Der Gegenspieler: Kommt der BVB noch ins Achtelfinale?

3. November 2011Dominik> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Willkommen zur neuen Ausgabe vom doppel-sechs.de Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne werden wir zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung beziehen lassen zu Thesen, die uns diskussionswürdig erscheinen. Die beiden Gegenspieler entscheiden unabhängig voneinander ob dies eintreffen wird (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die beiden heutigen Kontrahenten sind Stephan und Felix, die Thesen kommen in dieser Woche von Dominik. Dann wollen wir mal schauen, welche Erkenntnisse uns das Aufeinandertreffen diese Woche beschert:

 

1. Christian Wetklo wird nach dem Spielen gegen Bremen und Hannover wieder für  längere Zeit das Mainzer Tor hüten.

Stephan: Fakt. Obwohl sich beide Torhüter auf Augenhöhe begegnen, wird es im Tor zu einem Wechsel kommen. Dieser ist allerdings nicht einer guten oder schlechten Leistung geschuldet, sondern vielmehr das Rekordinteresse eines Thomas Tuchel, der gerne jeden einzelnen Spieler seines 29-köpfigen Kaders die Möglichkeit auf mindestens ein Bundesligaspiel geben möchte. Nach elf Spieltagen sind es bereits 21. An dieser Stelle: Du schaffst das, Thomas.

Felix: Fiktion. Mainz hat zwei gleich starke Torhüter, die sogar ähnlich gelagerte Stärken haben. Wenn überhaupt ein Unterschied auszumachen ist, dann das Heinz Müller etwas stärker auf der Linie ist und Wetklo seinen Strafraum besser im Griff hat. Als die Mainzer im letzten Jahr mit 7 Siegen in die Saison starteten hütete Wetklo das Tor, bis sich Müller von seiner Verletzung erholt hatte und trotz der Erfolgsserie den Vorzug erhielt. Aus diesem Grund denke ich, dass Thomas Tuchel in Heinz Müller den stärkeren Torwart sieht und Wetklo Einsatz aus dem Verlangen herrührt in einer kritischen Phase „irgendwas anders zu machen.“

 

2. Nach zuletzt sechs sieglosen Spielen in der Liga und dem Fall auf Tabellenplatz 14, muss sich Nürnberg diese Saison mit dem Abstiegskampf auseinandersetzen.

Stephan: Fiktion. In den letzten Spielen zählten unter anderem Bayern, Stuttgart, Gladbach und Bremen zu den Gegnern, gegen die der FCN nicht zwingend punkten muss. Dennoch gab es gegen Stuttgart und Bremen zwei Unentschieden vor heimischer Kulisse, allerdings auch nur einen Punkt gegen die diese Saison stark abstiegsgefährdeten Mainzer. Dennoch zeigen die Franken eine für das untere Mittelfeld ansprechende Leistung und spielen noch gegen Freiburg, Kaiserslautern und den HSV. Ich prognostiziere mindestens 10 weitere Punkte für die Nürnberger, die damit in Winterpause zwischen Platz 10-12 wiederzufinden sind.

Felix: Fiktion. Der 1.FC Nürnberg sollte sich jedes Jahr zumindest gedanklich mit dem Abstiegskampf auseinandersetzen. Dennoch rührt die Serie von 6 Spielen ohne Sieg nicht unbedingt aus der Chancenlosigkeit der Mannschaft sondern aus einer Kombination von schweren Gegnern und verletzten Leistungsträgern. Die Mannschaft von Dieter Hecking genug Potential um im Mittelfeld der Tabelle zu stehen und es würde mich wundern, wenn das Team von den verbleibenden Spielen bis zur Winterpause weniger als 2 gewinnt.

 

3. Borussia Dortmund wird nach dem Sieg gegen Piräus doch noch das Achtelfinale der Champions League erreichen.

Stephan: Fiktion. Ein Rechenbeispiel: Verliert der BVB in London und gewinnt gleichzeitig Marseille zuhause gegen Piräus ist nur noch der UEFA-Cup erreichbar. Spielt der BVB allerdings unentschieden und Marseille kann sein Spiel nicht gewinnen, während im letzten Spiel Arsenal Olympiakos und Dortmund Marseille schlägt … wir wissen wo das hinführt: Interaktive Blitztabellen nach einem 2 stündigen „Was-wäre-wenn-Vorbericht“. Für mich fehlt es den Dortmundern sowohl an Erfahrung als auch an Stabilität im zentralen Mittelfeld. Mehr als ein Unentschieden ist in London nicht zu holen, während Marseille zuhause die Griechen besiegt. Aber UEFA-Cup ist auch schön.

Felix: Fiktion. Borussia Dortmund hat mit dem Sieg gegen Piräus lediglich das Spiel gewonnen, welches von vorneherein das einzige war, in dem man einen Sieg des deutschen Meisters erwarten konnte. Weder in London, noch gegen Marseille sehe ich den BVB als Favoriten. Mit etwas Glück holen die Dortmunder noch 2 oder 3 Punkte aus den verbleidenden Spielen – aber keinesfalls mehr. Und da die Tordifferenz der Dortmunder vernichtend schlecht ist und der direkte Vergleich gegen Marseille auch kaum noch zu retten sein dürfte, werden sich die Anhänger des BVB wohl auf die Europleague freuen dürfen.

 

Nach den vielen Widersprüchen der Vorwochen haben wir nun einen harmonischeren Start: 2 Übereinstimmungen gibt es vor dem Seitenwechsel…

 

4. Schalke 04 wird Probleme haben, seine beiden Leistungsträger Raúl und Jefferson Farfan auch über Saison hinaus zu halten.

Felix: Fakt. Beide Spieler stechen in dieser Saison wieder durch außergewöhnliche Klasse hervor. Das Raul auf diesem Niveau spielen kann, ist seit Jahrzehnten bekannt. Aber der Peruaner Farfan kam vor 3 Jahren als guter Spieler nach Gelsenkirchen und hat sich dort zu einem sehr guten Spieler weiterentwickelt. Von den Gehältern her wird es den Schalkern wohl kaum möglich sein, beide Spieler zu halten. Ich hoffe, dass zumindest Jefferson Farfan in Gelsenkirchen bleiben wird, den er hat alle Merkmale, die ein moderner Außenstürmer mitbringen muss, ähnlich wie Robben oder Ribery. Ob der Spanier Raul nach dieser Saison seine Karriere überhaupt fortsetzt steht auch noch nicht fest. Man sollte dem Weltstar ein Karrieende nach seinen Vorstellungen gönnen, ohne das er sich noch ein Jahr durch die Bundesliga quälen muss.

StephanFiktion. Ich unterstelle Raúl, dass er gerne noch mal Champions League spielen möchte, genauso wie ein Farfan durch seine Leistung den Anspruch auf Spiele in der Königsklasse ohne weiteres stellen kann. Auch an Angeboten wird es beiden Spielern nicht mangeln und um Farfan zu halten bedarf es einer größeren Investition.  Eine zentrale Frage ist aber auch, wann Raul sein Karriereende plant. Ich bin mir sicher, dass er dieses mit einer Abschiedstour durch die spanische Liga verbinden wird. Dennoch denke ich, dass durch eine mögliche Qualifikation für die Championsöleague Schalke an Kapital und Attraktivität gewinnt und beide Spieler für ein weiteres Jahr binden kann.

 


5. Der Einstand von Thorsten Fink beim HSV kann als “gelungen” bezeichnet werden.

Felix: Fiktion.  Das ist eine harte Nuss. Bereits in der Ampel habe ich hervorgehoben, dass Thorsten Fink die Spieler des HSV zumindest soweit gebracht hat, sich bei Rückständen nicht direkt aufzugeben. Ein deutlicher Fortschritt zu der Zeit unter Michael Oenning, in welcher die Hamburger nur ein Spiel nach einem Rückstand noch gewinnen konnten (2:1 im DFB-Pokal in Oldenburg). Allerdings hat Fink aus zwei Heimspielen nur zwei Uentschieden holen können und das Team gegen eine Mannschaft aus der Regionalliga nur äußerst knapp in die nächste Runde gebracht. Ich sage also, noch ist der Einstand von Thorsten Fink nicht gelungen, aber er ist bereits ein gutes Stück auf dem richtigen Weg gegangen.

Stephan: Fakt. Herr Fink konnte sein erstes Spiel mit dem HSV nicht gewinnen und ich hoffe, es bleibt nicht der einzige Unterschied zu seinen Vorgängern. Auch wenn bislang nur zwei Punkte aus zwei Heimspielen gegen Wolfsburg und Lautern zu Buche stehen, macht mir die Kombination aus Thorsten Fink und dem Hamburger Sportverein Mut. Viel Ballbesitz gepaart mit dem Versuch dem Gegner irgendein Offensivspiel aufzudrücken. Vieles stimmt noch nicht, doch eines ist zurückgekehrt: Ein kämpfendes Team, dass nach einem Rückschlag nicht in Selbstaufgabe verfällt.


6. In der derzeitigen Verfassung hat Bayern München gute Chancen, das Finale der Champions League zu erreichen.

Felix: Fiktion. Bayern München gewinnt in der Bundesliga seine Heimspiele mit Leichtigkeit und siegt auswärts mit wenig Mühe. In der Championsleague steht das Team mit 10 Punkten aus 4 Spielen bereits mit einem Bein im Achtelfinale. Und das, obwohl Arjen Robben bisher nur wenige Spiele bestreiten konnte. Dennoch führt der Weg ins Finale des wichtigsten Vereinswettbewerbs der Welt nur über Madrid und Barcelona. Und von den beiden spanischen Schwergewichten sind die Münchener sowohl taktisch als auch technisch sehr weit entfernt. Mit ein bißchen Losglück wäre es möglich, aber von der Leistungsfähigkeit der Mannschaft her sehe ich das Championsleague Finale nicht in unmittelbarer Reichweite.

Stephan: Fiktion. Mir gefällt die dominante Spielweise der Bayern sehr. Ich sehe allerdings ein paar Probleme, auf dem Weg zum Champions League Finale. Zum einen ist Bayern im zentralen defensiven Mittelfeld etwas zu dünn besetzt, um Ausfälle der ersten Wahl mit gleichem Format auffangen zu können, Badstuber kein Verteidiger mit internationaler Klasse und Jupp Heynckes ein toller Bundesligatrainer, der die Bayern zur Meisterschaft führen wird, international aber nicht bestehen kann. Mit etwas Losglück ist das Halbfinale für die Münchener realistisch – dort warten aber größere Aufgaben als der SSC Neapel oder Villareal.

 

3 Widersprüche und 3 Übereinstimmungen geben ein ausgeglichenes Bild – anders als bei den wilden Auseinandersetzungen in den Vorwochen. Nächsten Donnerstag gibt es die nächste Ausgabe des Gegenspielers. Nur auf doppel-sechs.de!

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