Der Gegenspieler: Bleibt Schalke vor Dortmund?

25. August 2011Dominik> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Willkommen zur neuen Ausgabe vom doppel-sechs.de Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne werden wir zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung beziehen lassen zu Thesen, die uns diskussionswürdig erscheinen. Die beiden Gegenspieler entscheiden unabhängig voneinander ob dies eintreffen wird (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die beiden heutigen Kontrahenten sind Felix und Stephan, die Thesen kommen in dieser Woche von Dominik. Dann wollen wir mal schauen, welche Erkenntnisse uns das Aufeinandertreffen diese Woche beschert:

 

1. Hannover 96 hat sich nachhaltig vom Image der “grauen Maus” getrennt.

Stephan: Fakt. Lange Zeit war Hannover 96 das Abbild der Landeshauptstadt: Bieder. Doch nachdem die Verpflichtungen von verletzungsanfälligen Ex-Nationalspielern und der  Reservebank des SV Werder Bremen ein Ende nahmen, entwickelte sich die Mannschaft zu einem Team mit Profil. Gepaart mit einem der unterschätzesten deutschen Trainer, der System mitbrachte und ein kontinuierliche, ruhiges Arbeitsumfeld vorfand, ist Hannover 96 zu einem erfolgreichen und sympathischem Team gereift.

Felix: Fiktion. Hannover 96 hat in der letzten Saison bis zum Saisonende um einen Platz in der Champions League mitgespielt, sich für die Europa League qualifiziert und dort im Playoff Hinspiel die als wesentlich stärker eingeschätzte Mannschaft des FC Sevilla mit 2:1 geschlagen. Hinzu kommt die Meldung, dass Torwart Ron-Robert Zieler in die Nationalmannschaft berufen wurde. Ohne Zweifel befindet sich der Klub dieses Jahr auf einem guten Weg, doch damit diese Entwicklung als „nachhaltig“ bezeichnet werden kann, muss noch viel mehr kommen. Es ist nicht undenkbar, dass der Verein schon in ein paar Wochen wieder auf Platz 8 zu finden ist.

 

2. Der Kaufrausch des VfL Wolfsburg wird sich negativ auf dessen Saisonverlauf auswirken.

Stephan: Fiktion. Felix Magath agiert nicht planlos, wie die Transferpolitik auf manchen wirken könnte. Er erhöht nur die Wahrscheinlichkeit, Spieler zu finden, die ihn und die Mannschaft zum Erfolg verhelfen. Ein Platz unter den Top 6 ist für den VfL in dieser Saison keine Utopie.

Felix: Fiktion. Felix Magath verfolgt seit seiner ersten Amtszeit bei den Wölfen seine ganz eigene Transferpolitik die in erster Linie nach dem Prinzip „Try & Error“ funktioniert. Magath verpflichtet eine große Anzahl von Spielern und gibt auch vielen davon, die Gelegenheit sich in ein paar Spielen zu beweisen. Anschließend sortiert er gewissenhaft die Spieler aus, die nicht das von ihm geforderte Leistungsniveau erreichen. Mit diesem Prinzip hat Magath in seiner ersten Amtszeit neben vielen Spielern, die plötzlich einfach wieder verschwanden, auch Juwelen wie Grafite und Edin Dzeko verpflichtet, die vorher genau so bekannt waren wie Mame Niang, der im gleichen Transferfenster nach Wolfsburg kam und sich nicht durchsetzen konnte. Noch dazu sind Magaths Verpflichtungen in diesem Jahr zum einem Großteil gestandene Bundesligaspieler, die den VfL wieder in den Europapokal führen können.

 

3. Schalke wird am Ende der Saison vor dem Erzrivalen aus Dortmund stehen.

Stephan: Fiktion. Ich sehe Borussia Dortmund als eines der stärksten Teams der Liga und Schalke sich immer noch von Felix Magath und dem Abgang von Manuel Neuer erholen.  Während der BVB auch im nächsten Jahr Champions League spielen darf, findet sich der FC Schalke in der Europa League wieder.

Felix: Fiktion. Ich sehe zwar durchaus Gründe, die mich zu dieser Annahme verleiten könnten, dennoch sagt mir mein Verstand, dass dies nicht eintreffen wird. Die sportlichen Gründe sprechen alle für den BVB. Ich probiere es mal so: Für die These würde sprechen, dass die Statistiken der letzten Jahre aufzeigen, dass Schalke immer in jenen Jahren Vizemeister wurde, in denen der Kader nicht durch millionenschwere Neuzugänge verstärkt wurde. Der meiste Erfolg in der Liga kam in den Konsolidierungsjahren (sofern man bei den Königsblauen überhaupt von so etwas sprechen kann). In dieser Saison kamen die Schalker ohne große Transferausgaben aus. Da ich zudem denke, dass der FC Bayern dieses Jahr Meister wird und Schalke nach obiger Theorie Vizemeister werden müsste, bleibt nicht mehr viel Platz in der Tabelle vor den Gelsenkirchenern. Aber die Tatsache, dass so eine waghalsige Gedankenkonstruktion für eine Zustimmung nötig ist, lässt mich die These ablehnen.

 

Die beiden Kontrahenten begannen mit einem Widerspruch, um dann doch eine gemeinsame Linie zu finden. Mal schauen, wie es nach dem Seitenwechsel weitergeht:

 

4. Nach der Verletzung von Ivica Olic verpflichtet Bayern noch einen namhaften Stürmer.

Felix: Fiktion. In der abgelaufenen Saison hatten die Bayern mit Klose und Gomez zwei fitte Spieler unter Vertrag, die im bevorzugten 4-3-3 System einen klassischen Mittelstürmer spielen können. Trotz der schwerwiegenden Verletzung von Olic sah man im letzten Jahr keine Notwendigkeit, einen weiteren Stürmer zu verpflichten. Dieses Jahr ist die Situation ähnlich: Mit Petersen und Gomez stehen zwei Mittelstürmer unter Vertrag. Das dürfte den Bayern auch dieses Jahr reichen, um durch die Saison zu kommen. Da man aber bei der Schwere von Olics Verletzungen in diesem und im letzten Jahr nicht weiß, ob der Kroate bei seiner körperbetonten Spielweise jemals wieder sein früheres Niveau erreichen wird, würde die Verpflichtung eines weiteren Stürmers durchaus Sinn machen.

Stephan: Fakt. Nach dem Einzug in die Gruppenphase der CL benötigt der FCB eine Alternative auf der Stürmerposition. Dieser wird internationale Klasse aufweisen müssen, um den Bayern ernsthaft weiterhelfen zu können und deshalb auch einen prominenten Namen tragen.

 

5. Hannover 96 und Schalke 04 werden Heute Abend beide die Gruppenphase der Europa League erreichen.

Felix: Fiktion. Ich hätte nichts dagegen, mich in diesem Punkt zu irren, allerdings sehe ich beide Vereine in einer Ausgangssituation, die es mir schwer macht daran zu glauben, dass tatsächlich beide Weiterkommen. Die Schalker empfangen den HJK Helsinki mit der schweren Hypothek einer 0:2 Niederlage aus dem Hinspiel. Bisher kassierten die Schalker, abgesehen vom 11:0 Pokalsieg in Teningen, in jedem Pflichtspiel mindestens ein Tor. Gehen wir also davon aus, dass Schalke mindestens vier Tore selbst schießen muss. Zwar haben die Knappen in Mainz gezeigt, dass dies möglich ist, allerdings gegen einen Gegner, der selber nach vorne spielte. Dies werden die Finnen nicht tun. Hannover gelang zwar ein 2:1 Erfolg über Sevilla im Hinspiel und wäre damit bei jedem eigenen Sieg und jedem Unentschieden weiter, dennoch ist es nicht undenkbar dass der Frischling auf europäischer Bühne in Andalusien ohne eigenen Torerfolg verliert, was in jedem Fall das Aus bedeuten würde. Ich kann mir zwar sowohl vorstellen, dass Hannover in Spanien ein Unentschieden schafft oder Schalke mit mindestens 4:1 gegen Helsinki gewinnt, aber nicht, dass beides passieren wird.

Stephan: Fiktion. Während Hannover seine bemerkenswerte, aber nicht gute Ausgangsposition in Sevilla durch ein 3:1 verspielt wird Schalke vor eigenem Publikum einen sicheren 3:0 Erfolg und damit den Einzug in die Gruppenphase feiern können. Während man kurz darüber rätselt, wie man gegen diesen Gegner im Hinspiel klar unterliegen konnte, träumen die Schalker von einem Champions-League-Sieg der Dortmunder, der traditionell mit einem Europapokal-Sieg der Schalker einhergeht.

 

6. Marco Reus wird nach dieser Saison nicht mehr das Gladbacher Trikot tragen.

Felix: Fakt. Das ist eine harte Nuss. Zunächst möchte ich unverbindlich anmerken, wie gut Marco Reus in das System von Borussia Dortmund passen würde: Pfeilschnell, dribbelstark, torgefährlich und immer häufiger mit dem Blick für den Mitspieler. Zudem spielt beim BVB sein alter Mannschaftskamerad Kevin Großkreutz, mit dem Reus bei RW Ahlen zusammenspielte. Es scheint sich um einen extrem talentierten und lernwilligen Spieler zu handeln, der gut zu einem Trainer wie Jürgen Klopp passen würde. Ein ähnlicher Trainertyp ist Lucien Favre, mit dem Reus aktuell zusammenarbeitet. Der Spieler wirkt in Mönchengladbach glücklich, wird aber sicherlich Berater haben, die ihm bald mitteilen, wie wichtig es ist, international zu spielen. Trotz des aktuellen Erfolgs denke ich nicht, dass dies mit den Fohlen in naher Zukunft möglich sein wird. Somit steht am Ende meiner Gedankenkette der Wechsel von Marco Reus zu einem Klub, der auf europäischer Bühne vertreten ist.

Stephan: Fakt. Gladbach startet grandios in die Saison und wird sich am Ende im gesicherten Mittelfeld wiederfinden. Für Reus zu wenig. Es gibt keine Aussicht auf Vertragsverlängerung und Gladbach wäre gut beraten, sich die Transfererlöse zu sichern.


Mit  recht harmonischen 4 Übereinstimmungen und 2 Widersprüchen schließen wir die heutige Ausgabe des Gegenspielers. Seid nächste Woche dabei, wenn die sechs Thesen von Stephan gestellt werden!

 

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