der finanziell erfolgreichsten Zeit der Vereinsgeschichte. Dort wird man dich vermissen und sich immer wieder positiv an dich erinnern. Zum Glück bleibst du der Bundesliga erhalten.

Liebe Grüße und viel Glück in Wolfsburg!

Dein Felix

2 Kommentare zu “Der Abschiedsbrief: Auf Wiedersehen, Klaus!”

  1. Hannelor Kuhfuss · 15. November 2012 Antworten

    Ich kann mich nur den Worten von Felix anschliessen, auch wenn mir grad zum heulen zu Mute ist.

    http://www.facebook.com/media/set/?set=a.453773398002050.98720.100001081825542&type=1&l=0a8f498d9a

  2. Gerhard M. Lang · 14. November 2012 Antworten

    Hallo Klaus,
    nach so langer Zeit ist ein Wechsel zu einem finanzstarken Verein völlig verständlich und jeder faire Fan wird das verstehen. Du hast einem verdienten Thomas Schaaf sehr lange die”Stange gehalten” (;-) und das ist ja in dieser Zeit eine rühmliche Ausnahme. Auch viele Klasse-Spieler wurden in Eurer Zeit aufgebaut und dann gewinnbringend (viel zu früh) weitergereicht. Da sind einem sicher manchmal auch die Hände gebunden – völlig verständlich.

    Ich plädiere auch für dich ein Abschiedsspiel zu organisieren. Danke für die tolle Zeit und behalte uns gut in Erinnerung. Pokalendspiel Werder-Wolfsburg wär`doch ein Hit.

    Ein WERDER-Fan

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