Der Gegenspieler: Wer holt sich den Titel?

27. Juni 2012Felix> Länderspiele

Der Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne beziehen zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung zu diskussionswürdigen Thesen. Die beiden Gegenspieler entscheiden ob die Prognosen eintreffen werden (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die heutigen Kontrahenten sind Dominik und Stephan, die Thesen kommen in dieser Woche vom Turnierverlauf.

 

1. Portugal wird Europameister.

Stephan: Fiktion. Obgleich sich die Portugiesen in der starken Gruppe B mit Deutschland durchsetzen konnte, traue ich ihnen nicht den EM-Titel zu. Die Steigerung von Cristiano Ronaldo vom letzten Gruppenspiel wird auch noch gegen Spanien zu tragen kommen und der Seleccion größere Probleme bereiten. Allerdings kann das nicht das unstrukturierte und mittelmäßige Defensivverhalten kaschieren. Dieses und die offensive Klasse der Spanier werden dafür verantwortlich sein, dass Portugal nicht das Finale erreicht und somit auch nicht Europameister wird.

Dominik: Fiktion. Portugal ist von den übrig gebliebenen Mannschaften wohl die unwahrscheinlichste Option auf den EM-Titel, auch wenn Cristiano Ronaldo mittlerweile seine gute Form wiedergefunden hat. Dennoch ist da ein kleines Problem: Man spielt im Halbfinale gegen Spanien und wird in meinen Augen nur eine minimale Chance auf das Erreichen des Finales haben. Dafür muss bei Portugal alles stimmen und Spanien einen schlechten Tag erwischen. Und dann würde im Finale immer noch Deutschland warten, gegen die man zuletzt nicht viel holen konnte. Die Portugiesen werden wohl schon im Halbfinale scheitern, vielleicht knapp, vielleicht auch nicht – aber ins Finale kommen, geschweige denn Europameister werden: Das halte ich für sehr unwahrscheinlich.

 

2. Spanien wird Europameister.

Stephan: Fiktion. Ich mag die Spanier, die mit einer unaufgeregten Leistung ins Halbfinale einer EM spaziert sind. Es ist die gewohnte dominante Spielweise und der unnötige Querpass im gegnerischen Strafraum, der die Spanier seit vier Jahren zu der besten Mannschaft der Welt macht. Doch dieses Jahr ist etwas schlimmes passiert: Die Gegner finden mal mehr, mal weniger gut ein Mittel gegen das spanische Fußballfest. Und irgendwie hat man das Gefühl, dass sie ohne ihren besten Abwehrspieler und Stürmer schlagbar sind.

Dominik: Fiktion. Die Spanier… haben in diesem Turnier teilweise wieder überragenden und technisch anspruchsvollen Fußball gespielt. Dazu kam noch, dass man im Spiel gegen Frankreich gesehen hat, dass man auch anders kann – das 1:0 wurde nach einer Flanke per Kopf erzielt, eigentlich sehr untypisch für die Spanier. Das macht die Mannschaft noch unberechenbarer. Ich gehe davon aus, dass man sich im Halbfinale recht souverän gegen Portugal durchsetzen wird, im Finale wartet dann Deutschland. Dieses Duell konnten die Spanier in der Vergangenheit für sich entscheiden, man fügte den Deutschen bei der WM 2010 im Halbfinale und bei der EM 2008 im Finale zwei schmerzhafte Niederlagen zu. Hier liegt aber der Fakt, warum Spanien im Finale scheitern wird: Deutschland wird nicht zum dritten Mal ein so wichtiges Spiel gegen Spanien verlieren!

 

 

3. Deutschland wird Europameister.

Dominik: Fakt. Ich denke, dass dieses Jahr der ganz große Coup drin ist für die deutsche Mannschaft. Man konnte sich im Turnier kontinuierlich steigern und gegen Griechenland eine sensationelle Leistung abrufen. Dies ist auch ein großer Verdienst von Jogi Löw, der es schafft, immer die richtigen Spieler auf den Platz zu stellen und die Mannschaft auf den Gegner perfekt einzustellen. Bei den Spielern ist der Wille da, endlich wieder einen Titel nach Deutschland zu holen. Dabei hat man die Möglichkeit, im Halbfinale die schlechte Bilanz gegen Italien aufzubessern und im Finale möglicherweise die Spanier nach zuletzt schmerzenden Niederlagen zu besiegen. Dies sind alles Fakten und Motivatoren, die dafür sorgen, dass Deutschland sich am 1. Juli Europameister nennen lassen darf.

Stephan: Fakt. Der lustige Hurra-Fußball der WM 2010 in passé und das wird mit dem Titel belohnt. Denn was der deutschen Nationalmannschaft damals fehlte, war in diesem Turnier stets ein wichtiger Bestandteil im deutschen Spiel: Abgeklärtheit und Glück. Dieses Jahr darf man auch mit einem späten Kopfballtor gewinnen und bei einer Führung gegen einen schwachen Gegner bis zum Ausgleich seine Kräfte schonen. Denn die Mannschaft weiß, dass sie jederzeit das Tempo und das Spiel bestimmen kann. Und so spielt ein Europameister.

 

4. Italien wird Europameister.

Dominik: Fiktion. Sollte Italien ins Finale kommen, werden sie meiner Meinung nach auch Europameister – ein Glück, dass im Halbfinale gegen Deutschland Endstation ist. Im bisherigen Turnierverlauf konnte man sich immer sehr gut auf den jeweiligen Gegner einstellen, im Viertelfinale hatte man 35 Torschüsse gegen England, jedoch konnte man sich dann erst im Elfmeterschießen verdient durchsetzen. In den Vordergrund spielten sich in diesem Spiel wieder einmal Andrea Pirlo, der Dreh- und angelpunkt im italienischen Spiel, und Mario Balotelli, der sich viele Chancen erarbeiten konnte, die aber teilweise unglücklich vergab. Es wird morgen ein Duell auf Augenhöhe, welches aber zu Gunsten der Deutschen entschieden wird. Italien darf sich aber erhobenen Hauptes vom Turnier verabschieden, da nur die wenigsten mit einer solchen Leistung gerechnet haben.

Stephan: Fiktion. Was ich bei Portugal bemängelte macht die Italiener zu einem großen Favoriten: Eine weltklasse Defensivleistung. Gepaart mit sehr gutem taktischen Verhalten und der nötigen Qualität in der Offensive, um ein Tor zu erzielen, das dann auch reicht. Mit dieser Kombination konnte die Squadra Azzurra schon Welt- und Europameister Spanien in Schach halten. Doch werden das kräftezerrende Viertelfinale und die kürzere Regenerationszeit im Halbfinale spielentscheidend sein. Schade, Italien. Leider habe ich keinen Titel für Euch.

1 comment zu “Der Gegenspieler: Wer holt sich den Titel?”

  1. Flo · 27. Juni 2012 Antworten

    So sieht’s aus :)

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