Der Abschiedsbrief: Du hättest mehr sein können, Michael!

8. Oktober 2013FelixBlogs, | Der Abschiedsbrief

Eine deutsche Mannschaft scheidet aus einem internationalen Wettbewerb aus, ein Bundesligatrainer wird entlassen. Zu solchen Anlässen verfasst einer unserer Sechser einen Abschiedsbrief. Felix wendet sich heute an Michael Wiesinger, der an akuter Abwehrschwäche erkrankte und durch Sieglosigkeit dahingerafft wurde.

 

Lieber Michael,

als Du im letzten Jahr den plötzlich an einem massiven Fall von Ich-will-mehr-Kohle erkrankten Dieter Hecking auf der Nürnberger Trainerbank ablösen musstest, konntest Du zunächst kaum einen anderen Eindruck vermitteln, als den des Strebers aus der ersten Reihe, der nun eine Chance als Aushilfslehrer bekommen sollte.

In den folgenden Wochen änderte sich dieses Bild: Das Rasieren einzelner Spieler nach schlechten Leistungen in Spiel oder Training unterstrich deine Autorität. Die Ergebnisse in deinen ersten Monaten zeugten davon, dass du den ohnehin widerlich effektiven Defensivfußball deines Vorgängers weiter perfektionieren konntest: Bis März verlor deine Mannschaft lediglich die Auswärtsspiele in Dortmund und München.

Danach kam der erste Bruch in deiner Geschichte, die auf einem guten Weg zur Erfolgsgeschichte war: Im gesamtem April 2013 gelang deinem Team nur noch ein einziges Tor aus dem Spiel heraus. Zu wenig, um europäisch vertreten zu sein, aber genug, um nicht in den Abstiegskampf zu geraten. Doch mit den Sommertransfers begann dein Stern endgültig zu sinken.

Der Verlust von Timmy Simons, zuvor Stammspieler bei Champions League Teilnehmern und Kapitän der Nationalmannschaft Belgiens, verließ den Verein. Der Abgang war nicht zu kompensieren, die Defensive brach zusammen wie ein Kartenhaus. Was bei einem Team, das sich mit dem Tore schießen ohnehin schwer tut, keine positive Entwicklung ist. Und die Qualität der verbliebenen  und neuverpflichteten Offensivspieler reichte nicht aus, um die defensiven Schwachstellen auszugleichen.

Somit blieb deine Mannschaft in allen Pflichtspielen dieser Saison ohne Sieg. Und wenn der Erfolg ausbleibt, greifen auch zuvor positive Maßnahmen nicht mehr. Das Aussortieren von Spielern sorgte nun nicht mehr für Autorität und Anerkennung, sondern für Verunsicherung und Widerstand. Deine Systemumstellung auf zwei Spitzen gegen den HSV, um endlich mehr Tore zu schießen als zu kassieren, führte zu der höchsten Heimniederlage seit 30 Jahren und deiner Entlassung.

Und somit bleibst du am Ende deiner Amtszeit, durch eine Kombination von schlechten Entscheidungen auf und neben dem Platz, am Ende doch nicht mehr als der Streber von der Trainerbank.

Mit ein wenig Wehmut und frei von Schadenfreude,
Dein Felix

 

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