Der Abschiedsbrief: Das war kurz, Marco!

3. April 2013FelixBlogs, | Der Abschiedsbrief

Eine deutsche Mannschaft scheidet aus einem internationalen Wettbewerb aus, ein Bundesligatrainer wird entlassen. Zu solchen Anlässen verfasst einer unserer Sechser einen Abschiedsbrief. Felix wendet sich heute an Marco Kurz, dem es in vier Monaten nicht gelungen ist, 1899 Hoffenheim vor dem Abstieg zu retten und in die Europa League zu führen.

Lieber Marco,

als ich gestern von Deiner Entlassung erfahren habe, war ich kurze Zeit schockiert und anschließend eine Stunde für nichts zu gebrauchen. Weil mein Gehirn mit der Aufgabe, die Dummheit und Planlosigkeit deiner (ehemaligen) Vorgesetzten mit irgendeinem mir bekannten Maß abzugleichen, vollkommen überfordert war.

Man hat dich im Dezember verpflichtet, weil du ein wahrer Künstler darin bist, Mannschaften defensiv zu stabilisieren und in der unteren Tabellenhälfte meist ein oder zwei Plätze besser dastehst, als es dem Leistungsvermögen deines Teams entspricht. Das ist zwar nicht unbedingt das Zeugnis eines Weltklassetrainers, aber Dieter Hecking und Friedhelm Funkel haben sich mit dieser Fähigkeit über lange Zeit in der Bundesliga halten können.

Du hast es in Hoffenheim geschafft, die schlechteste Abwehr der Hinrunde zu stabilisieren (vor dem 0:3 auf Schalke, das mit Sicherheit so passieren darf) bekam dein Team in 9 Spielen nur 8 Gegentore. Was nach den monströsen 42 Gegentreffern der Hinrunde bemerkenswert wenige sind.

Ich weiß nicht, was man dir vorwirft. Wenn es darum ginge, dass nun zu wenig Tore geschossen werden, so ist dies einfach der Preis, den man für eine sichere Abwehr bezahlt. Wenn es um die fehlende mannschaftliche Geschlossenheit geht, so trifft dich mit Sicherheit die geringste Schuld. Diese liegt zum einen an einem Kader, den auch Felix Magath so zusammengestellt hätte. Aber vor allem daran, dass 1899 Hoffenheim keine Identifikationsmöglichkeiten für seine Spieler bietet. Den meisten Akteuren dürfte nämlich egal, ob der Verein nächstes Jahr noch in der Bundesliga spielt. Denn keinem Menschen kann glaubhaft vermittelt werden, dass er für die imaginären Fans oder die künstlich aufgearbeitete Tradition des Vereins auf dem Platz kämpfen muss.

Letztlich hast du im Rahmen deiner Möglichkeiten gut gearbeitet und trotz der katastrophalen Ausgangssituation dem Verein eine Chance auf den Klassenerhalt offen gehalten. Und wurdest Opfer einer in Panik geratenen Führungsetage, die mit der aktuellen Situation hemmungslos überfordert ist. Mir erscheint der 28.Spieltag als merkwürdiger Zeitpunkt um (schon wieder) alles anders machen zu wollen.

Alles Gute für Deine Zukunft,
Felix

 

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