Der Gegenspieler: Können die Bayern Platz 1 zurückerobern?

1. Dezember 2011Stephan> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Willkommen zur neuen Ausgabe vom doppel-sechs.de Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne werden wir zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung beziehen lassen zu Thesen, die uns diskussionswürdig erscheinen. Die beiden Gegenspieler entscheiden unabhängig voneinander ob dies eintreffen wird (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die beiden heutigen Kontrahenten sind Felix und Stephan, die Thesen kommen in dieser Woche von Dominik. Dann wollen wir mal schauen, welche Erkenntnisse uns das Aufeinandertreffen diese Woche beschert:

 

1. Nach dem Verlust der Tabellenführung wird der FC Bayern diese bis zur Winterpause nicht mehr zurückgewinnen.

Stephan: Fakt. Es ist ganz offensichtlich, dass jegliche Struktur im Spiel der Bayern und jegliche Sicherheit im Defensivverbund durch den Ausfall von Bastian Schweinsteiger verloren ging. Dieser wird aller Voraussicht nach noch ein Spiel in der Hinrunde bestreiten können, dies genügt aber nicht, um für Bayern München die Herbstmeisterschaft zu sichern – letzteres ist kein Grund zur Besorgnis. Allerdings ist es Tatsache, dass der FCB allen Anschein nach von einem Spieler abhängig ist. Hier liegt es nun an den Verantwortlichen eine Lösung zu finden: Entweder die Nachverpflichtung es erfahrenen Mittelfeldspielers oder einer taktischen Neuausrichtung in Spielen ohne Schweinsteiger.

Felix: Fiktion. Für den FC Bayern stehen noch einige schwere Spiele an, etwa am kommenden Samstag gegen Werder Bremen oder auswärts beim VfB Stuttgart. Deshalb würde ich keinen Tipp auf die Herbstmeisterschaft der Bayern abgeben. Aber für eine erneute Tabellenführung sollte es dennoch reichen: Am kommenden Spieltag spielen Gladbach und Dortmund gegeneinander. Endet dieses Duell unentschieden, so reicht ein durchaus vorstellbarer Heimsieg der Bayern um wieder Spitzenreiter zu werden.

 

2. Der langwierige Vertragspoker zwischen Hertha BSC und Markus Babbel sorgt dafür, dass dieser am Ende der Saison den Verein verlässt.

Stephan: Fiktion. Das aktuelle Problem um eine zeitnahe Vertragsverlängerung zwischen Markus Babbel und Hertha BSC Berlin ist für mich folgendes: Herr Babbel ist auf der Suche nach einem attraktiveren Verein, um den nächsten Schritt in seiner Trainerkarriere zu vollziehen. Momentan bietet die Bundesliga allerdings kaum Chancen für diese Weiterentwicklung. Dies stellt natürlich auch Markus Babbel fest und wird sich einen neuen Vertrag in Berlin mit kurzer Laufzeit oder Option auf vorzeitiger Beendigung des Vertragsverhältnisses wünschen. Dem gegenüber steht das Management, das einen guten Trainer auf längeren Zeitraum in Berlin binden möchte. Die Lösung ist für beide Seiten nicht glücklich: Markus Babbel findet keinen Verein mit Prestige und Hertha BSC Berlin hat einen Trainer, der nicht 100 prozentig zu seinem Verein steht – bis zur Hinrunde 2012/2013 wird sich an dieser Situation nichts ändern.

Felix: Fiktion. Langwierige Verhandlungen sind keine Anzeichen dafür, dass man bald getrennte Wege gehen muss (siehe Leverkusen, Bayer und Leno, Bernd). Die langen Verhandlungen zwischen beiden Parteien bedeuten lediglich das beide Seiten sich ernstnehmen und über eine gemeinsame Zukunft diskutieren. Markus Babbel leistet in Berlin gute Arbeit, und nach den turbulenten Vorjahren wird man in Berlin an etwas mehr Kontinuität interessiert sein. Ein Trainerwechsel würde diesem Interesse nicht entsprechen.

 

3. Borussia Mönchengladbach wird am Ende der Saison auf einem Platz stehen, der zur Teilnahme am internationalen Geschäft berechtigt.

Stephan: Fakt. Überraschenderweise ist Borussia Mönchengladbach momentan sehr gut aufgestellt. Sowohl auf dem Platz als auch hinter den Kulissen. Sportlich läuft es für die Fohlen optimal – mit einer harmonisch zusammengestellten Mannschaft, diszipliniertem Fußball und einem jungen deutschen Offensivtalent, das für den Überraschungsmoment sorgt. Hinzu kommt ein Trainer, der mit seinem Spielermaterial das Optimum erzielt und taktisch sicherlich mit zu besten Trainer der Bundesliga gehört. Aber auch die Verantwortlichen neben dem Platz leisten hervorrangende Arbeit – so werden Störfeuer von Außen konsequent, mit aller Deutlichkeit und Professionalität ad acta gelegt. Denn weder die kontinuierlich aufkeimenden Transfergerüchte um ihr Offensivtalent noch die noch die “Mitfavorisierung” auf die Meisterschaft aus dem Bayernlager lassen die Borussia verunsichern – diese Leistung wird mit einer Teilnahme am internationalen Geschäft belohnt.

Felix: Fakt. Borussia Mönchengladbach hat in den letzten Wochen bewiesen, dass sie sich langfristig in den Spitzenregionen der Bundesliga halten können. Sollte das Team von größeren Ausfällen verschont bleiben, wird Lucien Favre seine Mannschaft ins internationale Geschäft führen. Dennoch ist der Kader der Gladbacher extrem dünn besetzt: Schon der Ausfall von de Camargo sorgte anfänglich für einige Probleme. Sollten zwei oder drei Stammspieler zur gleichen Zeit ausfallen, wird Gladbach ins Mittelfeld abrutschen. Im oberen Drittel der Tabelle sind eine Menge Mannschaften mit gleichem Leistungsvermögen, und ein paar schwache Wochen dürften reichen um einen guten Platz einzubüßen (siehe Hannover).

 

Mit zwei Übereinstimmungen kommen wir zum Seitenwechsel…

 

4. Der HSV wird sich in den restlichen Spielen der Hinrunde ein kleines Polster zu den Abstiegsrängen verschaffen.

Felix: Fiktion. Die restlichen Spiele bis zur Winterpause werden ein Charaktertest für die Hamburger: Sie scheinen nun erst mal aus dem gröbsten Problemen heraus zu sein und haben nun einige direkte Konkurrenten vor der Brust. Gerade in solchen Spielen hatte der HSV in den letzten Spielzeiten oft Motivationsprobleme, nicht selten gab es in Heimspielen gegen schwächer eingeschätzte Gegner nur Unentschieden. Die Hamburger Mannschaft besitzt nach wie vor nicht genug Qualität und Willensstärke, um ins Mittelfeld vorzustoßen und wird in der Nähe der Abstiegsplätze überwintern.

Stephan: Fakt. Eine Leistungssteigerung des HSV seit den letzten Wochen ist kaum zu übersehen: Kein Spiel unter Thorsten Fink wurde verloren. Auch die Tatsache, dass in den letzten drei Spielen Mannschaften auf den HSV warten (Heimspiele gegen Nürnberg und Augsburg, auswärts treten die Hamburger in Mainz an), die als durchaus schlagbar eingestuft werden können unterstreichen meine Argumentation. Dennoch ist für mich eines ausschlaggebend: Der Hamburger SV verinnerlicht zunehmend Thorsten Finks Spielweise und Spielidee – viel mehr noch wird das Selbstverständnis und selbstsichere Bild von Trainer Fink auf die Mannschaft übertragen. Dies wird in Hamburg geschätzt, 7 Punkte aus den letzten drei Spielen bescheren dem HSV einen Puffer zu den Abstiegsrängen und lassen den Anspruch der Fans gen internationale Plätze tragen.

 

5. Trotz aller Treueschwüre beendet der FC Augsburg die Saison ohne Trainer Jos Luhukay.

Felix: Fiktion. Es gibt keinen Grund für den FCA seinen Trainer zu wechseln. Trotz einer unterdurchschnittlich besetzten Mannschaft ohne überragende Einzelspieler schafft es der FC Augsburg Woche für Woche mit anderen Bundesligisten mitzuhalten. Dies ist vor allem einer guten taktischen Einstellung zu verdanken, was beweist, das Jos Luhukay gute Arbeit leistet. Der letzte Tabellenplatz ist nicht dem Trainerteam geschuldet, sondern den Spielern, die zwar alles geben, aber technisch häufig Probleme haben, sich in der Bundesliga zu Recht zu finden.

Stephan: Fiktion. Für mich gibt es zwei Szenarien. Das erste beinhaltet in der Rückrunde die große FC Augsburg Abschiedstournee mit der Hoffnung auf vereinzelt witzige Spiele im eigenen Stadion, um den Fans langlebige Erinnerungen zu schenken. Szenario Nummer 2 beruht auf einer punktuellen Verstärkung der Mannschaft in der Winterpause. Unglücklich nur, dass “punktuell” in diesem Zusammenhang in jedem Mannschaftsteil bedeutet. All das wird aber mit Trainer Jos Luhukay geschehen, der sich erst nach dem 12. Spieltag der Saison 2012/2013 in Liga Zwei mit Platz 14 verabschieden wird.

 

6. Rene Adler sollte Bayer Leverkusen in der Winterpause verlassen.

Felix: Fiktion. Die Verpflichtung von Bernd Leno dürfte Rene Adler ohne große Begeisterung zur Kenntnis genommen haben. Innerhalb von 15 Monaten droht Adler von der Nummer 1 im Tor der deutschen Nationalmannschaft zum Reservekeeper seines Vereins abzurutschen. Man kann ihm vorwerfen, dass er zu verletzungsanfällig sei und in seiner Entwicklung stagniert, aber bereits vor der Stagnation war er kein schlechter Torwart. Adler sollte den Kampf mit Leno annehmen und versuchen, in der Rückrunde den Weg zurück ins Bayertor zu finden. Funktioniert dies nicht, bleibt ihm immer noch ein Wechsel im kommenden Sommer offen.

Stephan: Fiktion. Rene Adler galt zusammen mit Manuel Neuer zu den größten deutschen Torhütertalenten. Während sich der eine kontunierlich weiterentwickelte und nun zur Weltklasse gehört, tat sich der Andere mit einer ganz eigentümlichen Interpretation der Weiterentwicklung hervor: Der Verbesserung der Verletzungsanfälligkeit. Rene Adler bremste sich dadurch immer wieder selbst aus und verlor so den Anschluss und Anspruch zu den besten deutschen Torhütern zu gehören. Dennoch wird Bayer ihn nicht ziehen lassen und hoffen, dass sich ein gesunder Konkurrenzdruck breit macht, der Rene zum Ausbau weiterer Fähigkeiten motiviert – ohne Zweifel ist das Potential vorhanden.

 

Passend zum Beginn der Weihnachtszeit geht es sehr harmonisch zu beim Gegenspieler: Nur 2 mal widersprechen sich unsere Autoren. Nächsten Donnerstag gibt es die neue Ausgabe, dann hoffentlich mit mehr Zweikampf und weniger Mistelzweig. Wenn ihr mehr lesen wollt, geht es hier zum Gegenspieler von letzter Woche.

 

Weisheit 1 aus unserem Adventskalender:  “Der springende Punkt ist der Ball.”  (Dettmar Cramer)

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