Der Rückpass: Werder Bremen 2003/2004 (Teil 2)

26. Oktober 2011Felix> Bundesliga, Der Rückpass

Willkommen zum doppel-sechs Rückpass! In dieser Kolumne dürfen manche in Erinnerung schwelgen und andere eine kleine Geschichtsstunde erfahren: Im Rückpass beschäftigen wir uns mit besonderen Teams der Vergangenheit: Wie konnte aus einem mittelmäßigen Verein ein UEFA-Cup Sieger und einem Aufsteiger der deutsche Meister werden? In dieser Kolumne erklären wir die erfolgreichsten Bundesligateams vergangener Saisons und geben euch eine Chance, die aufregendsten Spielzeiten eurer und anderer Mannschaften noch einmal mit zu erleben!

 

In der heutigen Ausgabe widmen wir uns dem Team von Werder Bremen aus der Saison 2003/2004 – Die Werderaner gewannen in dieser Spielzeit die Meisterschaft und den Pokal  und stellten den gefährlichsten Torschützenkönig des letzten Jahrzehnts. Hier geht’s zu Teil 1.

Die Diva von der Weser – trotz großem Vorsprung kein Favorit

Werder Bremen galt nicht unbedingt als Favorit auf die Meisterschaft. In der Hinrunde konnten zwar 39 Punkte gesammelt werden (Bayer, Bayern und Stuttgart als Verfolger hatten je 35), dennoch war die Erinnerung an die wechselhaften Vorstellungen der Bremer zwischen Hin- und Rückrunde noch frisch: Nicht wenige erwarteten einen Einbruch der Mannschaft in der zweiten Halbserie. Das erste Heimspiel der Rückrunde gegen Hertha BSC – mit ihrem neuen Trainer Hans Meyer – sollte zum Prüfstein werden.

Erneut gab es für die Berliner reichlich Gegentore: Micoud, Valdez und zwei Mal Ailton sorgten für einen guten Rückrundenstart des Herbstmeisters. Anschließend sollte es zu einem Fußballkrimi kommen, den man so schnell nicht vergessen wird: Im Viertelfinale des DFB-Pokals musste man Auswärts bei der SpVgg Greuther Fürth antreten. Der Zweitligist führte bereits mit 2:1, als in der 83.Minute Ümit Davala mit Gelb/Rot vom Platz gestellt wurde. In Unterzahl erkämpften sich die Bremer noch einige Chancen, aber erst in der Nachspielzeit gelang Johan Micoud der umjubelte Ausgleich. Die Franken waren daraufhin so geschockt, dass Klasnic noch vor dem Beginn der Verlängerung das 3:2 erzielte und Werder ins Halbfinale bringen konnte.

In der Liga zeigte das Team in den folgenden Wochen neue Qualitäten: 13 Punkte wurden aus den folgenden fünf Spielen gesammelt, und Andreas Reinke musste in dieser Zeit nur ein Gegentor hinnehmen. Am 24.Spieltag kam der 1.FC Köln ins Weserstadion und lag zur Pause bereits mit 0:3 hinten, doch am Ende waren die Bremer über den Abpfiff extrem froh, denn die Spieler aus der Domstadt kamen auf 3:2 heran und zeigten sich als ebenbürtiger Gegner. Nach dem 24. Spieltag hatte Werder die Tabellenführung, 9 Punkte Vorsprung und nur noch einen Verfolger: Bayern München.

Vorher stand noch das DFB-Pokal Halbfinale an: Der VfB Lübeck mit Trainer Dieter Hecking kam ins Weserstadion. Was ein Spaziergang gegen einen abstiegsbedrohten Zweitligisten werden sollte, stellte sich wiederholt als Zitterpartie heraus: Lübeck ging zwei Mal in Führung (ein mal in der regulären Spielzeit, einmal in der Verlängerung), aber Werder konnte durch einen blitzschnellen Doppelschlag von Ailton und Valdez in der zweiten Hälfte der Verlängerung den Finaleinzug klarmachen.

 

 

 

 

Mehr als 20 Spiele ohne Niederlage

In den folgenden Spielen machte Werder eine kleine Krise durch: Bis zum 30.Spieltag sollten nur noch zwei Siege folgen. Davon war einer ein extrem glückliches 1:0 in Frankfurt, bei dem Ismael einen geschenkten Elfmeter zum Sieg verwandelte. Am 30.Spieltag gastierte Werder Bremen beim VfL Bochum, der von Trainer Peter Neururer zu einem ernsthaften Kandidaten für die Europapokalplätze geformt worden war. Mit einigem Glück konnten die Werderaner ein 0:0 aus dem Ruhrstadion entführen. Der Vorsprung war auf 6 Punkte geschmolzen, aber Werder hatte seit dem 9.Spieltag kein Spiel mehr verloren.

Am 31.Spieltag war wieder Derbyzeit in Bremen, doch wer dachte, die Spieler des HSV würden sich zerreißen um den Bremern in die Meisterschaftssuppe zu spucken, irrte sich gewaltig: Der 6:0-Erfolg über den Rivalen bedeutete den höchsten Saisonsieg.  Danach sollte es nach München gehen, und eine Niederlage dort hätte die Bayern wieder auf 3 Punkte an Bremen herangeführt – doch am Ende des Tages gab es nur Gratulationen für die Bremer. Mit 3:1 gewann das Team von Thomas Schaaf im Olympiastadion und konnte sich so vorzeitig die Meisterschaft sichern. Es war Oliver Kahn, der mit einem kapitalen Schnitzer Klasnic das 1:0 auflegte und nervöse Bremer beruhigte. Die Bayern waren in der Folge so geschockt, dass sie bereits zur Halbzeit 0:3 hinten lagen. Ailton wurde mit 28 Toren Torschützenkönig der Bundesliga.

Es folgte das DFB-Pokalfinale gegen Alemannia Aachen. Das Team von Jörg Berger spielte zwar auch in der zweiten Liga, hatte aber Bayern München aus dem Wettbewerb geworfen. Und Werder hatte sich bereits gegen andere Zweitligisten schwer getan.  Doch diesmal ließen die Bremer nichts anbrennen. Borowski und Klasnic brachten Werder bereits vor der Pause mit 2:0 in Front. Das zweite Tor von Borowski in der Endphase des Spiels zum 3:1 gegen dezimierte Aachener machte alles klar, obwohl die Alemannia noch einmal auf 3:2 herankam, blieb das Bremer Double ungefährdet.

 

Grundstein für weitere fette Jahre

Die Konstanz und der Erfolg dieser Saison legte den Grundstein dafür, dass Werder Bremen seitdem bis 2011 jedes Jahr international vertreten war und große Stars wie Torsten Frings, Miroslav Klose oder Diego an die Weser locken konnte. Auch Trainer Thomas Schaaf gilt spätestens seit diesem Jahr als unantastbar und unkündbar. Das gleiche gilt für Manager Klaus Allofs, dem es in diesem goldenen Jahr gelang, ausschließlich Spieler zu verpflichten, die direkt zu Leistungsträgern wurden. Diese Spielzeit ist mit Sicherheit ein Wendepunkt in der jüngeren Geschichte des SV Werder Bremen.

 

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