Der Abschiedsbrief: Große Enttäuschung

29. Juni 2012FelixBlogs, | Der Abschiedsbrief

Eine deutsche Mannschaft scheidet aus einem internationalen Wettbewerb aus, ein Bundesligatrainer wird entlassen. Zu solchen Anlässen verfasst einer unserer Sechser einen Abschiedsbrief. Felix betrauert heute das Ausscheiden der Nationalelf bei der EM 2012.

Liebe deutsche Mannschaft,

es tat mir leid, euch ausscheiden zu sehen. Und es hat mich überrascht, denn im Gegensatz zu 2006, 2008 und 2010 erschien mir der Gegner in diesem Jahr nicht übermächtig. Im Gegenteil: Ich hatte den Eindruck, dass Deutschland neben Spanien tatsächlich die beste Mannschaft in diesem Turnier stellt. Und plötzlich waren zwei Fehler da, von Männern, die zuvor alles richtig gemacht hatten. Mats Hummels lässt sich von Cassano austanzen, obwohl ihm zuvor nicht mal Ronaldo vor Probleme stellte. Und Philipp Lahm, der zuverlässige Kapitän, steht vor dem 0:2 irgendwo im Nichts und hebt das Abseits auf.

Zwei Fehler, die von Italien eiskalt genutzt wurden. Zwei Fehler, die auch mit einem beherzten Sturmlauf nicht ausgebügelt werden konnten. Zwei Fehler, die einen großen Titel verhinderten, weil sie in KO-Spielen nicht gemacht werden dürfen. Dennoch sollte man nun nicht die große Keule rausholen und auf Spieler, Trainer und Betreuer einprügeln. Jogi Löw hat in den Spielen zuvor viel riskiert und gewonnen, nun griff er daneben. Die Mannschaft hat in jedem Spiel einen guten Job gemacht und wurde in 4 von 5 Fällen dafür belohnt.

Mats Hummels und Sami Khedira haben in diesem Turnier einen enormen Sprung nach vorn gemacht und sich als europäische Spitzenspieler etabliert. Mesut Özil und Mario Gomez waren schon vorher dort angekommen und Neuer, Lahm und Schweinsteiger zählen zu den weltbesten Spielern auf ihren Positionen. Und nur der natürliche Leistungsabfall im Alter ließ Miroslav Klose aus diesem Kreis ausscheiden.  In wenigen Teams dieses Turniers findet man eine derart große Anzahl von Einzelspielern, die durch individuelle Leistungen überzeugen konnten.

Es fällt mir schwer, diese Niederlage einzuordnen, weil ich keinen Schuldigen ausmachen kann, an dessen schlechter Leistung man das Ausscheiden festmachen könnte. Und ich würde es auch als Hohn empfinden, zu behaupten, die Italiener seien, wie 2006, einfach besser gewesen. Sie waren es nicht. Selbst wenn es nach dem Spielverlauf schwer zu verteidigen ist, aber in diesem Jahr fehlte es der deutschen Mannschaft nicht an Klasse (2006), taktischem Verständnis (2008) oder Tiefe des Kaders (2010). Sondern an Glück. Dem Glück vor dem Spiel, nicht auf Italien zu treffen oder dem Glück im Spiel, das Hummels den Fehler Buffons nutzt und Balotelli Lahms nicht.

Letztlich hat es nicht gereicht, weil der Gegner im Halbfinale abgezockter, kälter, ein wenig glücklicher und in erster Linie Italien war. Doch im Gegensatz zu 2006, 2008 und 2010 bin ich momentan noch zu enttäuscht um den Blick nach vorne zu richten. Ich bin letzte Nacht mehrmals aufgewacht, mit dem Gedanken, dass das alles nur ein Traum war und das richtige Spiel noch aussteht. Weil das Alles irgendwie nicht sein kann: Der EM-Titel 2012 war seit 2 Jahren in meinem Kopf  fest gebucht. Und er wäre verdient gewesen. Doch jetzt ist er weg.

Liebe Grüße
Felix

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