Der Gegenspieler: Brother, where are thou?

31. Mai 2012Felix> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Willkommen zum Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne beziehen zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung zu diskussionswürdigen Thesen. Die beiden Gegenspieler entscheiden ob die Prognosen eintreffen werden (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die heutigen Kontrahenten sind Dominik und Stephan, die Thesen kommen in dieser Woche von Felix.

 

1. Die Entscheidung, nur einen der Benderzwillinge mit zur EM zu nehmen, ist nicht nachvollziehbar.

Stephan: Fiktion. Die Entscheidung fiel nicht gegen Sven Bender, sondern für eine breite Offensivreihe: Denn mit Götze, Reus und Schürrle bieten sich für Jogi Löw gleichwertige Alternativen für die Außenpositionen. Im Laufe des Turniers wird sich zeigen, dass gerade auf diesen Positionen Frische und Tagesform spielendscheiden sind – der breite Pool an Auswahlmöglichkeiten kann dann positiv eingesetzt werden. Die Entscheidung für den Offensivverbund und somit gegen Sven Bender ist also vollkommen nachvollziehbar.

Dominik: Fiktion. Ich finde den Kader, so wie er ist, sehr ausgewogen. Löw hat genau die richtigen (Feld)Spieler aus dem erweiterten Kader nach Hause geschickt. Sven und Lars Bender bekleiden auf dem Platz ähnliche Positionen: Während Sven eher im zentralen Mittelfeld eingesetzt wird, so spielt sein Bruder den etwas defensiveren Part. Da wir im Mittelfeld sehr gut besetzt sind, musste einer der beiden den Kürzeren ziehen – in diesem Fall traf es Sven, was ich für richtig halte. Lars Bender ist in meinen Augen, obwohl er defensiver spielt, der spielerisch stärkere der beiden Brüder. Wenn er von der Bank kommt (was er wohl in der Regel tun wird), kann er dem Spiel eine neue Komponente geben. Auf der anderen Seite spielt Sven Bender zwar auch gerne mal einen entscheidenen Pass, doch sehe ich ihn eher in der Rolle, das gegnerische Aufbauspiel zu zerstören – sicherlich auch wichtig, aber nicht so passend zum taktischen Konzept der Nationalelf.

 

2. Mario Gomez sollte im Sturmzentrum den Vorzug vor Miroslav Klose erhalten.

Stephan: Fakt. Zwei Gründe sprechen für Gomez. Erstens: Miro Klose hat das letzte Saisondrittel aufgrund einer Verletzung bei Lazio verpasst. Damit fehlt ihm der nötige Rhythmus und somit ein wenig die Form, um Weltklasseleistung abrufen zu können. Es steht außer Frage, dass die Form während des Turniers zurückkehrt – bis dahin bedarf es aber eines selbstbewussten Stürmers im Zentrum, den wir in Mario Gomez wiederfinden. Zweitens: Während Miro Klose nicht viele Aktionen benötigt, um ins Spiel zu finden, hat man bei einer Einwechslung von Gomez immer das Gefühl, dass er verunsichert über den Platz marschiert. Zwei gute Gründe für Gomez von Beginn – zumindest bis Klose wieder die Form der letzten Weltmeisterschaft hat.

Dominik: Fakt. Hoffen wir mal, dass der beste deutsche Stürmer seine Form aus der Bundesliga und Champions League auch mit zur Nationalmannschaft nehmen kann. Wenn dem so ist, dann führt an Mario Gomez kein Weg vorbei. 41 Tore in 52 Pflichtspielen diese Saison, 45 Tore in 51 Spielen in der Saison davor – diese Zahlen sind einfach unglaublichgut und Miro Klose kommt da bei Weitem nicht ran. Er hat zwar in seiner ersten Saison bei Lazio Rom auch sehr gut gespielt (16 Tore in 35 Spielen), hatte am Ende allerdings mit einer Verletzung zu kämpfen, die ihn länger außer Gefecht setzte. Dies ist auch das nächste Argument, das gegen Klose und für Gomez spricht: Klose muss erst wieder fit werden, darüber hinaus fehlt ihm Spielpraxis. Auch wenn Gomez in der Nationalmannschaft häufig unglücklich aussah, so sollte er definitiv in der Startformation bei der EM 2012 stehen.

 

 

3. Ohne Puyol und Villa hat Spanien keine Chance, den Titel zu verteidigen.

Dominik: Fakt. Beide Ausfälle wirken sehr schwer: Carles Puyol ist der Stabilisator der Defensive, ein Mann, der die Abwehr zusammenhält. Seine Erfahrung ist ebenfalls ein großes Plus, das nun wegfällt. Zudem fällt mit David Villa die Tormaschine der Spanier aus. Er schoss das Team 2008 zum EM-Titel und zwei Jahre später zum WM-Pokal. In den Turnieren konnte sich zwar auch Fernando Torres als Goalgetter auszeichnen, doch fehlt ihm aktuell mit Abstand die Form dieser Zeit. Gerade im Sturm wirkt der Ausfall schwer, man muss auf Seiten Spaniens hoffen, dass entweder Torres plötzlich eine Leistungsexplosion gelingt oder die Mittelfeldspieler wie gewohnt torgefährlich sind. Wenn es vorne läuft, wiegt der Ausfall von Puyol nicht mehr allzu schwer. Dennoch denke ich, dass ein Verteidigen des EM-Titels außerhalb der Möglichkeiten Spaniens liegt.

Stephan: Fiktion. Puyol und Villa sind sicherlich Stützen des spanischen Teams, doch würde ich nicht so weit gehen und einen Titelgewinn an zwei Personen festmachen. Die Spanier haben ihre beiden letzten Titel durch eine geschlossene Mannschaftsleistung gewonnen – natürlich mit guten Einzelspielern, die aber für das Kollektiv arbeiten. Und genau aus diesem Grund schätze ich die Chancen für Spanien genauso hoch, wie vor den verletzungsbedingten Ausfällen von Puyol und Villa ein.

 

4. England wird bereits in der Vorrunde ausscheiden.

Dominik: Fiktion. England hat mit Frankreich, Schweden und Gastgeber Ukraine sicherlich keine leichte Grupper erwischt. Dazu fehlt Stürmerstar Wayne Rooney die ersten beiden Spiele (gegen Frankreich und Schweden) aufgrund einer Sperre. Auch der Ausfall von Gareth Barry und möglicherweise Frank Lampard, der Rassismus-Skandal zwischen John Terry und Antoine Ferdinand – alles keine guten Voraussetzungen. Dennoch denke ich, dass mit England in diesem Jahr zu rechnen ist. Der Kader besteht aus einem guten Mix von erfahrenen Profis und jungen, hungrigen Spielern. Roy Hodgson ist ein guter Trainer, dem in England allerhöchster Respekt gezollt wird. Wenn teaminterne Streitigkeiten ad acta gelegt werden, können die Three Lions groß auftrumpfen und werden in meinen Augen auf jeden Fall die Gruppenphase überstehen.

Stephan: Fakt. Und das tut mir für die Engländer wirklich leid. Aber diese Gruppe ist auch die Härteste dieser EM: Frankreich, Schweden und das Gastgeberland Ukraine stellen England vor eine unlösbare Aufgabe. Die Franzosen finden wieder Spaß am Fußball und traben nicht mehr demotiviert über den Platz, wie noch bei der WM 2010. Die Schweden und Ukrainer sind spielerisch  limitiert , aber der „Heimbonus“ wir den Gastgebern den Weg ins Viertelfinale ebnen.

 

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