Der Abschiedsbrief: Tot ziens, Huub!

16. Dezember 2012FelixBlogs, | Der Abschiedsbrief

Eine deutsche Mannschaft scheidet aus einem internationalen Wettbewerb aus, ein Bundesligatrainer wird entlassen. Zu solchen Anlässen verfasst einer unserer Sechser einen Abschiedsbrief. Felix wendet sich heute an Huub Stevens, Schalkes Jahrhunderttrainer mit extrem kurzer Halbwertszeit.

Lieber Huub,

ich muss dir ganz ehrlich gestehen: Deine Entlassung, obwohl sich in den letzten Wochen die Zeichen darauf verdichteten, trifft mich aus dem Nichts und macht mich zunächst einmal sprachlos. Sicher, die Defensivprobleme deiner Mannschaft beim 1:3 gegen Freiburg waren offensichtlich und bitter. Und die zunehmende Ideenlosigkeit der Offensive in den letzten Spielen kann nicht ausschließlich die Schuld der Einzelspieler auf dem Platz gewesen sein, denn eine Spielidee kommt vom Trainer. Aber dies waren alles Probleme, von denen ich glaubte, dass Du sie mit etwas Zeit hättest lösen können.

Doch Du bist, wie viele vor dir, dem Fluch einer Schalker Champions League Saison zum Opfer gefallen. Dieser verflixte Wettbewerb, der anscheinend alle Funktionäre des Vereins komplett durchdrehen lässt. Ralf Rangnick wurde entlassen, in der Champions League Saison 05/06. Zwei Jahre später traf es Mirko Slomka, nach dem Ausscheiden im Viertelfinale gegen Barcelona. Felix Magath führte die Mannschaft ins Achtelfinale und wurde noch im laufenden Wettbewerb gekündigt. Und nun du, nach einer Vorrunde, die ohne Niederlage überstanden wurde. Es ist geradezu grotesk, was dieser verfluchte Wettbewerb in den Köpfen der Verantwortlichen und auch Fans los tritt, die scheinbar die Weltherrschaft in greifbarer Nähe sehen und den aktuellen Trainer stets als Hindernis auf dem Weg dahin.

Natürlich hast du Fehler gemacht:  In den Augen vieler, auch in meinen, hast du lange Zeit mit Lars Unnerstall den falschen Mann ins Tor gestellt. Die Ironie will, dass mit deinem Mann im Tor viel mehr Punkte gesammelt worden, als mit der Lösung, auf die du dich eingelassen hast, um die unruhigen Fans versöhnlich zu stimmen. Zudem hatten die Spieler, die von der Bank kamen, allesamt keine Form. Egal ob Marica, Barnetta oder Obasi, die allesamt ihre Bundesligaqualität schon einmal unter Beweis gestellt hatten: In den letzten Wochen spielten sie selten, und wenn, dann schlecht. Auch das wird wahrscheinlich kein Zufall sein und hängt entweder mit mangelhafter Motivation oder schlechter Trainingsarbeit zusammen. Diesen Schuh muss sich ein Trainer anziehen.

Dennoch kann ich nur meine Anfangszeilen wiederholen: All dies gab mir nicht das Gefühl, dass du die Mannschaft nicht wieder hättest auf Kurs bringen können. Die Winterpause wäre gekommen, die Form wäre zurückgekehrt und mit dir auch die tollen Fußballfeste, welche die Fans letztes Jahr in wohlige Euphorie versetzten. Platz 3, der im vergangenen Jahr noch zufrieden stimmte und mit Raul erreicht wurde, war dieses Jahr, auch ohne den spanischen Weltstar, nicht wirklich in Gefahr. Ich bin sicher, dass du dich nun in die Niederlande zurückziehen und das Leben mit deiner Frau genießen wirst. Und Du hast es Dir verdient, bei allem, was du für die Bundesliga im Allgemeinen und für Schalke im Besonderen geleistet hast. Wir werden nie vergessen, was Du für diesen Verein geleistet und bedeutet hast. Leider vor 15 Jahren mehr als in den letzten 15 Monaten.

Alles Gute,
Dein Felix

10 Kommentare zu “Der Abschiedsbrief: Tot ziens, Huub!”

  1. Henry1904 · 18. Dezember 2012 Antworten

    Irgendwie pfiffen es die Spatzen schon lange von den Dächern. Spätestens seit dem Leverkusenspiel kam es zu einem Bruch zwischen Manschaft und Trainer (nehme an der Co Gisdol gehört da auch mit rein, wie seine Freistellung jetzt zeigt, wurde er doch lange bei Experten oder denen, die sich dafür halten als möglicher Nachfolger oder Erbe von Huub gesehen). Warum wurde solange gewartet mit einer ganz klaren Aussage zum auslaufenden Vertrag von Huub? Weil man eigentlich einen anderen Trainer verpflichten möchte, oder wie soll man das verstehen? Warum pokern Hunte und Holtby so lange? Geht es nur ums Geld oder weil sie wohl erst wissen wollten, wer sie die nächsten Jahre trainiert? Alles hängt wohl zusammen. Und wen trifft es? Den Trainer. Vielleicht sollten sich auch einmal ein paar Spieler Gedanken darüber machen, ob sie in den vergangenen Wochen wirklich “alles” gegeben haben und ihre Leistung dem Gehalt entsprechend gebracht haben. Kann nur sagen, wenn einer in der freien Wirtschaft seine Leistungen nicht bringt, bekommt er die Papiere und kann gehen. Denkt mal drüber nach ihr Spieler. Schade Huub. Hoffe Du bleibst Schalke in irgendeiner Form verbunden.

  2. frank · 17. Dezember 2012 Antworten

    meiner meinung nach gehören den spieler das gehalt gekürzt weil die es sind die zurzeit nichts taugen und wenn man dann noch hört das sie um mehr geld pokern um die verträge zu verlängern sag ich nur weg mit den leuten und wenn dann noch so ein tüp wie der tönnies so eine fehl entscheidung macht und den besten trainer wie huub stevens feuert dann sag ich nur der arsch hat ahnung von würsten aber nicht von fußball der gehört weg für so eine fehlentscheidung

  3. Martin · 17. Dezember 2012 Antworten

    ich finde das, das die da Oben einen ganz Bösen Fehler gemacht haben. Denn für mich mußte nicht de Trainer weg sondern diie Spieler die nicht Wollen und darüber sollten sich die hohen Herren mal Gedanken auf Schalke mal Gedanken machen , es ist nich immer der Traener schuld lg Martin

  4. josi · 17. Dezember 2012 Antworten

    Huub Stevens war schon der richtige Trainer bis zu dem Spiel in Leverkusen, da hat er das Tuch zerissen. Der Verein lebt nun mal vom Erfolg einer Mannschaft. Nur wenn ich höre dass ein Trainer Gross (war beim VFB ) gehandelt wird, wirds mir schlecht. Hoffentlich hat Herr Tönnies hier mehr Verstand, und wendet dieses ab.

  5. tina olschewski · 17. Dezember 2012 Antworten

    ich kann Marco Bühne nur zustimmen,es werden zu oft die falschen Leute entlassen. Es sind meistens die Spieler und nicht der Trainer worann es scheitert.

  6. Ronny SGD · 17. Dezember 2012 Antworten

    Es ist eine schande so einen Trainer zu Entlassen mann sollte eher ein paar Spieler Suspendieren und einen teil ihres Gehalts zu Spenden damit sie auch mal lernen für ihr Geld ordentlich zu Spielen.

    Sportliche Grüsse aus Dresden

  7. Marco Bühne · 17. Dezember 2012 Antworten

    Ich bin Traurig das er Freigestellt wurde!!! Es ist nicht immer der trainer Schuld. Man sollte mal anfangen die fehler auch mal bei den Spielern zu suchen . Die bekommen Milionen von den Vereinen die Sie den Spieler Zahlen und das finde ich nicht richtig! Bei mir würde es ein Grundgehalt von 50000€ Pro monat geben und dann sollte sich jeder beweisen und dann werden Prämien ausgezahlt.Dann werden wir auch wieder Tolle Spiele sehen!!!!

  8. Rudi1953 · 17. Dezember 2012 Antworten

    Ich bin Stevens auch für seine Erfolge 1997, 2001 und 2002 sehr dankbar. Allerdings ist er kein Trainer, der eine Mannschaft formen und ein Spielsystem vermitteln kann. Ich erinnere daran, dass seine Erfolge in der Vergangenheit mit Mannschaften errungen wurden, die von einer starken Abwehr und vom Kampf kamen. Guter Fußball, wie er heute gespielt wird, ist geprägt von einem System, einer guten Raumaufteilung und wird überwiegend erfolgreich von technisch starken Spielern gespielt (Barcelona, Bayern, Dortmund, etc.). Ein weiterer Punkt, den ich bei Stevens vermisse ist der, dass sich in den 15 Monaten unter ihm nicht ein Stammspieler und kein Ergänzungsspieler verbessert hat. Zusätzlich hält er einfach zu lange an schwachen Spielern (Unnerstall, Matip, Holtby) fest und gibt auf der anderen Seite jungen Leuten (Pukki, Moritz, Escudero) so gut wie keine Chance. Wie er sich den Spielern und den Fans gegenüber verhalten hat, sollte sich eigentlich nicht auf das Spiel auswirken, wird aber im Unterbewußtsein der Spieler sicherlich eine negative Rolle spielen. Auch in seinen anderen Vereinen hat sich Stevens und seine Art schnell abgenutzt und seine Erfolge (Meister mit Salzburg und Aufstieg mit Köln) sind nicht so, dass man von einem Meistertrainer reden kann. Wenn Schalke wirklich zu unseren Lebzeiten (ich mache das jetzt schon 50 Jahre mit) einmal Deutscher Meister werden will, braucht man einen ähnlichen Trainer wie Klopp, der von Grund auf eine neue und junge Mannschaft formt, jeden Spieler verbessert und sein System durchsetzt. Das man dann auch noch das notwendige Glück braucht um vielleicht einmal Meister zu werden (Bayern muß in dem Jahr schwächeln), versteht sich von allein. Wir Schalker haben doch eigentlich die erforderliche Geduld für den notwendigen Neuanfang. Also talentierte Spieler für kleines Geld holen, auf die eigene Jugend setzen und den Mut haben, auch einmal im Mittelfeld zu landen. Wenn die Ablösesummen und die Gehaltsstruktur entsprechend angepaßt wird (keine Einkäufe und Gehälter wie Farfan (10 Mio. Euro, Huntelaar 13 Mio. Euro, Jurado 12 Mio. Euro), kann Schalke sicherlich auch einmal 2 oder 3 Jahre ohne einen europäischen Wettbewerb auskommen. Nehmt euch einfach Dortmund, Hannover, Mainz und Freiburg und findet mit einem geeigneten neuen Trainer den eigenen Weg.

  9. Alex · 16. Dezember 2012 Antworten

    Ist schon in Ordnung so! Huub Stevens kann die Mannschaft einfach nicht weiterentwickeln und auf ein neues/besseres Niveau heben…

    • Tom1904 · 16. Dezember 2012 Antworten

      Huub Stevens wurde zu Recht als Jahrhunderttrainer gewählt und hat auf Schalke ähnlichen Status wie Fischer, Asa oder Raul. Aber das Fussballgeschäft tickt nunmal sehr schnell. Das dieser Abschied ungwöhnlich ist, dokumentieren die Ringe unter Horst Helds’ Augen.

Sag' doch auch mal was!

Deine Meinung zählt!

Wer wird Weltmeister 2014?


zum Ergebnis

Loading ... Loading ...

Neuer Kram

Jede Mannschaft agiert in jeder Situation mit mindestens sechs Feldspielern hinter dem Ball. Man könnte auch eine Kartoffel beobachten und warten, dass sie sich in einen Drachen verwandelt…

Im Halbfinale der WM schlachtet die deutsche Mannschaft total überforderte Brasilianer erbarmungslos mit 7:1. Dabei gelingen dem Team von Joachim Löw 5 Tore in der ersten halben Stunde des Spiels…

Archivkram

Gewaltbereitschaft und gewalttätige Fans sind derzeit das beständig wiederkehrende Thema in Gesprächen rund um den deutschen Fußball. Wir haben ein Interview mit einer Frau geführt, die einige Jahre die Ultras eines Bundesligisten hautnah miterleben durfte.

Dinge kommen und Dinge gehen wieder, auch im Fußball ist das so. Aber nicht nur Spieler, Manager und ganz besonders Nicolas Anelka tauchen auf und verschwinden irgendwann wieder: Auch sprachliche Eigenheiten scheinen manchmal einfach weg zu sein, wenn man sich gerade an sie gewöhnt hat…

Das Beste aus unseren Live-Blogs

"Bei Italien kommt Diamanti für Cassano ins Spiel. England jetzt gegen zehn Italiener und ein Pokemon." > England - Italien
More in Blogs, | Der Abschiedsbrief (58 of 133 articles)