Der Gegenspieler: Wohin führt der Freiburger Höhenflug?

25. Oktober 2012Felix> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Im Gegenspieler disktutieren unsere Autoren vier Thesen, die unter der Woche aufgeworfen wurden. Sie entscheiden, ob es sich dabei um Fakten oder Fiktionen handelt und begründen Ihre Meinung. Diese Woche hat Thorsten die Thesen aufgestellt, Felix und Stephan sind die Gegenspieler.

 

1. Schalke 04 wird in dieser Saison mindestens einen Titel gewinnen.

Stephan: Fiktion. Es tut mir irgendwie Leid, weil die Schalker eine wirklich nette Mannschaft haben. Allerdings frage ich mich, welchen Titel sie gewinnen wollen. Auf nationaler Ebene wird man an Bayern München scheitern. Die haben nämlich eine noch nettere Mannschaft beisammen und in den ersten Spielen recht deutliche Ansprüche auf die Meisterschaft und den DFB-Pokal gestellt. Bleibt dann nur noch die Champions League. Viel Erfolg.

Felix: Fiktion. Die Schalker dürfen sich derzeit über eine sehr positive Serie freuen: Mit den Siegen in Dortmund und London hat wohl vor den Spielen keiner gerechnet. Auch vom nächsten Heimspiel gegen Nürnberg kann man nicht unbedingt erwarten, dass es einen Rückschlag geben wird. Ist die Mannschaft aber tatsächlich gut genug, um einen Titel zu holen? Beantworten wir die Frage nach dem Ausschlussprinzip: Um die Champions League zu gewinnen sind die Schalker zu schwach. Um noch in die Europa League zu rutschen zu stark. Und das Schalke nicht Meister wird steht außerhalb jeder Diskussion, bei einem Verein, für den Abschlusstabellen immer bei Position 2 anfangen. Da es mir sehr gewagt erscheint, für den DFB-Pokal noch vor der zweiten Runde eine Prognose abzugeben, antworte ich mit „Fiktion“.

 

2. Für Borussia Mönchengladbach werden die Europa League Plätze diese Saison kein Thema mehr sein.

Stephan: Fakt. Die Borussia aus Mönchengladbach verlor vor der Saison drei Spieler, die elementar wichtig für das Spielsystem unter Favre waren. Durch den Transfererlös konnte Max Eberl als gern gesehener Gast durch Europa tingeln und hektisch Geldkoffer verteilen. Immerhin hat er Spieler verpflichtet, die in ihrer Beschreibung durchaus die drei vakanten Positionen bekleiden können. Dumm nur, dass diese Spieler weder charakterlich noch taktisch nach Gladbach passen. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: a) die Spieler passen sich an oder b) die Spielphilosophie wird verändert. So lange keines von beiden geschieht, werden die Fohlen weit von den Europa League Plätzen entfernt sein.

Felix: Fakt. Die Einkaufspolitik der Borussia hat sich als Bumerang erwiesen. Die Hoffnungen von Max Eberl beruhten darauf, dass die teuren Neuzugänge Dominguez, Xhaka und De Jong die Abgänge von Dante, Neustädter und Reus 1:1 auffangen können. Und das ging voll daneben. Luuk de Jong, der sehr durchwachsen in die Saison gestartet ist, ist noch der Stärkste der drei genannten. Granit Xhaka ist soweit von einem mannschaftsdienlichen Sechser entfernt wie Wolfsburg vom Europapokal, und Dominguez hat sich weder an Borussias Defensivtaktik, noch an die Bundesliga gewöhnt. Darüber hinaus hat Trainer Lucien Favre noch keine gute Idee gehabt, was er mit den neuen Spielern taktisch anstellen soll. Gladbach steht vor einem Haufen spielerischer und atmosphärischer Probleme, die schnell gelöst werden müssen, damit zur Winterpause wenigstens 20 Punkte auf dem Konto sind.

 

 

3. Der SC Freiburg kann sich in dieser Saison in der oberen Tabellenhälfte halten.

Felix: Fakt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der SC Freiburg sich im oberen Tabellendrittel festsetzen kann. Gründe dafür sind Trainer Christian Streich, der seine Mannschaft in jedem Spiel hochmotiviert auf den Platz bringt, und die Ausgeglichenheit und Flexibilität des Kaders. Die Torwart und Abwehr genügen Bundesligaansprüchen, das Mittelfeld bietet mit Schuster, Flum und Rosenthal körperlich und in Makiadi, Putsila und Kruse spielerisch starke Spieler. Hinzu kommt Daniel Caligiuri, der die gute Form der Rückrunde, nach einigen Startschwierigkeiten, wiedergefunden hat. Im Sturm verfügt der SC sowohl über einen klassischen Sturmtank (Santini) als auch schnelle Konterstürmer (Jendrisek, Freis). In dieser Saison kann das durchaus für Platz 6-9 reichen.

Stephan: Fiktion. Sicherlich werden die Freiburger dank ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit und eines durchschnittlichen Trainers einen einstelligen Tabellenplatz festigen können. Um allerdings ein ernsthafter Konkurrent auf die Europa League Plätze zu sein, fehlt der Mannschaft tendenziell die Qualität, die sich besonders in der nicht vorhandenen Kaderbreite bemerkbar macht.

 

4. Der nächste Debütant im deutschen Nationaltrikot heißt Roman Neustädter.

Felix: Fakt. Roman Neustädter trägt einen großen Anteil an der positiven Serie des FC Schalke nach der Länderspielpause. Defensiv ist sein Stellungsspiel und Zweikampfverhalten enorm wichtig für die vormals extrem wacklige Schalker Hintermannschaft. Im Spiel nach vorne ist er nach wie vor etwas bieder, entwickelt sich aber sichtbar weiter, etwa als er mit einem präzisen Pass über das halbe Spielfeld das Führungstor in Dortmund  einleitete. Davon abgesehen, dass seine Leistungen es rechtfertigen, wäre Neustädter als defensivorientierter Sechser eine Bereicherung für Joachim Löws Spielerauswahl. Für die Position vor der Abwehr  stehen dem Bundestrainer sonst nur Spieler zu Wahl (Khedira, Kroos, Schweinsteiger), die in der Offensive ihre Stärken haben.

Stephan: Fakt. In der Nationalmannschaft fehlt ein gutes Back-up für Sami Khedira, dessen Stärken die Defensivarbeit und die Spielübersicht sind. Mit Roman Neustädter hat man einen Spieler, der genau dieses Potential mitbringt. Sicherlich wäre es für eine ernsthafte Alternative zu früh, für eine langsame Integration in die Nationalmannschaft wäre allerdings jetzt ein guter Zeitpunkt.

 

Nächste Woche entscheidest Du, was gespielt wird: Schreibe deine These als Kommentar unter diesen Artikel. Beim nächsten Gegenspieler werden wir zusätzlich die interessanteste These diskutieren, die Ihr gepostet habt.

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