Der Mann vor Dortmunds Erfolg.

4. Mai 2011FelixBlogs

Mit seinen populistischen Tiraden gegen Vereine wie Hoffenheim wurd er zu einem Liebling der Fans. Doch bereits davor stand Hans-Joachim Watzke während seiner Interviews häufig vor einer imaginären Menge von Menschen, die ihn in Sprechchören dazu aufforderte “Gib’ uns, was wir hören wollen.” Doch hinter der teilweise bis ins polemische Außendarstellung des Geschäftsführers von Borussia Dortmund steckt System; und hinter seiner Person viel mehr als ein Kurvenfan, der in ein offizielles Amt gerutscht ist.

In Jürgen Klopp sehen viele Beobachter den Mann, der hinter den jüngsten Erfolgen bei Borussia Dortmund steht, vordergründig natürlich die Meisterschaft 2011. Wenn man bei diesem Bild bleiben möchte, ist Hans-Joachim Watzke der Mann, der sich vor den Erfolg von Borussia Dortmund gestellt hat. Allerdings nicht, um mit seiner Person alles andere zu überstrahlen, sondern um ihn vor möglichen Schaden zu schützen. Um Angreifer abzuwehren, bevor sie den Erfolg gefährden können. Um Kugeln abzufangen, die das Bild des modernen BVB  treffen und zum Einsturz bringen können.

Man muss Watzke, trotz seiner teilweise knorrigen Art, als echten Medienprofi einschätzen. Er versteht, im richtigen Moment Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, damit andere in Ruhe arbeiten können. Sein Auftreten ist immer 100% BVB, seine Stellungnahmen sind so gelb-schwarz wie das Trikot von Nuri Sahin und das Herz von Kevin Großkreutz. Und das nicht, weil er nicht in der Lage wäre, objektiv zu urteilen, sondern weil er sich in der Pflicht sieht, immer mit vollem Einsatz hinter seinem Verein zu stehen und keinen Zweifel an dessen Überlegenheit aufkommen zu lassen.

Diese Rolle, gleichsam als medialer Prellbock und größter Fürsprecher der eigenen Sache, wurde bereits in früheren Spielzeiten gerne von Uli Hoeneß gespielt, wenn er mediale Aufmerksamtkeit von Mannschaft und Trainer ablenken wollte. Institutionalisiert wurde sie 2004 beim DFB, der Oliver Bierhoff als medialen Schutzschild für Klinsmann und Löw installierte. Wann immer es brenzlig wurde bei der Nationalmannschaft zog Bierhoff den Zorn der Fans in seine Richtung, als aalglatter Vertreter des modernen Fußballs, den man nur zu gerne unsympathisch findet.

Watzke hat diese Funktion in dieser Saison veredelt: Der Geschäftsführer hat maßgeblichen Anteil an der unproblematischen Entwicklung einer jungen Mannschaft, die in dieser Saison überragendes geleistet hat. Und er wird auch in der kommenden Saison da sein, wenn die unvermeidbare Krise nach einem solchen Sensationserfolg kommt. Dann steht Watzke wieder vor dem Erfolg des BVB, um Angreifer abzuwehren und Trainer wie Spieler vor medialem Schaden zu schützen, bewaffnet mit Sätzen, die man sonst nur Norbert Dickel zutrauen würde.

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