Der Gegenspieler: Ist Italien besser als Spanien?

14. Juni 2012Felix> Länderspiele

Der Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne beziehen zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung zu diskussionswürdigen Thesen. Die beiden Gegenspieler entscheiden ob die Prognosen eintreffen werden (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die heutigen Kontrahenten sind Dominik und Stephan, die Thesen kommen in dieser Woche von Felix.

 

1. Polen wird sein Spiel gegen Tschechien gewinnen und ins Viertelfinale einziehen.

Stephan: Fakt. Obgleich die Tschechen durch eine starke Offensive gegen die Griechen überzeugen konnten, bin ich mir durchaus sicher, dass Polen sein Endspiel gegen Tschechien gewinnen wird. Bereits gegen die Russen konnten wir beobachten, dass die Polen das Mittelfeld sehr eng stellen können und somit den Gegner zu Fehlpässen und leichten Ballverlusten zwingen. Die daraus mit sehr großer Geschwindigkeit vorgetragenen Konter sind dann für jeden Gegner schwer zu verteidigen. Zudem kommt natürlich noch die große Unterstützung der Fans, die der polnische Mannschaft Mut und Kraft für jede Aktion zusprechen werden. Es wird ein enges Spiel, mit dem glücklicheren Ausgang für Polen.

DominikFakt. Ich vertraue erstens dem Heimvorteil und zweitens den bisherigen Auftritten der Polen. Beide Argumente sorgen dafür, dass der Gastgeber auch im dritten und entscheidenen Gruppenspiel ein gutes Spiel auf den Rasen bringt und die Tschechen am Ende als Verlierer vom Platz gehen werden. Die Spieler überraschen mit sehr guten Leistungen, neben den Dortmundern Lewandowski und Blaszczykowski sind dies vor allem auch Perquis, Polanski und Obraniak, die mir sehr gut gefallen haben. Die Anfeuerungen der Fans haben die Mannschaft gepusht und werden auch im Spiel gegen Tschechien für die nötige Leistung sorgen. Die beiden Auftritte der Tschechen waren zwar auch aller Ehren wert, doch kam man gegen Russland dennoch unter die Räder und konnte gegen die Griechen am Ende den knappen Vorsprung auch nur glücklich über die Zeit retten. Somit wird Polen das Spiel gewinnen und ins Viertelfinale einziehen.

 

2. Die deutsche Nationalmannschaft ist nach wie vor Topfavorit auf den Titel.

Stephan: Fakt. Nach dem ersten Spiel der Deutschen hätte ich diese These wahrscheinlich gegenteilig beantwortet. Doch waren der Sieg und die Erkenntnis aus der gestrigen Partie gegen die Niederlande deutlich: Die Deutsche Nationalmannschaft spielt nicht mehr den lustigen alle-nach-vorne-hurra-Fußball, der bei der WM 2010 noch so schön anzusehen war. Doch nicht, weil sie es nicht mehr können, sondern weil die Mannschaft in sich sehr gereift, ruhig und mittlerweile auch sehr abgeklärt wirkt, um jederzeit das Spieltempo zu variieren und die richtigen Entscheidung zu treffen. Ist vielleicht nicht mehr so witzig wie noch vor 2 Jahren, bringt uns als Entschädigung aber den Titel.

DominikFakt. Nach der überzeugenden Vorstellung am gestrigen Abend und nach sechs Punkten aus zwei Spielen als bisher einzige Mannschaft muss man die deutsche Mannschaft immer noch als Topfavorit auf den Titel sehen. Im Tor und in der Defensive, im Mittelfeld und im Sturm sind wir qualitativ und quantitativ sehr gut besetzt, dazu kommt, dass wir unsere Leistungen dann abrufen, wenn sie gebraucht wird. Jogi Löw stellt die Mannschaft immer sehr gut auf den Gegner ein und das Team setzt die Vorgaben immer gut um. Die anderen Favoriten konnten bis jetzt nicht überzeugen und müssen erst noch zeigen, dass sie auch zu den Favoriten auf den Titel gehören. Bis jetzt steht dort aber nur die deutsche Mannschaft!

 

 

3. Italien wird die Gruppe C vor Spanien beenden.

DominikFiktion. Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Spanier ihre beiden Spiele gewinnen werden, während Italien nur vier Punkte holen wird (Sieg gegen Irland, Unentschieden gegen Kroatien). Auch wenn Spanien mit einer überraschenden und teilweise unverständlichen Aufstellung gegen Italien spielte, so hatte man auch zu Beginn ohne nominellen Stürmer einige Chancen, und auch Torlos-Torres hätte Buffon zweimal überwinden müssen. Gegen die anderen beiden Teams aus der Gruppe wird man nicht so fahrlässig mit den Möglichkeiten umgehen und beide Spiele gewinnen. Am Ende steht Spanien wie erwartet auf Platz 1 der Gruppe, gefolgt von den Italienern.

Stephan: Fiktion. Italien hat mich im ersten Spiel gegen Spanien sehr überrascht – ich hätte nicht mit einer solch‘ konzentrierten und gut organisierten Mannschaft gerechnet. Dennoch war diese Begegnung auch ein dankbarer Einstieg für die Squadra Azzura: Als eindeutiger Außenseiter konnte Italien am eigenen Strafraum auf die Angriffe der Spanier warten und musste nie aktiv das Spiel gestalten. Bleibt für mich die Frage, ob sie sich Torchancen erarbeiten können und motiviert gegen tiefstehende Gegner auftreten. Ich bin mir dessen nicht sicher und tippe auf Platz zwei mit einem Sieg gegen Kroatien und einem Remis gegen die Iren, während Spanien seine beiden Partien gewinnen kann.

 

4. Die Ukraine wird nach dem Sieg gegen Schweden das Viertelfinale erreichen.

Dominik: Fiktion. Ein Gastgeber wird leider auf der Strecke bleiben und dabei handelt es sich um die Ukrainer. Zwar konnte man im ersten Spiel gewinnen und dabei auch mit einer guten Leistung überzeugen, doch schätze ich die übrigen Konkurrenten in der Gruppe als zu stark ein. Frankreich wird die beiden übrigen Spiele gegen die Ukraine und Schweden gewinnen, die Engländer holen vier Punkte und stehen damit auf Platz 2 vor dem Gastgeber. Ich würde mich zwar sehr über das Weiterkommen beider Gastgeber freuen, da sie bisher her sehenswerten, kämpferischen und erfrischenden Fußball gezeigt und die Zuschauer begeistert haben, dennoch denke ich, dass einer – in diesem Fall die Ukraine – in der Gruppenphase auf der Strecke bleibt.

Stephan: Fakt. Ich halte die Ukraine für eine spielstarke Mannschaft, die im weiteren Turnierverlauf für eine kleinere Überraschung sorgen könnte – sicherlich nicht durch tollen Fußball und gutes taktisches Verhalten. Aber mit Kampf und Siegeswillen ist für die Ukraine das Viertelfinale zu erreichen. Das technisch starke Mittelfeld erarbeitet ihren Stürmern immer wieder Chancen, die zumindest gegen Schweden sehr gut genutzt werden konnten. Es bleibt abzuwarten, was passiert, wenn Shevchenko keinen perfekten Tag erwischt, denn auf die Defensive ist leider kein Verlass.

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