Der Abschiedsbrief: Du hattest keine Chance, Thorsten…

17. September 2013FelixBlogs, | Der Abschiedsbrief

Eine deutsche Mannschaft scheidet aus einem internationalen Wettbewerb aus, ein Bundesligatrainer wird entlassen. Zu solchen Anlässen verfasst einer unserer Sechser einen Abschiedsbrief. Felix verabschiedet sich von Thorsten Fink, der sich zwar als geilster Typ in der Disko, aber nie als geilster Typ an der Alster beweisen konnte.

 

“Wenn man in die Disko geht und die schönste Frau haben will und sagt: Hör mal, willst du mit mir gehen? So klappt das nicht. Man muss sagen: Hey Puppe, ich bin der geilste Typ, du kommst mit mir! Man muss etwas wirklich wollen und das ausstrahlen.”
Thorsten Fink im Mai 2012 zur Mentalität seiner Mannschaft.

 

Lieber Thorsten,

deine rasche Beurlaubung nach dem 2:6 in Dortmund überrascht mich doch etwas. Allerdings ist deine Bilanz mit 4 Punkten und 15 Gegentoren in 5 Spielen doch ziemlich schlecht ausgefallen. Es war ohnehin klar, dass du nach den beiden Spielzeiten zuvor diese Saison in Hamburg unmöglich überstehen konntest. Dennoch hätte ich mit deiner Entlassung nicht schon am fünften Spieltag gerechnet.

In Hamburg brodelt eine Suppe aus einer fußballfremden und geltungsbedürftigen Vereinsführung – die in der Sommerpause einen kompeteten Manager durch eine stotternde Marionette ersetzt hat – hohen Ansprüchen und einer durchschnittlichen Mannschaft. Die Vision, mit den vorhandenen Spielern attraktiven Fußball zu spielen war mutig und entsprach dem, was sich das Umfeld vom HSV erhofft, ist aber in der Realität brachial gescheitert und in einem Meer von Gegentoren ersoffen.

Auch wenn die Umstände deine Anstellung beim HSV ohnehin zu einem sinnfreien Himmelfahrtskommando machten, denn selbst die bestmöglichsten Ergebnisse konnten Medien und Aufsichtsrat nie zufriedenstellen, so muss man dir auch persönliche Fehler unterstellen. Deinen Traum von Tolgay Arslan als Defensivspieler hast du ebenso hartnäckig wie erfolglos verfolgt. Deine Systemumstellungen im Hinblick auf bestimmte Gegner erwiesen gleichsam oft als Erfolge (im letzten Jahr bei den Siegen gegen Schalke, Dortmund, Stuttgart) wie als Mißerfolge (katastrophale Niederlagen gegen Schalke, Bayern, Stuttgart).

Immer wenn man den Eindruck hatte, dass die Mannschaft sich weiterentwickelt hat, machte sie in den kommenden Spielen zwei Schritte zurück. Eine taktische Weiterentwicklung ist ausgeblieben, der Sprung von Platz 15 auf 7 in deinem zweiten Jahr hängt vor allem mit neuen Spielern und geschickterer Mannschaftszusammenstellung zusammen (die man Frank Arnesen anrechnen muss). Letztlich warst du ein ordentlicher Trainer, der einige richtige Entscheidungen getroffen hat. Schade, dass diese in Hamburg nicht honoriert wurden, weil man mehr erwartet hat, als möglich war.

Manchmal reicht es einfach nicht aus, der geilste Typ in der Disko zu sein. Auch wenn du durch diesen Spruch für immer den Weg in mein Herz gefunden hast.

Dein Felix

3 Kommentare zu “Der Abschiedsbrief: Du hattest keine Chance, Thorsten…”

  1. Da_Real_Igel · 18. September 2013 Antworten

    Der Aufsichtsrat ist der Totengräber des HSV!

    • Fu Shan · 19. September 2013 Antworten

      Genau! Hau Ab!

  2. Da_Real_Dino · 18. September 2013 Antworten

    Mit der Entlassung von Fink will der Aufsichtsrat weitere “Altlasten” aus der Ära Arnesen loswerden. Rudnevs wird’s als nächstes treffen. *kopfschüttel*

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