Der Abschiedsbrief: Danke für Alles, Thomas!

15. Mai 2013FelixBlogs, | Der Abschiedsbrief

Eine deutsche Mannschaft scheidet aus einem internationalen Wettbewerb aus, ein Bundesligatrainer wird entlassen. Zu solchen Anlässen verfasst einer unserer Sechser einen Abschiedsbrief. Felix wendet sich heute an Thomas Schaaf, welcher nach 14 Jahren als Cheftrainer von Werder Bremen entlassen einvernehmlich getrennt wurde.

Lieber Thomas,

ich hätte nie gedacht, dass ich einen Abschiedsbrief für Dich schreiben würde. Unter der Saison. Im Jahr 2013. Oder überhaupt irgendwann. Du bist mit der Trainerposition an der Weser so fest verwachsen gewesen wie die Stadtmusikanten vor dem Rathaus. Doch nachdem Klaus Allofs den Verein verließ, der dir jahrelang mit Treue, Zuversicht und Naivität den Rücken freigehalten hat, kamen nur noch 6 Monate mehr auf deine beeindruckende Amtszeit von fast genau 14 Jahren.

Mit deiner Entlassung verlässt auch ein Teil meiner Jugend die Bundesliga. Als du eigenstellt wurdest und fast umgehend darauf deine Mannschaft zum DFB-Pokalsieg geführt hast, besuchte ich die 6.Klasse. Deine Figur verbindet Spielergenerationen von Andreas Herzog bis Mesut Özil, von Marco Bode bis Aaron Hunt und von Dieter Eilts bis Philipp Bargfrede. Und mit fast jeder Generation hast du einen Titel gewinnen können. Alle fünf Jahre (1999, 2004, 2009) fand der DFB-Pokal den Weg  in deine Hände, gekrönt wird deine Amtszeit mit der Meisterschaft 2004, als deine Führung dem dicken Toni zu einer Popularität verholfen hat, von der sowohl der Brasilianer als auch ein Kaffeevertrieb heute noch profitieren.

So schön früher auch alles war, wir müssen auch über heute reden. Die letzten drei Jahre waren ziemlich schlecht. Weil du mit Klaus zusammen immer wieder den gleichen Fehler bei den Neuverpflichtungen machtest. Weil du in den letzten Jahren deiner Karriere als Trainer nicht schlechter wurdest, aber als Pädagoge versagt hast und dir dies nicht eingestehen wolltest. Blind haben Klaus und Du euer eigenes Credo verfolgt, dass ihr in Bremen schwierige Charaktere integrieren könnt.

In euren ersten Jahren hattet ihr dabei eine ansehnliche Erfolgsquote: Ailton wurde zu einem Schlüsselspieler im Doublejahr, Tim Wiese zu einem langfristigen Leistungsträger zwischen den Pfosten und einer Kultfigur bei den Fans. Doch auch zu dieser Zeit gab es Fälle wie Lodewijk Roembiak oder Razundara Tjikuzu, bei denen schließlich der Kopf eine Karriere verhinderte, welche die Füße hergaben.

Zuletzt habt ihr versagt, weil ihr die charakterlichen Eigenschaften verpflichteter Profis nicht richtig beurteilt habt und sie auch nicht mehr verändern konntet. Arnautovic, Elia, Carlos Alberto und Javi Moreno sind nur die prominentesten Mitglieder einer Reihe von Millionengräbern, die dem Verein wirtschaftlich und sportlich ausschließlich schadeten. Und immer wieder den gleichen Transfer zu tätigen, in der Hoffnung, dass es diesmal klappt, ist einfach furchtbar dumm.

Deshalb sind wir nun am Ende angekommen. Nach zwei Abstiegskämpfen in drei Jahren ist der Verein zu dem Entschluss gekommen, dass ein Neuanfang auch neue Gesichter erfordert. Das ist schade für Romantiker und Nostalgiker, vielleicht auch für den ein oder anderen Fan von Werder Bremen. Dieser Schritt ist ein mutiger und notwendiger des Vereins. Dennoch steht fest, dass ich deinen trockenen Humor, deinen Hang zu Kapuzenpullis und besonders dein ständiges Bestreben nach rücksichtslosem Offensivfußball furchtbar vermissen werde.

Danke für Alles, Thomas!
Dein Felix

 

 

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