Der Positionswechsel: Huub Stevens zurück “Auf Schalke”.

6. Oktober 2011FelixBlogs

Herzlich Willkommen zur neuen Ausgabe des Positionswechsels. Hier behandelt einer unserer Autoren jede Woche eine neue These, zu der er zwei mögliche Stellungen bezieht und diese argumentativ begründet.  In der aktuellen Ausgabe befassen wir uns mit einem mit den Auswirkungen des Rücktritts von Ralf Rangnick als Trainer von Schalke 04 und der Wahl seines Nachfolgers: Huub Stevens.

DIE THESE

Huub Stevens ist die richtige Wahl als Trainer von Schalke 04.

CONTRA

Nach dem Rücktritt von Ralf Rangnick lag ein Schock über Schalke. Clemens Tönnies pustete mit der Stellungnahme „Wir werden die beste Lösung als Nachfolger präsentieren – nicht die schnellste.“, die übliche heiße Luft in die Mikrofone – von der Bildzeitung gut dokumentierte „Geheimverhandlungen“ mit Oliver Kahn blieben jedoch diesmal aus. Stattdessen besann sich der Patriarch darauf zurück, was schon im Fall Rangnick prima funktioniert hatte: Keine Experimente, sondern lieber einen Trainer verpflichten, den das Publikum bereits kennt und dem die Massen zujubeln werden. Diesmal fiel die Wahl auf den letzten erfolgreichen Trainer vor Rangnick: Den Niederländer Huub Stevens. Und nun setzt man den als Defensivspezialisten verschrienen Trainer vor eine Mannschaft, die mit dem Ziel des schnellen, direkten Offensivspiels zusammengestellt – oder besser – zusammengekürzt wurde. Holtby, Farfan, Raul, Draxler – alles Spielertypen, die sich von jenen, mit denen Stevens in seiner ersten Amtszeit Erfolg hatte, grundsätzlich unterscheiden. Kämpfernaturen wie Jiri Nemec oder Marc Wilmots wird man im aktuellen Schalker Kader nicht finden, dafür eine Menge kleiner, schneller Techniker. Stevens ist vor eine Mannschaft gesetzt worden, die er nicht zusammengestellt hat und die sich von dem Fußball, den er sich vorstellt, nicht weiter entfernt sein könnte. Eine populistische Wahl, die nur ein offensichtliches Ziel hat: Volkstribun Tönnies darf sich wieder einmal in den Hurras der Menge baden, einen „verlorenen Sohn“ und „echten Schalker“ nach Gelsenkirchen zurückgelotst zu haben. Einen der letzten erfolgreichen Schalke-Trainer vor Stevens zu verpflichten, dürfte Tönnies nach der Amtszeit des Holländers allerdings schwer fallen: Diese sind bereits alle verstorben.

PRO

„Die Null muss stehen.“ Dieser Satz prägte die erste Amtszeit von Huub Stevens auf Schalke. Warum? Weil er sie gebetsmühlenartig wiederholte, vor den UEFA-Cup Heimspielen des FC Schalke in den Spielzeiten 96/97 und 97/98. Die Folge davon waren 9 zu Null Siege in 9 aufeinanderfolgenden Heimspielen im UEFA-Cup. Ein Rekord, der auch 13 Jahre später noch Gültigkeit hat. Im ersten Jahr gelang es Stevens, mit einer fußballerisch arg limitierten Truppe sogar, die zweitwertvollste Trophäe des europäischen Vereinsfußballs zu gewinnen – bis heute der größte Triumph des FC Schalke. Mit solider Defensivarbeit und unglaublicher Gefahr nach Ecken und Freistößen stürmte die von den Fans „Eurofighter“ genannte Mannschaft dem Pokal entgegen. Und Stevens hatte seinen Ruf als Maurer. Dabei ist Stevens kein Trainer, dessen Teams sich am eigenen Strafraum verstecken: Er lässt seine Spieler lediglich das tun, was sie am besten können: 1997 war das eben Grätschen und den Kopf in Flanken hineinhalten. Schnell vergessen werden die beiden Spielzeiten 00/01 und 01/02, die letzten beiden Jahre von Stevens als Trainer von Schalke 04: Das Offensivtrio Möller, Mpenza und Sand riss die Fans von den Stühlen und sorgte mit genialem Offensivfußball für zwei DFB-Pokalsiege (und eine Meisterschaft der Herzen). Nicht selten schossen die Schalker ihre Gegner regelrecht ab: Allein in der Hinrunde 00/01 gelangen unter Stevens drei 4:0-Siege auf fremden Platz, davon einer in Dortmund. Huub Stevens ist kein Maurer. Huub Stevens ist ein Realist, der das Potential einer Mannschaft genau einschätzen kann. Schalke 04 darf sich freuen, einen solchen Fachmann als Trainer zu haben – und gespannt sein, was er mit diesem Kader alles erreichen kann.

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