Der Gegenspieler: Goldener Schuh für Gomez?

21. Juni 2012Dominik> Länderspiele

Der Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne beziehen zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung zu diskussionswürdigen Thesen. Die beiden Gegenspieler entscheiden ob die Prognosen eintreffen werden (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die heutigen Kontrahenten sind Felix und Stephan, die Thesen kommen in dieser Woche von Dominik.

 

1. Dass die Niederlande nicht die KO-Phase erreicht hat, ist bisher die größte Überraschung der EM.

Stephan: Fakt. Nach der uninspirierten Leistung der Holländer gegen Dänemark dachte ich noch an einen Ausrutscher und sorgte mich ein wenig um das Spiel gegen unsere Nationalmannschaft. In dieser Begegnung offenbarten die Niederlande allerdings, dass sie keine europäische Topmannschaft sind: Defensiv zu instabil und Offensiv ohne Struktur und erkennbares Konzept. Folgerichtig gab es das frühe Aus und hoffentlich einen Umbau der niederländischen Nationalmannschaft.

FelixFiktion. Eine Kombination aus formschwachen Leistungsträgern (van Bommel, Sneijder, Robben) und Pech bei der Auslosung hat die Niederlande den Einzug ins Viertelfinale gekostet. Aber beides war bereits vorher klar und das Ausscheiden damit zumindest absehbar, auch wenn man davon ausging, dass die fußballerische Klasse einzelner Spieler die oben genannten Einwände übertünchen kann. Mich vollkommen überrascht haben der Gruppensieg Englands in der stärksten Gruppe der Vorrunde und der sensationelle Einzug von Griechenland in die KO-Runde, obwohl die Ausgangsposition vor dem letzten Spiel mehr als schlecht war.

 

2. Bisher hat sich noch kein Spieler konstant außergewöhnliche Leistungen gezeigt.

Stephan: Fakt. Mir fällt partout kein Spieler ein, dem ich diese Leistung über bislang drei Spiele bescheinigen möchte. Ich denke, dass sich im Laufe der KO-Phase noch einige ins Rampenlicht spielen werden, sodass diese Frage am Ende der Euro 2012 leichter beantwortet werden kann. Die momentane Leere an konstant außergewöhnlichen Leistungen liegt wahrscheinlich an den anfänglichen Schwierigkeiten den Rhythmus zu finden: Saisonfinale, kurze EM Vorbereitung, div. Reisen zu Austragungsorten und unbeständiges Wetter. Ich bin mir allerdings sicher, dass diese EM noch einen Spieler zu außergewöhnlichen Leistungen tragen wird.

FelixFakt. Das liegt aber in der Natur der Sache: Eine außergewöhnliche Leistung kann nur dann außergewöhnlich sein, wenn sie sich aus der Konstanz heraushebt. Wir haben in der Vorrunde bereits außergewöhnliche Leistungen gesehen (Hummels gegen Portugal, Iniesta gegen Italien) und konstante Leistung (Steven Gerrard war in allen Spielen sehr gut und ist deshalb auch der beste Spieler der Vorrunde). Aber keiner brachte Ausnahmeleistungen in jedem Spiel.

 

 

3. Mario Gomez wird Torschützenkönig.

FelixFakt. Warum nicht? Gomez führt die Torjägerliste an und ist die einzige Spitze im System des größten Turnierfavoriten. Man darf also davon ausgehen, dass er noch ein, zwei oder drei Spiele machen wird und dabei ständig versuchen muss, ein Tor zu schießen. Das wird hin- und wieder auch funktionieren. Und das sollte für den Gewinn des goldenen Schuhs ausreichen.

Stephan: Fakt. Mario Gomez löst seine Aufgabe bisher sehr gut. Mit 3 Treffern in 3 Spielen steht er an der Spitze der Torjägerliste. Aber nicht nur diese Tatsache lässt mich nicht daran zweifeln, dass er am Ende des Turniers Torschützenkönig wird. Zwei weitere Gründe: Mario Gomez ist in ausgesprochen guter Form, die ein Stürmer für ein erfolgreiches Turnier benötigt. Des Weiteren bekommt er durch die Mannschaft alle Möglichkeiten, Torerfolge zu erzielen – als einzige Spitze und durch die meisten Spiele.

 

4. Das Spiel England – Ukraine hat gezeigt, dass Torrichter absolut überflüssig sind.

Felix: Fiktion. Der letzte Spieltag des Turniers war geprägt von grauenhaften Fehlentscheidungen der Torrichter. Das deutsche Schiedsrichterteam von Wolfgang Stark gab einen klaren Elfmeter für Kroatien nicht, die Ungarn um Viktor Kassai setzten am Folgetag sogar noch einen drauf und übersahen ein Tor. Und ein Mann, der neunzig Minuten am Spielfeldrand steht und sich nur auf das konzentrieren muss, was in unmittelbarer Nähe geschieht, sollte solche Situationen richtig einschätzen können. Dennoch sollte man einen weiteren Aspekt der Torrichter nicht vernachlässigen: Wenn dem Torwart langweilig ist, hat er einen netten Gesprächspartner Je mehr Unparteiische im Spiel sind, desto schwerer wird es, ein Spiel durch Bestechung zu manipulieren.

Stephan: Fiktion. Sicherlich war die Leistung des Torrichters nicht die Beste – es war weder eine unübersichtliche noch furchtbar schnelle Situation. Der Torrichter hätte hier klar auf einen Treffer für Ukraine entscheiden müssen. Ob das Spiel dann einen anderen Verlauf genommen hätte ist Spekulation und auch gar nicht Gegenstand dieser Frage. Ich finde es schwierig die Torrichter nur anhand dieses Vorfalls zu bewerten. Denn die Leistung und Notwendigkeit sollte nicht an einer Aktion gemessen werden. Ansonsten hätten wir schon längst keine Schiedsrichter mehr.

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