Der Gegenspieler: Wird Barrios den BVB verlassen?

26. Januar 2012Felix> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Willkommen zur neuen Ausgabe vom doppel-sechs.de Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne werden wir zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung beziehen lassen zu Thesen, die uns diskussionswürdig erscheinen. Die beiden Gegenspieler entscheiden unabhängig voneinander ob dies eintreffen wird (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die beiden heutigen Kontrahenten sind Felix und Stephan, die Thesen kommen in dieser Woche von Dominik. Dann wollen wir mal schauen, welche Erkenntnisse uns das Aufeinandertreffen diese Woche beschert:

 

1. Die Meisterschaft bleibt bis zum Ende der Saison spannend.

Felix: Fakt. Zum derzeitigen Zeitpunkt ist es mit Sicherheit noch eine fragwürdige Prognose, aber zur Zeit darf man davon ausgehen, dass wir einen spannenden Kampf um die Schale erleben werden. Auch wenn ich nicht damit rechne, dass alle vier Vereine, welche zur Zeit die Topplätze belegen, bis zum Ende dabei sein werden: Die Fohlen aus Mönchengladbach sind von der Qualität des Kaders nicht so überragend besetzt, das Spiele auch „im Vorbeigehen“ gewonnen werden können. Jeder Sieg muss mit konzentrierter Arbeit hart erkämpft werden. Ob die Physis des Teams dies die ganze Rückrunde zulässt erscheint mir fraglich. Den Schalkern wird ihre Defensivschwäche langfristig einen Spitzenplatz kosten, besonders in den direkten Duellen mit ihren Mitstreitern.

Stephan: Fakt. Dies hat für mich zweierlei Gründe. Der FC Bayern München hat durch die Qualität der einzelnen Spieler die  Berechtigung, als Meisterschaftsfavorit Nummer eins zu gelten. Die taktischen UnFähigkeiten und die nicht hunderprozentige geschlossene Mannschaftsleistung werden allerdings eine vorzeitige Meisterschaft der Münchener verhindern. Die Schwächen der Münchener finden sich bei Borussia Dortmund als Stärken wieder, so dass ein Zweikampf um die Schale entstehen wird. Der FC Schalke und Borussia Mönchengladchen werden noch bis zum zweiten Saisondrittel mit der Spitzengruppe Schritt halten können. Allerdings wird aber die Konstanz sowie die Qualität fehlen, um bis zum letzten Spieltag die Chancen auf die Meisterschaft zu wahren.

 

2. Nach van Buytens Verletzung ist es ein Fehler, in der Winterpause keinen geeigneten Ersatz zu verpflichten.

Felix: Fakt. Nach dem Ausfall des Belgiers und dem Unwillen Brenos, sich in München zu integrieren, bleiben den Bayern noch zwei Innenverteidiger: Jerome Boateng und Holger Badstuber (obwohl Anatoly Tymoshchyuk im letzten Jahr einige… witzige… Auftritte im Abwehrzentrum hatte, ähnlich wie Luiz Gustavo). Badstuber wirkt trotz der permanent auf ihn gesungenen Lobeshymnen extrem phlegmatisch und Baoteng ist ein solider Abwehrspieler, aber wenn er in der Mitte spielt bleiben nur Lahm und Rafinha als Spieler auf hohem Niveau für die kraftraubende Position des Außenverteidigers. Sollte Bayern nicht personell nachbessern, sehen wir sicherlich einige witzige taktische Versuche von Jupp Heynckes. Oder Diego Contento. Im schlimmsten Fall sogar beides.

Stephan: Fiktion. Spieler die im Winter auf die Transferliste rücken, erscheinen dort nicht ohne Grund: Sportlich oder charakterlich mangelhafte Leistungen führen meist zu einem vorzeitigen Abgang. Des Weiteren bedaf es für einen qualitativ hochwertigen Transfer auch immer ein gutes Scouting plus Verhandlungsgeschick, welche zeitlichen Spielraum erfordern. Aufgrund der spontanen Verletzung van Buytens ist dies aber nicht gegeben.

 

 

3. Nach der Pleite gegen Dortmund ist die Euphorie beim HSV verflogen und man wird weiterhin im Abstiegskampf mitspielen.

Felix: Fiktion. Zwar halte ich es durchaus für möglich, dass der HSV auch weiterhin gegen den Abstieg spielt, doch die Heimniederlage gegen den deutschen Meister wird dafür nicht ausschlaggebend sein. Am kommenden Wochenende müssen die Hamburger bei der kriselnden Berliner Hertha antreten, und dieses Spiel scheint mir viel wichtiger für die nahe Zukunft der Hamburger. In Berlin sollte gewonnen werden, denn im darauffolgenden Heimspiel droht gegen den FC Bayern eine weitere Niederlage. Gewinnen die Hamburger nicht in Berlin, dürfte in Hamburg wegen des schlechten Starts in die Rückrunde (nur 0/1 Punkt aus drei Spielen, davon 2 zu Hause) in altbekannter Manier der Baum brennen.

Stephan: Fiktion. Auch wenn der HSV weiterhin im Abstiegskampf vertreten ist, wird sich die Europhie nach zwei glücklichen Siegen gegen direkte Konkurrenten neu entfachen. Es darf wieder von Europa geträumt werden und es darf wieder fassungslos über Niederlagen gestaunt werden, die man so nicht erwarten konnte. Ohne dieses Selbstverständnis, das etwas realitätsferne eigene Bild und den Stolz auf Stadt und Mannschaft, wäre der HSV auch irgendwie wie Hannover 96: langweilig.

 

 

 

4. Lucas Barrios wird in Dortmund nicht mehr zu alter Stärke finden und den Verein am Saisonende verlassen.

Stephan: Fakt. Um mangelnde Form zu bekämpfen benötigt man Spielpraxis und Vertrauen. Unglücklich nur, dass Barrios beides in Dortmund nicht findet. Es ist verständlich, dass Jürgen Klopp lieber mit einem Stürmer in sehr guter Form um die Meisterschaft mitspielen möchte, als Barrios aus seinem Tief zu helfen. Weiterhin ist es verständlich, dass Jürgen Klopp versucht, Lucas’ fehlende Spielpraxis mit Kurzeinsätzen wett zu machen. Unglücklich ist allerdings, dass Lucas dies nicht als Chance, sondern eher als Affront gegen seine Person versteht.

Felix: Fiktion. Mit Lucas Barrios und Robert Lewandowski (der sich in den letzten Monaten enorm weiterentwickelt hat) hat Borussia Dortmund zwei gleichwertige Stürmer unter Vertrag, was für den Verein sicherlich eine erstrebenswerte Situation ist, die sich nicht so schnell ändern sollte. Lewandowski hat zurzeit die Nase vorn, weil er etwas beweglicher ist und damit besser in das Spielsystem der Dortmunder passt, während man Barrios die fehlende Spielpraxis deutlich anmerkt. Allerdings machte Mario Gomez vor ein paar Jahren in München eine ähnliche Phase durch, in der er bei den Bayern nur der dritte Stürmer Ivica Olic und Miroslav Klose war (gekrönt von einer grottigen WM 2010). Und Gomez wird dieses Jahr wiederholt Torschützenkönig. (Ach nee, das kommt ja erst gleich). Ich kann mir bei Barrios durchaus eine ähnliche Entwicklung vorstellen.

 

5. Mario Gomez wird auch in der aktuellen Saison Torschützenkönig der Bundesliga.

Stephan: Fakt. Mario Gomez gehört zu den besten Stürmer Deutschlands. Mit dem vorhandenen Selbstvertrauen ist er sogar einer der besten Stürmer Europas. Zudem kommt, dass er arg vom System der Bayern (4-5-1) und seinen Mannschaftskameraden profitiert, die die Klasse besitzen, den einzigen Stürmer immer wieder gefährlich in Szene zu setzen. Mario Gomez nutzt es und wird die Torjägerkanone sein Eigen nennen dürfen.

Felix: Fakt. Abgesehen von Mario Gomez unbestreitbarer Klasse sehe ich wenige Gründe (abgesehen von Verletzungen) die gegen ihn als Torschützenkönig sprechen. Vielleicht eine kurze Analyse, warum seine Konkurrenten es nicht schaffen können: Cisse (spielt nun bei Newcastle), Pizarro (zu verletzungsanfällig), Huntelaar (spielt nicht wie Gomez als einzige Spitze, weshalb andere Schalker auch häufig treffen und nicht auf den Hunter angewiesen sind) und Robert Lewandowski. Der Dortmunder Lewandowski könnte Gomez größter Konkurrent werden, er ist in bestechender Form und spielt wie Gomez als einzige Spitze bei seinem Verein. Aber ich mag ihn halt nicht so gern wie den Mario.

 

6. Raul wird seinen Vertrag bei Schalke 04 verlängern.

StephanFakt. Ich glaube tatsächlich, dass Raul Spaß an der Bundesliga gefunden hat: Tolle Stadien, tolle Atmosphäre, akzeptables Gehalt. Die Bundesliga ist gerade in der Mitte so durchschnittlich, dass es nicht langweilig wird und nicht so stark, dass es keinen Spaß mehr macht. Auch die Tatsache, dass der FC Schalke die Option auf eine Teilnahme an der Champions League weiter offen hält, ist ein positives Signal für Raul. Es spricht nichts gegen einen Verbleib auf Schalke und in Deutschland.

Felix: Fakt. Im Moment deutet alles darauf hin: Raul fühlt sich bei Schalke wohl, ist zufrieden mit seiner Wohnung in Düsseldorf und sieht in Blau einfach Klasse aus. Die Schalker hoffen, dass sich das Talent des Spaniers auch weiterhin stärker bemerkbar machen wird als sein Alter. Beide Seiten hätten also bei einer Vertragsverlängerung viel zu gewinnen. Auch für die Bundesliga wäre es schön, einen internationalen Topstar wie Raul halten zu können. Also geb dich `nen Ruck und unterschreib‘ datt Dingen! Vamos!

 

Immerhin zwei Widersprüche sorgen für etwas mehr Diskussionsbedarf als die Kuschelausgabe der letzten Woche. Wenn die Liga wieder Fahrt aufgenommen hat, werden auch unsere Gegenspieler keine Rücksicht mehr kennen. Den nächsten Gegenspieler gibt es wie immer Donnerstag!

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