Der Abschiedsbrief: Ihr habt mein Herz gebrochen, Fortuna!

18. Mai 2013FelixBlogs, | Der Abschiedsbrief

Eine deutsche Mannschaft scheidet aus einem internationalen Wettbewerb aus, ein Bundesligatrainer wird entlassen. Zu solchen Anlässen verfasst einer unserer Sechser einen Abschiedsbrief. Felix wendet sich heute an Fortuna Düsseldorf. Der Verein steigt nach einem Jahr in der Bundesliga trotz einer guten Hinrunde direkt ab.

Liebe Fortuna,

ich sage es euch direkt ins Gesicht: Ihr habt mein Herz gebrochen und mich so sehr gereizt, dass ich mich über die Rücknahme des vermeintlichen Dortmunder Ausgleichs gegen Hoffenheim gefreut habe.

Vor 4 Jahren begann unsere Beziehung im Stadion, dass damals noch LTU Arena hieß, bei einem Drittligaheimsieg gegen Dynamo Dresden. Ich sah eine Mannschaft, die zwar fußballerisch furchtbar limitiert war, aber durch Kampfgeist und eine konzentrierte Defensive mit vielen 1:0-Siegen ihren Weg in die 2.Liga fand.

Dort gab es im ersten Jahr unverhofft die Möglichkeit, um den Aufstieg mitzuspielen, für den es aber dann nicht ganz reichte. Im zweiten Jahr konnte ich nicht verstehen, warum ihr plötzlich 3 Brasilianer für jeden Mannschaftsteil verpflichten musstet, schließlich war guter Fußball nie eure Stärke. Doch nach 6 Niederlagen zu Saisonbeginn flogen Tiago, Rochenback und Wellington aus der Mannschaft und eine tolle Heimserie sicherte euch den siebten Platz.

Schließlich folgte das Aufstiegsjahr, in dem auf eine Hinrunde ohne Niederlage eine durchwachsene Rückrunde und eine nervenzerfetzende Relegation, aber ein Happy End folgen sollte. In all‘ diesen Jahren seid ihr in einem Punkt Konstant geblieben: Häufig wurde spielerische Hilflosigkeit durch großen Einsatz überspielt.

Mit dieser Qualität seid ihr mit kaum nachvollziehbarem Erfolg durch die Hinrunde gestolpert. Besonders Robbie Kruse und Stefan Reisinger erzielten wichtige Tore, obwohl es schon als Dribbling gelten musste, wenn ihnen der Ball bei der Annahme nicht 2 Meter versprungen war.

Auch in der Rückrunde wurde euer Spiel nicht besser, aber ein wichtiger Faktor aus den Jahren zuvor wurde sträflich vernachlässigt: Die Laufbereitschaft der Mannschaft ließ in jedem Spiel nach. Der Abstiegskampf war nichts für diese Truppe. 15 neue Spieler kamen im Sommer, 4 weitere im Winter und die wenigen, die schon länger bei euch kickten, kannten nur dem Kampf um den Aufstieg, nicht gegen den Abstieg. Nur in 4 Rückrundenspielen liefen die Düsseldorfer mehr als ihre Gegner: Lächerlich für einen Abstiegskandidaten.

Eure mitleidserregende Inkompetenz im Spiel nach vorn kann ich euch verzeihen, weil sie zu meinem Bild der Fortuna gehört wie Lumpi Lambertz oder Norbert Meier. Dass euch der drohende Abstieg furchtbar am Arsch vorbei ging, tat mir furchtbar weh. Selbst Spieler wie Axel Bellinghausen, als kämpferisches Vorbild verpflichtet, schlug vorne mosernd Flanken hinters Tor und trabte bestenfalls im Spiel nach hinten.

Dass die Spiele gegen die direkten Konkurrenten Augsburg und Hoffenheim in der Rückrunde einfach abgeschenkt und nie mit der nötigen Ernsthaftigkeit angegangen wurden, wirkt heute, am Tag des direkten Abstiegs, wie blanker Hohn und zeugt eurer Arroganz und Unfähigkeit, die Situation realistisch einzuordnen. Geblendet von einer guten Hinrunde und schwacher Konkurrenz schient ihr den Klassenerhalt für einen Selbstläufer zu halten.

Als es schließlich eng wurde, wurden eure spielerische Unzulänglichkeit und der bereits in den Wochen zuvor bröckelnde Teamgeist zu einer untragbaren Last, die euch letztlich in die zweite Liga zurückzog. Ein Abstieg, der absolut verdient ist. Was mir ein wenig Leid tut.

Enttäuscht,
Euer Felix

3 Kommentare zu “Der Abschiedsbrief: Ihr habt mein Herz gebrochen, Fortuna!”

  1. sascha · 19. Mai 2013 Antworten

    wenn ich das hier lese der BVB hat Hoffenheim geholfen ich glaube das der bvb am wenigstens die TSG helfen würde mein Gott Düsseldorf hat es doch selber in der Hand gehabt wenn man so wenig Punkte aus der rückrunde mitnimmt dann brauch man sich doch nicht wundern Jürgen nur weil der BVB verloren hat gegen hoffenheim deshalb darf er nicht den Pott holen lächerlich was du sagst das sind immer noch 2 unterschiedliche Wetbewerbe so ist das nun mal in Fussball der eine hat glück der andere Pech.

  2. Jürgen Mann · 19. Mai 2013 Antworten

    Schade für das Publikum das hat es nicht verdient es war nicht das letzte Spiel sondern die gesamte Rückrunde und das ausgerechnet der BVB den Hoffenheimer unterstützt hat ist für mich persönlich fraglich. Mit so einer Leistung hat es der BVB auch nicht verdient den Pott zu holen.

  3. Klaus · 19. Mai 2013 Antworten

    Ganz ehrlich? Nein! Die Mannschaft hat in der Rückrunde einen besseren Fußball gespielt als in der Hinrunde. Leider hat sie da keine Punkte geholt. Das war ziemlich dämlich. Wenn es dazu führt, einem Felix das Herz zu brechen und sich zu freuen, dass Hoffenheim in der Liga bleibt, hats ja auch was gebracht: Der kleine Felix drückt im Zukunft den Hoppels ganz fest die Daumen. So isser halt, der Felix! Machet jooht, Dich braucht kein Mensch!

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