Der Gegenspieler: Ist Breno ein Verbrecher?

22. Dezember 2011Felix> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Willkommen zur neuen Ausgabe vom doppel-sechs.de Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne werden wir zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung beziehen lassen zu Thesen, die uns diskussionswürdig erscheinen. Die beiden Gegenspieler entscheiden unabhängig voneinander ob dies eintreffen wird (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die beiden heutigen Kontrahenten sind Dominik und Felix, die Thesen kommen in dieser Woche von Stephan. Dann wollen wir mal schauen, welche Erkenntnisse uns das Aufeinandertreffen diese Woche beschert:

 

1. Das Fehlen von Trainer Huub Stevens bei Schalkes Pokalniederlage in Mönchengladbach ist unverantwortlich und unprofessionell.

Dominik: Fakt. Eine schwierig zu beantwortende These, da hier auch immer der Hintergrund geklärt sein sollte. Allerdings ist Huub Stevens bei Schalke unter Vertrag, es ist sein Job die Mannschaft sowohl im Training als auch bei Spielen zu betreuen. Und gerade bei einem so wichtigen und schweren Spiel wie das Pokalachtelfinale in Mönchengladbach, sollte der Trainer für die Mannschaft da sein. Der Hintergrund des Fehlens ist natürlich kein schöner, dennoch sollte hier die Pflicht vorgehen und Stevens hätte auf der Bank Platz nehmen sollen.

Felix:  Fakt. Es ist natürlich sehr schade, dass Huub Stevens Mutter erkrankt ist, aber der Mann hat eine Verantwortung gegenüber seinem Team und den Leuten, die ihm sein Gehalt bezahlen. Es ist entschuldbar, wenn Stevens nicht die lange Reise zum unwichtigen Europaleaguespiel nach Israel antreten möchte. Aber nicht zu einem wichtigen KO-Spiel nahe der holländischen Grenze zu erscheinen ist unverantwortlich. Die taktisch hilflose Mannschaft hätte den Trainer in diesem Spiel dringend gebraucht, aber wiederholt stiehlt sich Stevens davon und gibt nach bekanntem Muster die Erkrankung eines Verwandten als Grund an.

 

2. Michael Skibbe wird die erfolgreiche Arbeit von Markus Babbel als Trainer von Hertha BSC weiterführen.

Dominik: Fakt. Da ich Michael Skibbe für einen äußerst guten und kompetenten Trainer halte, stimmt ich der These zu. Die Basis für eine erfolgreiche Arbeit hat Markus Babbel bereits gelegt, nun kommt der frische Wind durch einen neuen Trainer dazu. Daher denke ich, dass die Hertha weiterhin in Anbetracht ihres Spielermaterials und der finanziellen Möglichkeiten weiterhin nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird und sich im gesicherten Mittelfeld festsetzen kann.

Felix:  Fiktion. Michael Skibbe lässt einen anderen und wesentlich offensiveren Fußball spielen als sein Vorgänger Markus Babbel. Die eingespielte Mannschaft muss sich nun an einen neuen Trainer gewöhnen, was Zeit brauchen wird. Ich denke nicht, dass Hertha dadurch noch einmal in Abstiegsnot geraten kann, aber Skibbe wird Babbels Arbeit nicht in gleichem Stil fortführen. Wir werden eine offensivere Hertha erwarten dürfen, aber nicht unbedingt eine erfolgreichere.

 

3. Die Kriminalisierung von Bayerns Verteidiger Breno ist nicht nachvollziehbar.

Dominik: Fakt. Ich finde es ja gut und sinnvoll, bei Prominenten das Strafmaß genauso hoch zu halten wie bei “normalen” Menschen. Dennoch denke ich, dass das Verhalten der Staatsanwaltschaft und der Justiz hier maßlos überzogen ist. Gerade bei einer bekannten Persönlichkeit kann man davon ausgehen, dass diese nicht so einfach von der Bildfläche verschwindet und untertauchen kann. Daher halte ich auch das zunächst verhängte Ausreiseverbot für übertrieben, dieses wurde ja nun zum Glück aufgehoben, so dass Breno mit ins Trainingslager nach Katar reisen und sich in Ruhe auf die Rückrunde vorbereiten kann.

Felix:  Fiktion. Breno wird von der Münchener Polizei Brandstiftung vorgeworfen und gilt als dringend Tatverdächtig. In dieser Situation ist es durchaus verständlich, dass man ihn nicht ohne Weiteres ins Ausland reisen lassen möchte. Vor dem Gesetz sollten alle gleich sein, und somit darf es keine Rolle spielen, ob ein Verdächtiger einer schweren Straftat ein Bundesligafußballer ist oder nicht.

 

Zum Seitenwechsel äußert sich Gerald Asamoah zum Thema “Schwierigkeiten des Fußballsports”…

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Weisheit 22 aus unserem Adventskalender:  “Da krieg‘ ich so den Ball und das ist ja immer mein Problem.” (Gerald Asamoah)

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4. Die Freistellung von 6 Spielern des SC Freiburg ist eine Panikreaktion und wird der Mannschaft nicht weiterhelfen.

Felix: Fakt. Einige der Personalentscheidungen machen einen tatsächlich stutzig. Spieler wie Abdessadki, Yano oder Nicu kamen zwar auf wenig Einsätze in der Saison, aber besonders der Rauswurf von Felix Bastians verwundert mich extrem. Der Linksverteidiger ist einer der wenigen Freiburger, die ohne große Probleme in der Bundesliga mithalten können und hat im Gegensatz zu den anderen Spielern fast alle Spiele über die volle Distanz bestritten. Die Freistellungen werden wohl in erster Linie interne Gründe haben und die Freiburger hoffen, durch eine bessere Stimmung in der Mannschaft die notwendigen Punkte zum Klassenerhalt sammeln zu können.

Dominik: Fakt. Definitiv! Natürlich kann man als Außenstehender nur schwer nachvollziehen, was wirklich vorgefallen ist und den Verein zu diesem Schritt bewegt hat. Wenn man sich aber vor Augen hält, dass Heiko Butscher, der Kapitän der Mannschaft, ebenfalls den Verein verlassen soll – ein Spieler der viel für Freiburg getan hat – dann kann es sich nur um ein extremes Vergehen oder eben einer Panikreaktion handeln. Wenn man sich jetzt anschaut, welche Spieler im Gespräch sind, als Beispiel Pezzoni oder Freis, so zweifel ich an der höheren Qualität dieser Spieler im Vergleich zu den suspendierten.

 

5. 1899 Hoffenheim steht vor dem dauerhaften Fall ins graue Mittelmaß.

Felix: Fakt. Diese Entwicklung kommt allerdings nicht überraschend, sie wurde in dieser Form bereits im letzten Winter von Dietmar Hopp angekündigt. Der Verkauf von Luiz Gustavo und Demba Ba ist der Beginn dieser Entwicklung, die bereits Trainer Ralf Rangnick zum Rücktritt veranlassten. Hoffenheim möchte sich strategisch als Ausbildungsverein positionieren und gibt damit alle Ansprüche auf, zu den Topmannschaften der Bundesliga zu zählen. Momentan sieht es so aus, als würde in den kommenden Monaten der Kader weiter umstrukturiert werden von einem Team, das im Mittelfeld spielt, weil die Spieler können, aber nicht wollen, zu einem Team, das im Mittelfeld steht, weil die Spieler wollen, aber nicht können.

Dominik: Fiktion. Das glaube ich nicht. Auch wenn Hoffenheim aktuell eine schwächere Phase hat, so denke ich, dass sich die Sinsheimer auf lange Sicht immer im oberen Tabellendrittel festsetzen und immer am Kampf um die Europapokalplätze teilnehmen werden. Zwar möchte sich Dietmar Hopp bald aus dem Verein zurückziehen, doch sollte es bei Hoffenheim weiterhin nur mittelmäßig laufen, wird er wohl erneut Geld für neue Spieler in den Verein stecken und den Sinsheimern damit zu mehr Erfolg verhelfen.

 

6.  Für Lukas Podolskis Karriere wäre ein Vereinswechsel der einzig richtige Schritt.

FelixFiktion. Mit einem vernünftigen Management, das endlich einmal Weitsicht beweist, kann in Köln durchaus etwas heranwachsen. Wenn man die Leistungen in den Heimspielen als Grundlage nimmt, könnte der FC  um den Einzug in den Europapokal mitspielen, aber zu häufig steht man sich selbst im Weg. Podolski könnte der Eckpfeiler einer erfolgreichen Mannschaft sein und zu dieser Entwicklung maßgeblich beitragen. Bei einem anderen Verein würde er sehr wahrscheinlich aufgrund seiner Leistungsschwankungen viel Zeit auf der Reservebank verbringen.

Dominik: Fakt. Ich halte gerade in dieser Saison bisher sehr viel von Köln, aber noch mehr von Podolski. Köln wird auch auf lange Sicht nicht über das Bundesligamittelmaß hinauskommen, also würde Podolski auf der Stelle treten, da seine Ambitionen durchaus höher sind und sein dürfen. Die einzige Frage, die offen ist, lautet: Kann sich Podolski bei einem anderen Verein als Köln überhaupt durchsetzen? In der aktuellen Verfassung sage ich ganz klar: Ja. Er hat sich diese Saison nochmal stark verbessert und würde bei einem guten europäischen Klub hohen Einsatzchancen haben.

 

Im letzten Gegenspieler dieses Jahres gab es vier Widersprüche, also eine durchaus lebhafte Diskussion. Der nächste Gegenspieler erwartet euch am 19.Januar. Bis dahin wünschen wir einen guten Jahreswechsel und ein frohes Fest. Wenn ihr mehr lesen wollt, geht es hier zum Gegenspieler von letzter Woche.

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