Der Rückpass: VfB Stuttgart 2006/2007 (Teil 1)

25. Januar 2012Felix> Bundesliga, Der Rückpass

Willkommen zum doppel-sechs Rückpass! In dieser Kolumne dürfen manche in Erinnerung schwelgen und andere eine kleine Geschichtsstunde erfahren. Im Rückpass beschäftigen wir uns mit besonderen Teams der Vergangenheit: Wie konnte aus einem mittelmäßigen Verein ein UEFA-Cup Sieger und einem Aufsteiger der deutsche Meister werden? Im Rückpass stellen wir uns diesen Fragen.

In der heutigen Ausgabe widmen wir uns dem Team des VfB Stuttgart aus der Saison 2006/2007 – Eine Mannschaft mit scheinbar durchschnittlichen Spieler, ergänzt durch unerfahrene Talente wie Gomez, Tasci und Khedira, holte in dieser Saison die Meisterschale ins Schwabenland.

Junge Wilde und Alte Zahme

Am letzten Spieltag der Saison 2002/2003 sorgte der VfB Stuttgart für eine große Überraschung: Die junge Mannschaft von Felix Magath zog überraschend an Borussia Dortmund vorbei und sicherte sich dadurch die Vizemeisterschaft und die direkte Qualifikation für die Championsleague. Mit einer Mannschaft, bestehend aus Routiniers (Soldo und Balakov) und jungen Talenten aus den eigenen Reihen (Hildebrand, Hinkel, Hleb, Amanatidis, Kuranyi), gelang dem VfB eine sensationelle Saison. In den Folgejahren kam jedoch der Niedergang: Der Wechsel von Trainer Magath zu den Bayern im Jahr 2004 konnte nicht verkraftet werden, die jungen und ehrgeizigen Spieler verließen den VfB und wurden durch Profis zweifelhaften Charakters ersetzt. So kamen mit Jon Dahl Tomasson, Danijel Ljuboja oder Hakan Yakin Spieler nach Stuttgart, die als schwierig galten und ihren fußballerischen Zenit bereits überschritten hatten. Der Abstieg der Stuttgarter nahm damit seinen Lauf.

Somit war der VfB zu Beginn der Saison 2006/2007 bereits wieder im Mittelfeld der Fußballbundesliga angekommen. Trainer Armin Veh, bei seiner Verpflichtung als Nachfolger von Giovanni Trappatoni bereits als „Notlösung“ angekündigt, war nach wie vor im Amt und die Aussichten sahen trübe aus: Der VfB Stuttgart konnte keine namhaften Neuzugänge vermelden. Es sollte an Spielern wie Mathieu Delpierre, Thomas Hitzlsperger oder Cacau liegen, die Schwaben in den Europapokal zu führen. Zwar kein schlechtes Personal, aber auch keine Spieler, die bisher der Durchschnittlichkeit entkommen konnten.

Die Neuzugänge

Zwar konnte der VfB keinen echten Kracher verpflichten, dennoch wurde die Mannschaft für insgesamt 14 Millionen Euro vor der Saison verstärkt. Diese waren relativ gleich auf die verpflichteten Spieler verteilt, von denen jedoch keiner Begeisterungsstürme auslösen konnte. Für die Defensive verpflichtete der VfB zwei Mexikaner: Pavel Pardo und Ricardo Osorio fielen bei dem Auftritt der Nationalmannschaft bei der WM in Deutschland positiv auf und bleiben direkt im Land. Allen voran Pardo sollte zu einer wichtigen Stütze der Mannschaft werden.

In der Offensive wurde der zuvor ausgeliehene Danijel Ljuboja fest von Paris St.-Germain verpflichtet – und umgehend an den HSV ausgeliehen. Ljuboja bestritt in dieser Spielzeit kein einziges Spiel für den VfB. Auch der zweite Neue aus dem Ausland konnte die Erwartung nicht ganz erfüllen: Alexander Farnerud kam im Doppelpack mit dem Ivorer Artur Boka vom französischen Erstligaabsteiger Racing Straßburg nach Stuttgart. Boka spielte zumindest in der Hinrunde auf der Position des linken Verteidigers, Farnerud kam nur selten über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus.

Wesentlich besser traf es der VfB bei den Zugängen aus Deutschland an. Mit Antonio da Silva wurde von Mainz 05 ein zuverlässiger, wenn auch unspektakulärer Spielmacher verpflichtet. Die größte Verstärkung kam jedoch aus der zweiten Liga: Von der SpVgg. Greuther Fürth wechselte Roberto Hilbert zu den Schwaben. Der Bundesliganeuling setzte sich sofort durch und absolvierte bei den Schwaben alle 34 Saisonspiele, meistens auf der Position im rechten Mittelfeld.

Die neue Raute – ein Gruß von Jogi

Die 2003 von Trainer Thomas Schaaf in den deutschen Fußball gebrachte Grundformation der Raute blieb fester Bestandteil im taktischen Repertoire der Bundesliga und wurde nur wenig weiterentwickelt – bis zur Weltmeisterschaft 2006, als Joachim Löw und Michael Ballack das Spielsystem überarbeiteten. Mit Hilfe der „neuen Raute“, die das Spielfeld in der Mitte enger machte und das Offensivspiel über die Flügel stärker betonte siegten sich die Stuttgarter durch die Bundesligasaison 2006/2007. Entscheidend hierfür war die Rückkehr zu zwei klassischen Flügelspielern und einem wesentlich defensiver agierendem Spielmacher, der sich häufig sogar hinter die Flügelspieler fallen ließ. Je nach Spielsituation wurde aus der Raute dann eine „flache Vier“, bei der die zentralen Mittelfeldspieler nicht hintereinander, sondern auf einer Linie agieren.

Im Tor stand dabei der letzte Verbliebene der „jungen Wilden“ von 2003: Timo Hildebrand. Dieser spielte zugleich seine beste und letzte Spielzeit im großen Rampenlicht, bevor er am Ende der Saison zum FC Valencia wechselte. Vor ihm bildeten im Idealfall Fernando Meira und Mathieu Delpierre die Innenverteidigung. Doch besonders der Portugiese Meira war recht häufig verletzt und so kam Nachwuchsspieler Serdar Tasci auf 26 Einsätze in dieser Saison. Auf der Position des rechten Außenverteidigers konnte sich Neuzugang Osorio etablieren, auf der gegenüberliegenden Seite war zunächst Artur Boka Stammspieler, in der Rückrunde befand sich jedoch der Schweizer Ludovic Magnin in bestechender Form und verdrängte Boka aus dem Team.

Die Position vor der Abwehr von Pavel Pardo bekleidet. Dieser spielte eine großartige Saison und war sowohl in der Defensive als auch im Spielaufbau ein wichtiger Spieler für die Schwaben. Da er nicht besonders groß, aber technisch extrem stark war wurde er zugleich zum Eckballschützen des VfB und kam unter anderem so auf 9 Torvorlagen in dieser Spielzeit. Vor ihm agierte zunächst Alessandro da Silva, im späteren Saisonverlauf der erst 19-Jährige Sami Khedira als defensiv ausgerichteter Spielmacher. Auf der rechten Seite spielte der bereits erwähnte Hilbert, auf der linken Seite sicherte Thomas Hitzlsperger defensiv die Mannschaft und sorgte Offensiv durch seinen mächtigen Schuss für einige Gefahr.

Das Sturmduo bildeten Cacau, der häufiger als zurückhängende Spitze agierte, und der Nachwuchsstürmer Mario Gomez im Zentrum, der in der Vorsaison von Giovanni Trappatoni in die erste Mannschaft geholt wurde. Durch den längeren Ausfall von Gomez in der Rückrunde begünstigt durfte auch der Schweizer Marco Streller, mit 1,95 m unbeweglich aber kopfballstark, mehr als 20 Spiele in dieser Saison absolvieren.

Im Gegensatz zu den in dieser Kolumne bisher vorgestellten Mannschaften unterscheidet sich die Meistersaison der Stuttgarter in einem Punkt ganz entscheidend: Die Stuttgarter mussten in diesem Jahr die langfristigen Ausfälle von zwei Stammspielern verkraften und holten dennoch den Titel.

Der Katastrophenstart: 8 Gegentore in 3 Spielen.

Aus den ersten drei Spielen der Saison konnte der VfB Stuttgart lediglich 3 Punkte einfahren. Einem 3:2-Sieg bei Arminia Bielefeld standen zwei deutliche Heimniederlagen gegen Nürnberg (0:3) und Dortmund (1:3) gegenüber. Diese hatten jedoch eine reinigende Wirkung auf den Kader. So machte bei der Auftaktpleite gegen den Club Markus Babbel sein letztes Bundesligaspiel von Beginn an, zu offensichtlich waren die Schwächen des Europameisters von 1996 in puncto Gedanken- und Handlungsschnelligkeit. Nach dem Sieg gegen Bielefeld flog Altstar John Dal Tomasson (immerhin zweifacher Championsleaguesieger mit dem AC Mailand) aus der Mannschaft – und damit die letzte Transfersünde der Vergangenheit. Der Däne wechselte in der Winterpause nach Spanien.

Zwar stand der VfB nach den ersten drei Spielen nur auf Rang 15 der Tabelle, aber das Fundament für eine bessere Zukunft war gelegt. Zwar kostete der folgende Pokalsieg bei Alemannia Aachen II noch mehr Mühe als gedacht, aber schon am nächsten Spieltag gab es einen unerwarteten Erfolg: Im Weserstadion trat man gegen Werder Bremen mit seinem neuen Mittelfeldregisseur Diego an, der die Liga in den ersten Spielen bereits verzückte. Der VfB geriet durch ein Eigentor von Hilbert rasch in Rückstand und Mohamed Zidan erhöhte sogar auf 2:0. Eine Klatsche für den VfB bahnte sich an. Doch Roberto Hilbert machte seinen Fehler wieder gut und verkürzte noch vor der Pause auf 1:2. Mario Gomez und Pavel Pardo sorgten in der zweiten Hälfte für den Sieg des VfB, der damit seine Fähigkeit unter Beweis stellte, Spitzenteams besiegen zu können. Bis zum 13.Spieltag sollte das Team von Amin Veh ohne Niederlage bleiben.

Zwar gab es zwischen dem 5. und dem 8.Spieltag zunächst drei Unentschieden und nur einen Sieg (immerhin den ersten Heimsieg der Saison, ein 3:0 gegen Bayer Leverkusen), aber danach kam der VfB richtig in Fahrt: Dem 4:2 Erfolg im DFB-Pokal gegen den SV Babelsberg folgten in der Bundesliga 4 Siege in Folge, unter anderem ein berauschendes 4:2 in Aachen, bei dem Marco Streller einen Doppelpack erzielen konnte. Nachdem am 12.Spieltag trotz eines frühen Rückstands das Spiel in Hannover noch mit 2:1 gewonnen werden konnte, standen die Schwaben erstmals in der Saison auf dem ersten Tabellenplatz. Und das nächste Spiel sollte die auswärts noch ungeschlagenen Spitzenreiter zum kriselnden FC Bayern führen, der unter Führung Felix Magaths nur auf Platz 4 der Tabelle stand.

Hier geht es zu Teil 2

1 comment zu “Der Rückpass: VfB Stuttgart 2006/2007 (Teil 1)”

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