Der Positionswechsel: Ist Otto Rehhagel zu alt für die Bundesliga?

28. März 2012FelixBlogs

In der neuen Ausgabe des Positionswechsels geht es um das Engagement von Otto Rehhagel beim abstiegsbedrohten Bundesligisten Hertha BSC. War es ein guter Schachzug den Altmeister nach Berlin zu holen? Oder wird Michael Preetz diese Maßnahme noch bereuen? Felix vertritt einen Standpunkt – und vollzieht danach einen Positionswechsel.

 

Die Verpflichtung von Otto Rehhagel war ein Fehler.

Otto Rehhagel ist ein guter Trainer. Dies ist ein Satz, der in der Neunziger Jahren sicherlich uneingeschränkt gültig war. Doch seitdem sind bereits zwölf Jahre vergangen, und die Zeiten haben sich verändert – Otto Rehhagels taktisches Konzept aber nicht.

Ein letztes Aufblitzen seiner Fähigkeiten sahen wir im Jahr 2004, bereits 4 Jahre nach Ablauf von Rehhagels Haltbarkeitsdatum, als er mit Griechenland die Europameisterschaft gewann. Allerdings nicht durch tollen und modernen Fußball, sondern mit seiner Truppe, die Ottos altes Patentrezept mit Libero und großen Innenverteidigern umsetzen konnte, weil sie fußballerisch gar nicht mehr drauf hatte. Das wahre Gesicht des in der Vergangenheit lebenden Trainers sah man in den Jahren darauf während der WM-Qualifikation. Dort brachte Rehhagel das Kunststück fertig, den amtierenden Europameister nicht für die folgende Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Ein peinliches Ergebnis, dass sich auch bei der EM 2008 fortsetzte, als Rehhagel mit seinem Team nicht einen einzigen Punkt holen konnte.

Otto Rehhagel und seine Vorstellung vom Fußball ist überholt und gehört nicht mehr in die Fußballbundesliga – die ihn ohnehin nicht mehr interessiert. An Sonntagen geht Otto lieber mit seinen Freunden aus der Politik Häppchen essen, statt sich um seine Mannschaft zu kümmern. Seine Bilanz in Berlin ist verheerend: 3 Niederlagen und 11 Gegentore gab es in fünf Spielen, das Team rutschte in seiner Amtszeit vom sicheren Platz Fünfzehn zurück auf Abstiegsplatz Siebzehn. Otto Rehhagel war ein guter Trainer, aber im Jahr 2012 gehört er in seinen Essener Schrebergarten.

 

 

Die Verpflichtung von Otto Rehhagel war eine gute Entscheidung.

Otto Rehhagel ist eine Trainerlegende – doch durch seinen eigenwilligen Umgang mit den Medien verweigern diese ihm die Anerkennung, die er verdient. Neben seinen Meisterschaften und Pokaltriumphen (national wie international) mit Werder Bremen gelangen im zwei geniale Coups, die in der Geschichte des Fußballs einmalig sind: Er wurde 1998 mit dem Aufsteiger 1.FC Kaiserslautern deutscher Meister und führte Griechenland zum absolut überraschenden Titel bei der EM 2004.

Dabei werfen ihm seine Kritiker einen destruktiven Stil vor, verweigern sich aber der Gegenfrage: Wie hätten die Griechen denn spielen sollen? Fröhlich offensiv um mit 1:7 Toren nach der Vorrunde nach Hause zu fahren? Rehhagel hat genau erkannt, was mit dem Team möglich war und sie so ideal eingestellt, dass sie den größten Erfolg in der Geschichte des griechischen Fußballs feiern konnten. Unter Rehhagels Führung nahm Griechenland an 3 von 4 großen Turnieren teil. Kein anderer Trainer der Helenen kann solch eine Ausbeute vorweisen.

Dass jene Journalisten, von denen sich Rehhagel sein Leben nicht diktieren lassen will, sich beim ersten Anzeichen von Misserfolg in Berlin auf ihn stürzen würden, war klar. Aber was kann man Rehhagel vorwerfen? Bei der Auftaktniederlage in Augsburg war das Team noch blass und ohne Selbstvertrauen, was seinen Vorgängern anzulasten ist. Anschließend gab es Siege in Mainz und gegen Bremen. Einzig die Niederlage gegen den 1.FC Köln trübt Ottos Bilanz. Beim 0:6 gegen Bayern München gibt es Nichts zu kritisieren: Niederlagen gegen die Bayern sind für Abstiegskandidaten der Regelfall. Und Hertha kassierte nur 6 Tore, nicht wie Hoffenheim und Basel zuvor sieben, die wesentlich bessere Spieler zu Verfügung stehen hatten.

Otto Rehhagel hat bereits oft gezeigt, dass er mit minimalen Voraussetzungen sehr großen Erfolg haben kann. Er wird Hertha BSC in der Bundesliga halten. Und sollte dies nicht der Fall sein, ist die Schuld dafür bestimmt nicht bei ihm zu suchen.

 

Standpunkt oder Positionswechsel? Welchem Plädoyer schließt Ihr Euch an?

1 comment zu “Der Positionswechsel: Ist Otto Rehhagel zu alt für die Bundesliga?”

  1. Rolf Tytko · 30. März 2012 Antworten

    Hallo Felix,

    kurz und schmerzlos

    DEM POSITIONSWECHSEL

Sag' doch auch mal was!

Deine Meinung zählt!

Was hältst Du von der europaweiten EM 2020?


zum Ergebnis

Loading ... Loading ...

Neuer Kram

Jede Mannschaft agiert in jeder Situation mit mindestens sechs Feldspielern hinter dem Ball. Man könnte auch eine Kartoffel beobachten und warten, dass sie sich in einen Drachen verwandelt…

Im Halbfinale der WM schlachtet die deutsche Mannschaft total überforderte Brasilianer erbarmungslos mit 7:1. Dabei gelingen dem Team von Joachim Löw 5 Tore in der ersten halben Stunde des Spiels…

Archivkram

Dinge kommen und Dinge gehen wieder, auch im Fußball ist das so. Aber nicht nur Spieler, Manager und ganz besonders Nicolas Anelka tauchen auf und verschwinden irgendwann wieder: Auch sprachliche Eigenheiten scheinen manchmal einfach weg zu sein, wenn man sich gerade an sie gewöhnt hat…

“68.Minute – Tor für Deutschland!
Özil tritt einen Freistoß in den Strafraum, der griechische Torwart rennt irgendwohin, Klose ist mit dem Kopf zu Stelle.”

Das Beste aus unseren Live-Blogs

"Wir sehen eine Wiederholung von Spielern, die sich Schweiß aus dem Gesicht wischen. Es handelt sich tatsächlich um die Highlights der zweiten Hälfte." > Frankreich - England
More in Blogs (118 of 133 articles)