Der Gegenspieler: Trägt Frank Arnesen die Schuld an der Krise des HSV?

13. Oktober 2011Felix> Bundesliga, | Der Gegenspieler

Willkommen zur neuen Ausgabe vom doppel-sechs.de Gegenspieler: In dieser wöchentlichen Kolumne werden wir zwei unserer Autoren unabhängig voneinander Stellung beziehen lassen zu Thesen, die uns diskussionswürdig erscheinen. Die beiden Gegenspieler entscheiden unabhängig voneinander ob dies eintreffen wird (Fakt) oder es nicht so kommen wird (Fiktion). Die beiden heutigen Kontrahenten sind Dominik und Stephan, die Thesen kommen in dieser Woche von Felix. Dann wollen wir mal schauen, welche Erkenntnisse uns das Aufeinandertreffen diese Woche beschert:

 

1. Der FC Augsburg wird bis zum Saisonende die Abstiegsplätze nicht mehr verlassen.

Dominik: Fiktion. Dass der FCA absteigen wird, steht für mich nach der bisherigen Leistung außer Frage. Aber ich denke, dass es im Tabellenkeller noch die ein oder andere Rotation geben wird. Sprich, Augsburg wird auch mal nach einem Spieltag über dem Strich stehen, doch am Ende wird es für den Aufsteiger nicht reichen und man muss den Gang in die zweite Liga antreten. Auch weil man vorne einfach zu wenig Durchschlagskraft besitzt. Zu Beginn dachte man noch, Sascha Mölders wäre ein guter Knipser, der diese Saison durchaus zweistellig treffen könnte. Aber auch er hat, wie fast die gesamte Mannschaft, stark nachgelassen.

Stephan: Fakt. Der Start in die Bundesliga begann mit 3:3 Toren und zwei Unentschieden. Während man sich im ersten Heimspiel gegen den SC Freiburg nach zweimaligem Rückstand zurück ins Spiel kämpfe, gegen Lautern auswärts nach langer Führung ein Punkt geholt wurde und Sascha Mölders nach zwei Spieltage drei Tore auf seinem Konto verbuchte, konnte man durchaus zufrieden sein. Danach folgten drei Tore bei 13 Gegentoren, ein Punkt und die Erkenntnis weder einen guten Stürmer in den eigenen Reihen noch einen bundesligatauglichen Kader zu haben. Ich lehne mich weit aus dem Fenster und sage: Die einzigen drei Punkte holt man auswärts beim Hamburger SV.

 

 

2. Frank Arnesen ist wegen seiner verfehlten Transferpolitik und dem langen Festhalten an Michael Oenning hauptverantwortlich für die Krise des HSV.

Dominik: Fakt. Zumindest in Punkt 1 stimm ich voll und ganz zu, was Arnesen da an Spielermaterial zum HSV gelotst hat, kann in der Bundesliga nicht mithalten. Im Gegenzug haben gute, erfahrene Spieler das Team verlassen. Oenning kann nun auch nicht zaubern, hat sich aber in vielen Situationen auch nicht gut angestellt. Ob es etwas gebracht hätte, Oenning eher zu entlassen, weiß ich nicht – ich glaube aber eher nicht. Denn man sieht ja, dass man auch jetzt noch keinen geeigneten Nachfolger gefunden hat.

Stephan: Fakt. Frank Arnesen hatte einen schwierigen Einstand. Eine überbezahlte Mannschaft ohne Identifikation zum HSV galt es zu bereinigen. So sollte das Gehaltsbudget entlastet und junge, hungrige Spieler an die Elbe geholt werden. Frank ließ seine guten Kontakte spielen – zumindest die zum FC Chelsea. Keine schlechte Idee doch unterschätze Frank die Qualität der Bundesliga. Mit dem jetzigen Kader würde man in England, Spanien oder Italien sicherlich zwischen Platz 10 und 13 stehen. Unglücklich nur, dass das Bundesligamittelmaß ein Höheres ist und an einem Trainer festgehalten wurde, der in 14 Spielen einen Sieg einfahren konnte.

 

3. Durch Trainer Holger Stanislawski und der Leistungsexplosion von Ryan Babel sollte für 1899 Hoffenheim die Champions League Qualifikation möglich sein.

Dominik: Fakt. Ich würde jetzt nicht unbedingt den Grund bei Holger Stanislawski suchen, dennoch halte ich Hoffenheim diese Saison für sehr spielstark. Die Spieler haben zu ihrer Leistung gefunden, was sicherlich auch am Trainer liegt. Somit halte ich es für durchaus wahrscheinlich, dass 1899 nächstes Jahr in der Königsklasse spielen wird.

Stephan: Fiktion. Ich muss gestehen, dass ich Herrn Stanislawski zu wenig zugetraut habe. Er schafft es äußert gut, diese junge Hoffenheimer Mannschaft auf den Gegner einzustellen und findet anscheinend die richtigen Worte, um Spielspaß mit Disziplin zu verknüpfen. Dennoch ist die Champions League Qualifikation ein bisschen zu viel, denn die Qualität des Teams auf jeder einzelnen Position ist ein bisschen zu wenig, um dauerhaft und in kleinen Formkrisen ganz oben mitzuspielen.

 

Mit 2 Widersprüchen und 1 Übereinstimmung gehen wir zum Seitenwechsel. Mal schauen, ob wir dort ein einheitlicheres Bild präsentiert bekommen.

 

4. Michael Ballack sollte bei Bayer Leverkusen einen Stammplatz haben.

Stephan: Fiktion. Michael Ballack hat im letzten Spiel gegen denVfL Wolfsburg sicherlich ein hervorangendes Spiel abgeliefert und gezeigt, dass er eine Mannschaft immer noch zum Sieg führen kann. Allerdings stand er beim “Kollektivausfall” gegen die Kölner auch mit auf dem Platz und konnte weder dafür sorgen, dass Bayer zurück ins Spiel fand noch die komplette Aufgabe der Leverkusener verhindern. Ich sehe absolut keinen Grund Herrn Ballack per se einen Stammplatz zuzuschreiben.

Dominik: Fiktion. Ich finde, so wie Leverkusen momentan mit der Causa Ballack umgeht, machen sie es genau richtig. Mal spielt er von Beginn an, mal wird er eingewechselt, mal spielt er gar nicht. Es wird sinnvoll rotiert, und Rolfes hat insgesamt die Nase vorne. Aber wenn dieser mal verletzt ist oder ein anderer Spieler (wie zur Zeit Renato Augusto) schächelt, so hat man in Ballack jemanden, der sofort da ist.

 

5. Die Nominierung von Ilkay Gündogan ist ein politische Entscheidung: Sein derzeitiges Leistungsvermögen rechtfertigt seinen Einsatz im Nationalteam nicht.

Stephan: Fiktion. Da “politische Entscheidung” einen faden Beigeschmack trägt. Ich würde es “zukunftsorientierte Entscheidung” nennen. Ilkay Gündogan wird sich in den nächsten Monaten und Jahren fußballerisch weiterentwickeln und auch Einsatzzeiten in der Nationalmannschaft durch gute Leistung fordern dürfen. Sein Spielverständnis und seine taktische Ausbildung sind bereits jetzt auf einem sehr hohen Niveau, was zusätzlich seine Nominierung rechtfertig.

Dominik: Fakt. Wir haben sicherlich bessere Mittelfeldspieler in Deutschland, die auf Gündogans Position spielen können: Khedira, Kroos, Schweinsteiger – um nur ein paar zu nennen. Er bekam gegen Belgien seine Einsatzzeit vor allem auch, damit er nicht mehr für die türkische Nationalmannschaft spielen kann. Wer weiß, ob man in Zukunft vielleicht leistungstechnisch doch auf Gündogan zurückgreifen kann. Aktuell ist dies allerdings nicht nötig.

 

6. Trotz der schwächeren Jahre in Mönchengladbach und auf Schalke muss Jupp Heynckes zu den besten Trainern Deutschlands gezählt werden.

Stephan: Fiktion. Ich sehe Jogi Löw, Mathias Sammer und Jürgen Klopp vor Jupp – bedeutet bestenfalls Platz vier! Jupp Heynckes profitiert meiner Meinung nicht von seinem Trainergeschick, sondern viel mehr von der außerordentlich guten Transferpolitik des FCB. National wird der Schein zu den besten Trainern Deutschlands zugehören aufrechterhalten werden können. Seine taktischen Schwächen und geringen analytischen Fähigkeiten werden sich auf internationaler Bühne durch das Viertelfinal-Aus in der Champions League offenbaren. Schade Jupp.

Dominik: Fakt. Nicht der beste, aber sicherlich einer der besten Trainer Deutschlands. Dies hat er bei seiner kurzen Amtszeit in München nach der Ära Klinsmann, anschließend in Leverkusen und nun erneut in München unter Beweis gestellt. Er schafft eine lockere Atmosphäre und kann mit Stars genauso gut wie mit jungen Talenten umgehen. Da trüben auch nicht die schlechteren Stationen das Bild.

 

4 Widersprüche! Das ist neuer Rekord für diese Kolumne. Nur bei Frank Arnesens Fehlern und Michael Ballacks Leistungsabfall herrscht Einigkeit. Wir hoffen, dass ihr nächste Woche wieder reinschaut, wenn Stephan die Thesen stellt und Dominik und Felix die Gegenspieler sein werden.

Kommentare sind geschlossen.

Deine Meinung zählt!

Welches unserer Angebote gefällt Dir am besten?


zum Ergebnis

Loading ... Loading ...

Neuer Kram

Jede Mannschaft agiert in jeder Situation mit mindestens sechs Feldspielern hinter dem Ball. Man könnte auch eine Kartoffel beobachten und warten, dass sie sich in einen Drachen verwandelt…

Im Halbfinale der WM schlachtet die deutsche Mannschaft total überforderte Brasilianer erbarmungslos mit 7:1. Dabei gelingen dem Team von Joachim Löw 5 Tore in der ersten halben Stunde des Spiels…

Archivkram

Was haben Mike Hanke, Patrick Helmes und Stefan Kießling gemeinsam? Sie alle müssten schon mindestens 100 Länderspiele haben. Zumindest wenn man die Trends des Jahres 2012 rückwirkend betrachtet…

Das Jahresende naht – Zeit für Geschenke, Rückblicke und Auszeichnungen. Wir haben 12 Preise vorbereitet, die wir dieses Jahr an Vereine und Spieler der Bundesliga verteilen werden. Wir suchen das beste Pärchen und den geilsten Typ in der Disko!

Das Beste aus unseren Live-Blogs

"Im Moment hat dieses Spiel nur Verlierer: Polen (ausgeschieden), Tschechien (ausgeschieden), die Zuschauer (Scheißspiel), der Schiedsrichter (ist nass geworden)." > Tschechien - Polen
More in > Bundesliga, | Der Gegenspieler (403 of 418 articles)