Der Gegenspieler: Neuers Rekord und Tuchels Hut.

20. Oktober 2011Stephan> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Willkommen zur neuen Ausgabe vom doppel-sechs.de Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne werden wir zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung beziehen lassen zu Thesen, die uns diskussionswürdig erscheinen. Die beiden Gegenspieler entscheiden unabhängig voneinander ob dies eintreffen wird (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die beiden heutigen Kontrahenten sind Dominik und Felix, die Thesen kommen in dieser Woche von Stephan. Dann wollen wir mal schauen, welche Erkenntnisse uns das Aufeinandertreffen diese Woche beschert:

 

1. Mirko Slomka macht einen Fehler, in dem er trotz der zusätzlichen Belastung durch die Europaleague jede Woche die gleiche Elf aufstellt.

Dominik: Fiktion. Die These lässt sich eindeutig an den Ergebnissen nach den Auftritten in der Europa League widerlegen. Nach dem ersten Spieltag, an dem man gegen Lüttich 0:0 spielte, besiegte man Meister Dortmund mit 2:1. Auch nach dem anstrengenden 2:1-Auswärtssieg in Poltawa konnte man beim 3:2 gegen Bremen ebenfalls drei Punkte einfahren. Mit einem Sieg inder Liga nach dem heutigen internationalen Spiel sollte man zwar nicht rechnen (es geht gegen die Bayern), dennoch scheint die erste Elf zurecht die erste Wahl von Slomka zu sein. Schwer zu sagen, wie dies im weiteren Verlauf der Saison aussieht, aber ich traue Slomka zu, schnell zu merken, wenn einige Spieler eine Pause brauchen.

Felix: Fiktion. Zwar ist es wenig sinnvoll in englischen Wochen Sonntags und Donnerstags mit der exakt gleichen Elf aufzulaufen, aber ich denke nicht, dass die Schuld hierfür bei Mirko Slomka zu suchen ist. Der Hannoveraner Kader bietet lediglich wenig gleichwertigen Ersatz für Stammspieler. In der Innenverteidigung (Pogatetz, Haggui, Eggimann) und im Sturm (Ya Konan, Abdellaoue, Schlaudraff) gibt es zwar jeweils einen Reservespieler auf gleichem Niveau, aber ansonsten kann man dies höchstens noch von der Position des Linksverteidigers behaupten (Pander und Schulz). Gerade im zentralen Mittelfeld gibt es zu Pinto und Schmiedebach keine Alternativen: Leon Andreasen kämpft mit Verletzungsproblemen und Altin Lala kann nicht mehr auf höchstem Niveau mithalten. Auf anderen Positionen sieht es ähnlich aus: Hier muss der Kader verstärkt, aber dem Trainer kein Vorwurf gemacht werden.

 

 

2. Manuel Neuer wird den Bundesligarekord für die längste Zeit ohne Gegentor brechen und einen neuen aufstellen.

Dominik: Fakt. Ich war mir unsicher nach dem Spiel in Neapel, wie ich mich hier entscheiden soll. Da aber Neuer an dem Gegentor keine Schuld hatte und die Abwehr im Großen und Ganzen auch im San Paolo stabil stand, gehe ich hier von einem neuen Rekord aus. Zumal die nächsten Gegner Hannover und Nürnberg heißen. Hannover konnte nach ihren Auftritten in der Europa League in der Bundesliga zwar überzeugen, für die Bayern reicht es aber nicht, weshalb ich hier von einem Zu-Null-Sieg ausgehe. Nürnberg sollte ebenfalls kein Maßstab sein für Neuer und den Rekordmeister, der Club wird seine Tore und Punkte woanders holen, aber nicht in München. Da die beiden Spiele für den Rekord reichen, stimmt ich der These zu.

Felix: Fakt. Mal schauen: Timo Hildebrands Rekord liegt bei 884 Minuten. Manuel Neuer ist zurzeit 8×90, also 720 Minuten plus 28 Minuten gegen Gladbach ohne Gegentor. Macht 748 Minuten, fehlen noch etwa zwei Spiele. Bayern spielt in diese Partien in Hannover gegen einen durch den Europacup geschwächten Gegner und zu Hause gegen Nürnberg, die in München wie viele Mannschaften vor ihnen den Mut verlieren könnten. Sieht also ganz gut aus für Manuel.

 

3. Thomas Tuchel ist der nächste Trainer, der aufgrund einer verfehlten Transferpolitik seinen Hut nehmen muss.

DominikFakt. Schürrle weg, Holtby weg, Fuchs weg – drei Säulen der letzten Saison haben den Verein verlassen. Geholt wurde zwar Ersatz, der sich bisher aber noch nicht durch konstant gute Leistungen hervorheben konnte. Mainz steht auf dem 15. Tabellenplatz und steht dort auch  wegen zuletzt schwacher Leistungen zu recht. Da ich denke, dass es bis zur Winterpause keine Änderung gibt, wird Thomas Tuchel früher oder später seinen Hut nehmen müssen.

Felix: Fiktion. Ich bin zwar der Ansicht, dass die Mainzer Transferpolitik schwerwiegende Fehler aufweist, und damit möchte ich nicht mal den Fokus auf den Verkauf von Schürrle, Holtby und Fuchs legen. Auch Miroslav Karhan widerstandslos ziehen zu lassen hat die Mannschaft extrem geschwächt. Dennoch denke ich nicht, dass die Mainzer Krise zu einer Trainerentlassung führen wird. Selbst wenn die Mainzer absteigen sollten, es würde mich nicht wundern wenn der Trainer des Vereins zu Beginn der nächsten Zweitligasaison Thomas Tuchel heißt. Mainz hat sich seit Jahren durch kontinuierliche und weitsichtige Arbeit profiliert, und der aktuelle Kader hat zwar nur stellenweise Bundesliganiveau, ist aber eine gute Zweitligamannschaft.

 

Zum Seitenwechsel gibt es einen Widerspruch und zwei Übereinstimmungen. Werden sich Dominik und Felix auch in der zweiten Hälfte größtenteils einig sein…?

 

4. Der VfB Stuttgart wird auf Platz 3 oder besser überwintern.

Felix: Fakt. Das souveräne 2:0 gegen Hoffenheim hat mich von der Stärke der Schwaben endgültig überzeugt. Die Mannschaft bietet eine souveräne Viererkette vor einem durchschnittlichen Torwart, der allerdings deutlich weniger Fehler macht als im vergangen Jahr. Dazu kommt eine Vielzahl von Alternativen im Mittelfeld sowie vier Stürmer (Cacau, Harnik, Okazaki und Progrebnyak) die ich alle zu den besten 20 der Bundesliga zählen würde. Angesichts der aktuellen Form sehe ich nur Bayern, Dortmund und Bremen vor den Stuttgartern, aber mit ein bisschen Glück sollte es in der Hinrunde für den dritten Platz reichen.

Dominik: Fiktion. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass die Top 3 zur Winterpause wie folgt aussieht: Bayern, Dortmund, Gladbach. Stuttgart wird dahinter auf dem vierten Platz in Lauerstellung positioniert sein, um in der Rückrunde die Champions League Plätze zu attackieren. Am Ende der Hinrunde wird man dort aber nicht stehen. Die Qualität, am Ende der Saison zur Top 3 zu gehören, ist aber allemal vorhanden.

 

5. Die Qualität der Mannschaft von Werder Bremen reicht nicht aus um sich für die Champions League zu qualifizieren.

Felix: Fiktion. Man sollte sich von der jüngsten Niederlagenserie der Bremer nicht täuschen lassen: Die Mannschaft hat zu alter Form zurückgefunden und ihr Potential bisher nicht einmal voll ausgeschöpft. Die Niederlagen gegen Dortmund und Hannover stehen für mich in direkter Verbindung mit der Sperre von Tim Wiese, der einen sehr guten Saisonstart hinlegte. Dazu kommt die Rückkehr von Naldo, der defensive Stabilität und größere Flexibilität bei eigenen Standards verspricht. Spieler wie Rosenberg, Wesley oder Ekici haben ihre ganze Klasse bisher noch nicht gezeigt und haben die Fähigkeiten Formschwankungen bei den bisher starken Marin und Pizarro abzufangen. Bremen muss in diesem Jahr als heißer Anwärter für die Champions League Plätze wahrgenommen werden.

Dominik: Fakt. Auch wenn Bremen aktuell oben mitspielt, so wird die Mannschaft es im Laufe der kompletten Saison nicht schaffen, sich auf Platz 2 oder 3 festzusetzen. Dafür ist die Mannschaft erstens nicht stark genug und zweitens von Verletzungen gebeutelt. Vorne kann nur Claudio Pizarro wie jedes Jahr überzeugen, ist aber sehr verletzungsanfällig. Marko Arnautovic ist zur Zeit mal wieder gesperrt, wahrscheinlich nicht das letzte Mal in dieser Saison. Die anderen Neueinkäufe haben bislang auch noch nicht überzeugt, weswegen ich diese These für vollkommen realistisch halte. Auch weil andere Mannschaften einfach eine bessere Kaderqualität haben.

 

6. Die Relegationsspiele sollten wieder abgeschafft werden.

Felix: Fakt. Mehr Fakt geht gar nicht. Die Relegationsspiele bringen keinerlei positive Entwicklungen mit sich: Es ist unfair gegenüber den Zweitligisten, wenn 34 Spiele gute Arbeit dadurch zunichte gemacht werden können, das man in zwei Spielen Pech hatte. Die Terminierung der Partien ist jedes Jahr eine totale Katastrophe: Ohne festen Termin werden Hin- und Rückspiel scheinbar wahllos auf irgendwelche Wochentage gehackt. Noch dazu verspricht die Relegation keine Spannung, sondern grauenhafte Krampfvorstellung: Von den 6 Spielen, die seit der Wiedereinführung ausgetragen wurden war kein einziges wirklich gut, und Spannung kam auch nur im vergangenen Jahr im Vergleich von Bochum und Mönchengladbach auf. Es gibt nichts, was diesen Unsinn rechtfertigen würde. Wenn man an Vergleichen zwischen erster und zweiter Liga interessiert ist, bietet einem der DFB-Pokal jedes Jahr aufregende Duelle.

Dominik: Fiktion. Am Anfang fand ich es nicht gut, dass die Relegationsspiele wieder eingeführt wurden. Ich empfand es für den Tabellendritten der unteren Liga als unfair, dass ein möglicher Aufstieg noch verhindert werden könnte. Allerdings hat es die Mannschaft immer noch selbst in der Hand und die Qualität zwischen den beiden Mannschaften, die in die Relegation müssen, ist selten sehr unterschiedlich. Außerdem kommt es so nach dem 34. Spieltag noch einmal zu einer gehörigen Portion Spannung, bevor es in die Sommerpause geht. Auf der wirtschaftlichen Seite sollte man hier auch noch sehen, dass hier die beteiligten Vereine noch einmal Geld in die Kassen bekommen.

 

Was für ein Kampf! Nur bei Mirko Slomkas fehlender Rotation und Manuel Neuers Rekord konnten sich unsere Autoren einigen, ansonsten waren sie vier mal unterschiedlicher Ansicht. Wir hoffen, dass ihr auch nächste Woche wieder bei unserem intellektuellen Zweikampf dabei sein werdet.

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