Der Gegenspieler: Sind die Medien für Dutts Entlassung verantwortlich?

5. April 2012Dominik> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Willkommen zur neuen Ausgabe des doppel-sechs.de Gegenspielers: In dieser wöchentlichen Kolumne werden wir zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung beziehen lassen zu Thesen, die uns diskussionswürdig erscheinen. Die beiden Gegenspieler entscheiden unabhängig voneinander ob dies eintreffen wird (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die beiden heutigen Kontrahenten sind ?? und Dominik, die Thesen kommen in dieser Woche von Stephan. Dann wollen wir mal schauen, welche Erkenntnisse uns das Aufeinandertreffen diese Woche beschert:

 

1. Die Vereine müssen mehr in Spielergehälter investieren, um Stars in der Bundesliga halten zu können.

Dominik: Fiktion. Eigentlich wollte ich hier sofort “Fakt” hinschreiben, doch nach einer kurzen Überlegung habe ich gleich eine Kehrtwende gemacht. Es kommt ganz auf den Spieler an, ob man ihn mit einem hohen Gehalt locken muss, damit dieser im Verein bleibt. Nehmen wir zunächst als Beispiele Ribéry und Robben: Die beiden verdienen sicherlich nicht schlecht in München, würden bei anderen europäischen Topclubs aber sicherlich nochmal ein höheres Gehalt kassieren können. Beide wissen aber, was sie an Bayern haben, hier stimmt einfach das Gesamtpaket aus Verein, Umfeld, Personen und so weiter. Nimmt man dagegen einen Lucas Barrios, so sieht man, dass für gewisse Spieler nur das Geld zählt. Statt für geringe Gehaltseinbußen beim guten englischen Klub FC Fulham regelmäßig in der Premier League zu spielen, zieht es es vor, bei Borussia Dortmund auf der Bank zu sitzen. Doch kaum lockt ein neureicher chinesischer Verein mit einem großzügigen Gehalt, so scheint der Wechsel laut diversen Medien schon beschlossen. Fazit: Natürlich hilft ein höheres Gehalt, Stars in der Bundesliga zu halten. Letztendlich entscheidet aber das Gesamtpaket über den Verbleib von Topstars.

Felix: Fakt. Natürlich spielt Geld eine große Rolle, für einen Wechsel nach Deutschland sogar eine entscheidende. Während sich ein Wechsel nach Mailand, Madrid und London sowohl sportlich als auch von der Lebensqualität her zweifellos lohnt, findet man in Deutschland diese Kombination nur in München vor. Ansonsten spielen Deutschlands erfolgreichsten Klubs in Städten mit wenig Glamour (Gelsenkirchen, Dortmund, Hannover) oder bieten gute Lebensbedingungen, aber keine sportliche Perspektive (Hamburg, Berlin, Köln). Aus diesem Grund kann der finanzielle Faktor der einzig entscheidende für einen Wechsel nach Deutschland oder die Entscheidung, dort zu bleiben, sein.

 

2. Gute Fußballer sind nicht zwangsläufig gute Manager I: Michael Preetz ist hauptverantwortlich für die Krise von Hertha BSC.

Dominik: Fakt. In diesem Fall kann man die Schuld durchaus an der Person des Managers festmachen. Michael Preetz ist in meinen Augen nicht unbedingt unfähig, die Position des Managers auszuüben. Doch hat er gerade in dieser Saison nur wenig richtig gemacht. Die Fehde mit Markus Babbel zog sich wie ein Kaugummi und wurde dann doch beendet, womöglich viel zu spät. Darauhin gab es das Intermezzo von Michael Skibbe und nun ist Otto Rehagel Trainer – für mich auch nicht wirklich der richtige Mann. Am Spielermaterial liegt es jedenfalls nicht, da haben wir gutes Bundesligamittelmaß (Kraft, Ottl, Franz, Ebert, Raffael, Ramos). Am möglichen Abstieg trägt Michael Preetz mit Sicherheit eine Mitschuld, man darf gespannt sein, wie es in Zukunft in der Hauptstadt weitergeht.

Felix: Fakt. Seit Michael Preetz das Amt des Managers bei Hertha BSC übernommen hat geht es mit dem Verein nach unten: Trotz der vierten Platzes in der Vorsaison stieg Berlin 2010 aus der Bundesliga ab. Der sofortige Wiederaufstieg wurde zu einem finanziellen Kraftakt und zehn Monate und fünf (!) Trainer später steht Berlin wieder an der Schwelle zu zweiten Bundesliga. Die Personalpolitik im Spielerkader und Betreuerteam wirkt nicht von langfristiger Hand geplant, sondern extrem aktionistisch. Das Duo Preetz/Gegenbauer bringt die Berliner Fans dazu, etwas zu tun, was sie bisher für unmöglich gehalten haben: Sie vermissen Dieter Hoeneß.

 

 

3. Gute Fußballer sind nicht zwangsläufig gute Manager II: Stefan Kuntz ist hauptverantwortlich für die Krise des 1.FC Kaiserslautern.

Felix: Fiktion.  Der FCK muss seit dem finanziellen GAU Anfang der 2000er Jahre nach wie vor etwas kleinere Brötchen backen. Und wenn man mit wenig Geld Spieler verpflichten muss, braucht man vor allem zwei Dinge: Viel Glück und einen sehr guten Trainer. Das Glück, das Stefan Kuntz in der Vergangenheit bei Verpflichtungen wie Mandjeck, Sam, Lakic oder Moravek hatte, hat den Vorsitzenden des FCK in dieser Saison verlassen. Shechter, Wagner, Kouemaha oder Swierczok erwiesen sich alle aus unterschiedlichen Gründen als Fehlgriffe. Besonders tragisch ist die im Fall von Itay Shechter, der fußballerisch Bundesliganiveau hat, aber zu hektisch und übermotiviert agierte und somit selbst dickste Chancen auslies. Stefan Kuntz hat bereits in Bochum bewiesen, dass er einen Job als Funktionär durchaus ordentlich erledigen kann. Er hatte in diesem Jahr zwar einen Plan, allerdings kein Glück bei seinen Entscheidungen.

Dominik: Fiktion. Im Gegensatz zu These Nummer Zwei sehe ich hier die Schuld nicht beim Manager. Beim 1.FC Kaiserslautern fehlt es im Kader einfach an der nötigen Qualität um sich in der Bundesliga zu halten. Kuntz hat lange an Trainer Kurz festgehalten – meiner Meinung nach die richtige Entscheidung, für mich hätte es gar keinen Trainerwechsel geben müssen, man sieht ja, dass Krassimir Balakov bisher auch nichts bewirken konnte (Zwei Spiele, zwei Niederlagen). Der Abstieg scheint nun unausweichlich und man sollte im nächsten Jahr einen Neuanfang in Liga Zwei wagen – für mich mit dem Vorsitzenden Stefan Kuntz.

 

4. Die Entlassung von Robin Dutt kommt einer Kapitulation vor dem Einfluss der Medien gleich.

Felix: Fiktion. Wir haben viel über die Medienkampagne gegen Leverkusens Trainer berichtet und uns auch dagegen gewehrt. Auch das Statement von Wolfgang Holzhäuser, das man sich letztendlich dem Druck der Presse beugen musste, kann als Beleg für die These gewertet werden. Aber ein Blick auf die Zahlen sagt auch deutlich aus: Bayer Leverkusen hat die letzten 5 Pflichtspiele in Folge verloren, teilweise mit grauenerregenden Leistungen wie beim 1:7 in Barcelona oder im Heimspiel gegen Freiburg. Der große Vorsprung, mit dem Bayer scheinbar sicher in die Europaleague einziehen konnte, wurde verspielt. Robin Dutt hatte keine Chance in einem Umfeld, das ihn nie richtig vor Kritik schützte. Dazu kommen Machtkämpfe innerhalb des Teams, die weit über das Duell Dutt gegen Ballack hinaus gehen. All dies wird es dem Trainer nicht leichter gemacht haben, vernünftig zu arbeiten. Aber seine Entlassung ist allein durch den sportlichen Misserfolg der letzten Wochen ausreichend begründet.

Dominik: Fakt. Wenn am Ende auch mehr die sportliche Misere von Bayer Leverkusen dafür gesorgt hat, dass Robin Dutt den Verein verlassen musste, so hatten die Medien auf diese Entlassung sicherlich einen großen Einfluss. Robin Dutt hatte von Anfang an in Leverkusen kein gutes Standing, weder bei den Fans, noch in den Medien. Dazu kamen verschiedene Baustellen im Verein, bei denen er sich nicht immer klug anstellte. In der guten Phase Leverkusens, mit aussichtsreicher Position in der Bundesliga und dem Gruppensieg in der Champions League, kam die Geschichte mit Michael Ballack in den Vordergrund, der sportliche Erfolg dagegen in den Hintergrund. Niemand schrieb über das erreichte Achtelfinale in der Champions League, stattdessen wurde Dutt immer und immer wieder klein geredet und geschrieben. Dies sorgte dafür, dass Dutt auch im Verein immer mehr in Frage gestellt wurde. Die sportliche Talfahrt in den letzten Spielen, die quasi das i-Tüpfelchen waren, hatte nun zur Folge, dass man sich “endlich” von Dutt trennen konnte, mit dem Vorwand, dass es sportlich nicht so gut lief. Dass da viel mehr hintersteckte, sollte jedem, der genauer hin sieht, klar sein.

 

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