Der vergessene Gruppensieger

5. Dezember 2012Felix> Bundesliga

Die Vorrunde der Champions League ist abgeschlossen, mit einem überraschend guten Abschneiden der deutschen Vereine. Wir lassen die Gruppenspiele der Bundesligavertreter nochmal Revue passieren und beginnen heute mit Schalke 04, die den Sieg in der Gruppe B erringen konnten. Die Leistungen der Schalker wurden zu häufig durch die parallel spielenden Dortmunder in den Schatten gestellt – nicht ganz zurecht.

Als einer von drei deutschen Vereinen erreichte Schalke 04 das Achtelfinale der Champions League. Nach 6 Vorrundenspielen setzten sich die Königsblauen in einer Gruppe durch, die in ähnlicher Konstellation vor Jahresfrist noch das endgültige Aus für den deutschen Meister Borussia Dortmund bedeutete. Olympiakos Piräus, Arsenal London und der französische Meister (in diesem Fall Montpellier statt Marseille) stellten für die Mannschaft von Trainer Huub Stevens keine unüberwindbare Hürden dar.

Obwohl mit reichlich Bedenken ob der Heimstärke der Gegners angereist, sollte das erste Auswärtsspiel in der Gruppe gewonnen werden. Beim 2:1 Erfolg der Königsblauen in Piräus konnten sich die Schalker sogar den Luxus eines von Klaas-Jan Huntelaar verschossenen Elfmeters erlauben. Mit den 3 Punkten im Rücken konnte man der nächsten Aufgabe gelassen entgegensehen: Das Heimspiel gegen den HSC Montpellier stand als nächstes auf dem Programm. Die Franzosen sind absolute Neulinge auf der größten Bühne des europäischen Vereinsfußballs und kamen als krasser Außenseiter nach Gelsenkirchen.

Die Schalker dominierten das Spiel, erarbeiteten sich einige Chancen und lagen dennoch plötzlich mit 0:1 zurück. Julian Draxler konnte diesen Schönheitsfehler allerdings noch vor der Pause korrigieren. In der zweiten Halbzeit ging Schalke erwartungsgemäß mit 2:1 und Führung und hatte nach einem Platzverweis die Gelegenheit, das Spiel gegen 10 Gegner nach Hause zu bringen. Dennoch gelang den Gästen kurz vor Schluss der Ausgleich zum 2:2. Ernüchterung machte sich breit, der Optimismus nach dem Auftakterfolg war verflogen. Schließlich standen nun 2 Spiele gegen den stärksten Gruppengegner FC Arsenal an.

Die Skepsis war unberechtigt: In der aus Schalker Sicht besten Woche der Hinrunde gewann das Team von Huub Stevens in London sensationell mit 2:1. Das war, nach dem Erfolg im Derby gegen Borussia Dortmund nur wenige Tage zuvor, der zweite überraschende Prestigeerfolg binnen weniger Tage. Damit war auch die Stimmung für das kommende Heimspiel klar, denn wer es schafft, in London zu gewinnen, für den sollte ein Heimerfolg gegen den gleichen Gegner wohl kein zu großes Hindernis darstellen.

Wie groß jedoch der Unterschied sein kann, den internationale Routine ausmacht, mussten die Schalker im Heimspiel gegen Arsenal London schnell und bitter erfahren. Nach einem Schnitzer des zuvor extrem starken, aber unerfahrenen Roman Neustädter gingen die Briten mit 1:0 in Führung und konnten rasch das zweite Tor nachlegen. Doch die Truppe in Königsblau zeigte in diesem Spiel ihr großes Selbstbewusstsein. Unbeeindruckt durch den Vorsprung des als stärker eingeschätzten Gegners setzten die Spieler ihre offensive Marschrichtung fort und kamen tatsächlich zum Ausgleich. In der Schlussphase hatten beide Mannschaften die Chance zu gewinnen, mussten sich aber mit einem Punkt begnügen.

Schalke hatte damit 8 Punkte aus 4 Spielen gesammelt und das Heimspiel gegen Piräus vor der Brust, das unter denkbar schlechten Vorzeichen stand. Die Schalker schlitterten in der Liga langsam in eine Krise, das Offensivspiel erlahmte zusehends durch mangelndes Tempo und Laufbereitschaft der Schlüsselspieler Farfan und Holtby. Zudem konnte keines der beiden Heimspiele in der Champions League gewonnen werden. Doch dank eines Distanzschusses von Christian Fuchs und dem unglücklichen Abwehrversuch des nordirischen Torwarts der Griechen, der stark begann und immer weiter abbaute, gelang der erste Sieg in der Arena und die Qualifikation für das Achtelfinale.

Das letzt Spiel in Montpellier hatte nur noch kosmetischen Wert: In der Bundesliga war das Team in die größte Krise seit Saisonbeginn geschlittert, wichtige Stützen der Mannschaft wirkten überspielt. Deshalb schonte Trainer Stevens einige Stammspieler beim Gastspiel an der Mittelmeerküste, was immer noch zu einem 1:1 reichen sollte. Das Ergebnis wurde deutlich besser angesichts der Tatsache, dass Piräus zeitgleich gegen London gewinnen konnte und die Schalker somit den Gruppensieg als Geschenk aus Griechenland bekamen.

Damit stehen die Schalker zum dritten Mal in der KO-Runde der Champions League. Das ist jedoch kein gutes Omen für Trainer Huub Stevens. Immer, wenn die Schalker im größten europäischen Wettbewerb vertreten waren, gab es in der folgenden Saison einen neuen Coach. 01/02 wechselte Stevens nach der Saison zu Hertha BSC, 05/06 wurde Ralf Rangnick während der Saison entlassen. Auch der Einzug ins Achtelfinale rettete keinen Coach. Sowohl Mirko Slomka (07/08) als auch Felix Magath (10/11) wurden, trotz der Erfolge im internationalen Geschäft, noch vor Saisonende beurlaubt. Trotzdem wird sich der Niederländer auf die kommenden Begegnungen freuen: Denn ein Champions League Achtelfinale erlebt der Trainer, trotz seiner 59 Jahre, zum ersten Mal.

 

Schlechte Vorzeichen: Wenn Schalke in der Champions League spielte, überstand kein Trainer die Saison.

 

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