Der Gegenspieler: Würde Werder von Schaafs Rücktritt profitieren?

12. April 2012Felix> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Willkommen zur neuen Ausgabe des doppel-sechs.de Gegenspielers: In dieser wöchentlichen Kolumne werden wir zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung beziehen lassen zu Thesen, die uns diskussionswürdig erscheinen. Die beiden Gegenspieler entscheiden unabhängig voneinander ob dies eintreffen wird (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die beiden heutigen Kontrahenten sind Stephan und Dominik, die Thesen kommen in dieser Woche von Felix. Dann wollen wir mal schauen, welche Erkenntnisse uns das Aufeinandertreffen diese Woche beschert:

 

1. Die Entscheidung des 1.FC Köln, Stale Solbakken zu entlassen, ist unverständlich und falsch.

Dominik: Fiktion. Die Entlassung per se finde ich die Entlassung nicht falsch – dennoch ist der Zeitpunkt sehr ungünstig und viel zu spät gewählt. Ähnlich wie Robin Dutt in Leverkusen hatte Solbakken in Köln nie so recht einen guten Stand bei den Fans, im Gegensatz zur Werkself wurde er aber vom Verein anerkannt, hat zuletzt aber anscheinend bei den Spielern viel an Respekt verloren. Und wegen der anhaltenden Talfahrt der Kölner wurde nun endlich die Reißleine gezogen, ob dies allerdings noch rechtzeitig geschehen ist, werden die restlichen Ligaspiele unter Führung von Frank Schäfer zeigen müssen. Ich denke, die Entlassung kam zu spät und die Kölner müssen in die Relegation.

Stephan: Fakt. Ich halte Stale Solbakken für einen guten Trainer mit einer klaren Vorstellung vom Fußball. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben die Spieler des FC Köln diese auch mehr oder weniger gut umgesetzt – es reichte zumindest für einen gesicherten Mittelfeldplatz. Was nach der Hinrunde dann passierte, ist haarsträubend, aber auch irgendwie witzig: Brecko schießt an Karneval über das Ziel hinaus und parkt seinen Wagen auf den Bahngleisen. Volker Finke wird auf Grund „unterschiedlicher Zukunftsvorstellung“ entlassen. Alle reden von Podolski und seinem zukünftigen Arbeitgeber. Spieler werden suspendiert. Peszko feiert ein Unentschieden in Bremen zu ausgelassen.
Stale Solbakken hat nicht nur auf dem Trainingsplatz, sondern vor allem bei viel zu vielen Nebenschauplätzen alle Hände voll zu tun und erfährt keine Unterstützung aus dem Management. Es liegt also nicht am Trainer, sondern vor allem an der Egozentrik einzelner Personen und einer desaströsen Vereinsführung, dass die Kölner gegen den Abstieg spielen.


2. Die Abgänge von Pizarro, Naldo und Wiese bedeuten einen Umbruch für Bremen. Trainer Schaaf und Manager Allofs sollten ebenfalls zu Saisonende aufhören.

Dominik: Fakt. Dass ein Umbruch bei den Bremern stattfinden muss, steht für mich fest. Und durch die Abgänge der oben genannten Spieler sieht man auch, dass dieser vollzogen wird. Ich bin auch der Meinung, dass das sonst gut funktionierende Duo Allofs/Schaaf möglicherweise den Verein verlassen sollte. Die gewohnte Stärke von Allofs, Transfers zu tätigen, die das Team weiterbringen, ist scheinbar in den letzten Jahren abhanden gekommen, weshalb es auch mit der Mannschaft leicht bergab ging. Auch Trainer Schaaf scheint nicht mehr so recht an die Mannschaft heranzukommen, bei den zahlreichen schwierigen Spielern ist dies aber auch verständlich. Daher sollte der Umbruch durchgezogen werden – sowohl bei den Spielern, als auch bei Trainer und Geschäftsführer.

Stephan: Fiktion. Ich möchte mich über diese These beschweren! Was für ein Blödsinn. Es wird doch auch nicht das Management eines Unternehmens ausgewechselt, wenn dieses drei Mitarbeiter verliert. Sicherlich bedeuten die Abgänge einen Umbruch für die Bremer. Aber wer könnte diesen Umbruch nicht erfolgreich und vor allem ruhig und sachlich umsetzen, wenn nicht Klaus Allofs und Thomas Schaaf? Dieses Gespann hat bislang bei Werder kontinuierlich gute Arbeit geleistet und vielleicht sind die anstehenden Aufgaben genau die richtige Herausforderung, um den langweiligen Alltag mit einem Saisonabschluss zwischen Platz 3 – 6 etwas spannender zu gestalten.

 

 

3. Bayern München wird in dieser Saison keinen Titel gewinnen.

Stephan: Fakt. Und das tut mir Leid. Ich habe Jupp obgleich seiner taktischen Beschränktheit irgendwie lieb gewonnen. Nach einer kleinen Schwächephase zu beginn der Rückrunde hat er mit aller Ruhe den FC Bayern zurück in die Erfolgspur bekommen. Nach neun Siegen am Stück war auch mal wieder eine Niederlage fällig. Dumm nur, dass sie gegen Dortmund zustande kam. Schön aber, dass sie vollkommen verdient ist.
Unglücklicherweise ist die Meisterschaft jetzt gelaufen. Aber das große Ziel der Bayern kann ja auch nur Champions League-Sieg im eigenen Stadion lauten. Dumm nur, dass der Finalgegner Barcelona heißen würde. Schön aber, dass wir verdeutlicht bekommen, warum Barca die Trophäe zu recht gewinnt – und das sogar im Free-TV.
Bleibt noch der DFB Pokal mit dem Finale in Berlin. Zumindest ein Titel wäre den Bayern zu gönnen. Dumm nur, dass der Gegner wieder Borussia Dortmund heißt. Schön aber, dass Jupp noch eine Chance bekommt, Gomez auszuwechseln und dann hohe Flanken auf Olic schlagen zu lassen.

Dominik: Fiktion. Das ist für mich nur schwer vorstellbar, auch wenn die Meisterschaft nun wohl endgültig nicht mehr gewonnen werden kann (darüber werde ich nach dem kommenden Spieltag entscheiden). Man wird sich deswegen nun auf die Pokale konzentrieren und dies sehe ich als Grund, warum die Münchener auf jeden Fall den DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund gewinnen werden. Man wird auf den Punkt die Topleistung bringen, die notwendig ist und den Fans den Pokal präsentieren. Darüberhinaus sehe ich wirklich gute Chancen im Halbfinale gegen Real Madrid zu bestehen. Auch wenn das Team von José Mourinho momentan eine Bombenform hat, so ist Bayern München eine der wenigen Mannschaften weltweit, vor denen Real einen enormen Respekt hat. Sollte Bayern das Finale im eigenen Stadion erreichen, so ist dort alles möglich, auch ein Titelgewinn – egal ob gegen Chelsea oder Barcelona.

 

4. Der Sieg für Borussia Dortmund im Topspiel gegen Bayern München war verdient und geht in Ordnung.

Stephan: Fakt. Wie gewohnt begannen die Dortmunder mit intensivem Pressing und hoher Laufbereitschaft. Der BVB erspielte sich gute Tormöglichkeiten, die ein besserer Manuel Neuer zu verhindern wusste und die Münchener mussten sich mit gelegentlichen Kontern begnügen. Was dann passierte war „Taktiererei“ par excellence: Der BVB kam schwungvoll aus der Kabine ehe sie sich Mitte der zweiten Halbzeit weiter zurückzogen. Folgerichtig bekam Bayern München mehr Zugriff auf das Spiel und erarbeiteten sich zunehmend Torchancen. Hatten sich die Dortmunder verausgabt? Zumindest die Münchener erfreute dieses Bild und sie konnten den Sieg schon förmlich riechen.
Komischerweise bekam Dortmund das Spiel recht kompromisslos und einfach wieder in den Griff und erzielte nach einer Standardsituation das verdiente Tor. Wie gewohnt reagierten die Münchener mit wütenden Angriffen (durchgestrichen) Angriffsbemühungen und wurden dafür mit einem Elfmeter belohnt. Robben trat an und komischerweise hielt Weidenfeller den Ball recht kompromisslos und einfach fest. Bezeichnend für die offensive Harmlosigkeit der Bayern entstand die letzte Riesenchance durch einen Kopfball an die Latte – von Mats Hummels.
Fazit: Bayern fand nie richtig ins Spiel und Dortmund hat – schöne Phrase – mehr investiert.

Dominik: Fiktion. Ich versuche so objektiv wie es geht, diese These zu beurteilen, allerdings muss ich hier widersprechen. Die erste Halbzeit geht zwar klar an die Dortmunder, im zweiten Durchgang hat sich das Blatt dann gewendet und der Rekordmeister war klar besser. Leider fehlte das Quäntchen Glück um den verdienten Punkt aus Dortmund mitzunehmen und den Meisterkampf offen zu halten. Ein Unentschieden wäre hier aus meiner Sicht das gerechte Endergebnis gewesen.

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