Der Positionswechsel: Macht eine europaweite EM Sinn?

10. Dezember 2012Felix> Bundesliga

Die UEFA hat beschlossen, die Europameisterschaft 2020 nicht nur in einem Land, sondern europaweit austragen zu lassen. Felix ist sich nicht sicher, was er davon halten soll. Er vollzieht deshalb einen Positionswechsel, in dem er beide Seiten beleuchtet.

 

 

Eine EM in mehr als 2 Ländern ist Unsinn.

Eine Europameisterschaft in 6, 8 oder gar 12 verschiedenen Ländern? Was für eine absurde Idee! Diese Idee, entwickelt und beschlossen von UEFA-Präsident Michel Platini ist zweifellos auf einer Stufe mit der Weltmeisterschaft in Katar anzusetzen. Sie ist unfreundlich für Zuschauer, Spieler und Funktionäre und hat nur ein einziges Ziel: Euros sollen in rauen Mengen in die Kassen des Verbandes fließen.

Ich denke, die Erinnerungen an die Weltmeisterschaft 2006 sind noch relativ frisch: Wir haben das ausgelassenste Deutschland seit der Wiedervereinigung, vielleicht sogar aller Zeiten kennengelernt. Autofähnchen, Public Viewing, explodierende Zuschauerzahlen in der Bundesliga – alles eine Folge des Fußball-Booms, der 2006 durch die mitreißende Weltmeisterschaft ausgelöst. Einer Weltmeisterschaft in einem Land. Warum will man Länder dieser einzigartigen Möglichkeiten zur Selbstfindung, Gastfreundschaft und 4 Wochen Sorglosigkeiten berauben?

Man mag argumentieren, dass dies nun nicht nur für eines, sondern für mehrere Ländern möglich ist. Ich widerspreche entschieden: Die Finals von großen Wettbewerben sind ebenfalls, wie bei der EM 2020 angedacht, Ereignisse, die sich auf eine Stadt beschränken. Kann sich jemand an die große, bundesweite Euphorie erinnern, weil 2004 in Gelsenkirchen oder 2012 in München das Champions League Finale ausgetragen wurden? Nein? Weil sie nicht da war!

Für mitreisende Fans ist das Problem noch größer. Konnte man sich früher an einem zentralen Ort niederlassen und ein Land kostengünstig mit Bus und Bahn bereisen, wird das schon extrem knifflig, wenn man sich vorstellt, welche Kosten ein Fan aus Ungarn aufbringen muss, wenn das erste Spiel seiner Mannschaft in Hamburg, das zweite in Lissabon und das dritte in Athen ausgetragen wird.

Wie soll es überhaupt gerecht zugehen, wenn sich 4 Mannschaften mal über einen Heimvorteil freuen dürfen, 20 aber nicht, und das nur durch Zufall? Da wird auf die Planer des Turniers eine extrem große Hürde zukommen. Von Seiten der Stimmung und Organisation ist dies eine Katastrophe mit Ansage. Aber Hauptsache, das Geld fließt in die Taschen des Verbandes…

 

 

 

 

Eine EM in mehr als 2 Ländern ist eine gute Idee.

Eine Europameisterschaft in Europa. Das klingt eigentlich gar nicht so weit hergeholt, oder? Warum sollten wir dieses aufregende Experiment nicht wagen und uns darauf freuen? Das einzige Argument, warum nicht, dem wohl alle zustimmen werden ist: Weil es das noch nie gab! Große Turniere werden immer in einem Land ausgetragen, zwei sind gerade noch zu ertragen, aber ein ganzer Kontinent scheint nicht in Frage zu kommen. Bei allem Verständnis für die verbreitete Konservativität von Fußballfans, man kann solch eine bahnbrechende Idee doch nicht mit dem leidigen Argument „Früher war alles besser“ ablehnen.

Die Notwendigkeit, Turniere an einem Ort auszutragen, kommt aus einer Zeit, in der die Menschen technisch und logistisch noch nicht in der Lage waren, solche Ereignisse anders aufzubereiten. Man bündelte technische Hilfsmittel, Mannschaften und Fans an einem Ort, weil der Transport und die Übertragung sonst viel zu aufwendig gewesen wären. Aber wir haben die Schwelle zum 21.Jahrhundert schon so lange überschritten, dass wir eingestehen müssen: Diese Notwendigkeit besteht nicht mehr.

Warum also die EM auf ein Land beschränken, wenn man die Möglichkeit hat, in den stimmungsvollsten und schönsten Stadien zu spielen? Ist ein Spiel in Hannover wirklich sehenswerter als eines in London? Ist Gelsenkirchen so hübsch, dass Fans dort lieber hinfahren als nach Barcelona? Soll Berlin wirklich außen vor bleiben, damit der Fokus auf der Industriestadt Newcastle liegt? Wenn sich die Besten eines Kontinents messen, warum sollte man ihnen dann nicht die beste Bühne bieten?

Zu guter Letzt müssen wir uns darüber hinaus im Klaren sein, dass wir schon längst nicht mehr nur Deutsche, sondern Europäer sind. Wir haben die Möglichkeit, mit einer gemeinsamen Währung problemlos die meisten Landesgrenzen auf unserem Kontinent zu passieren. Wir haben die Chance, näher zusammenzurücken, ohne unsere kulturelle Identität dabei aufgeben zu müssen. Europäische Staaten haben seit mittlerweile 67 Jahren keine Kriege mehr untereinander geführt, wir leben in der längsten Zeit des Friedens, die es auf unserem Kontinent je gab. Die EU wurde als Träger des Friedensnobelpreises bestimmt. Die EM in mehreren Ländern auszutragen, ist auch ein politisches Zeichen. Das durchaus wichtig und positiv sein kann, in Zeiten, in denen wir wieder beginnen, auseinander zu driften.

 

 

 

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