Die Ampel: Sorgfältig geplantes Mittelmaß

17. August 2011Felix> Bundesliga, | Die Ampel

Nach jedem Spiel bedient ein Autor von doppel-sechs.de die Bundesligaampel. Wir fassen die Ereignisse der letzten Wochen, insbesondere des letzten Spieltags zusammen und zeigen, ob unserer Meinung nach die Fahrt für den Verein in dieser Form weiter gehen kann (grün), ob es bedenklich ist (gelb) oder der Verein Probleme hat und den Motor lieber nochmal neu starten sollte (rot). Viel Spaß beim Lesen!

1899 Hoffenheim: Seit Dietmar Hopp im letzten Winter endgültig beschlossen hat, „seinen“ Verein in eine graue Maus zu verwandeln, läuft dieses Projekt erstklassig. Aber jede graue Maus braucht einen Farbtupfer: Für die Hoffenheimer sind dies die Heimsiege gegen Borussia Dortmund. Wie im letzten Jahr fährt der Meister ohne Punkte aus Sinsheim nach Hause, was dem neuen Trainerteam Trulsen/Stanislawski positive Resonanz beschert. Da machen wir mit und schalten die Ampel auf GRÜN.

1.FC Kaiserslautern: Eine 0:2 Niederlage in Bremen und ein 1:1 zu Hause gegen Augsburg stehen nach 2 Spieltagen auf der Habenseite beim FCK. Das ist sehr wenig, dennoch macht die Leistung gegen den FC Augsburg Mut, denn die Spieler stemmten sich lange gegen die drohende Niederlage und wurden mit dem späten Ausgleich belohnt. Nächste Woche spielen die Pfälzer beim 1.FC Köln, der sich in den ersten Spielen als durchaus schlagbar präsentierte. Deshalb leuchtet die Ampel GELB.

1.FC Köln: Im Zusammenhang mit dem FC wird häufig darauf verwiesen, wie viel Trainer Solbakken davon hält, zwei Viererketten kompakt zu verschieben. Dies funktionierte gegen den VfL Wolfsburg selten und gegen Schalke zumindest eine Halbzeit lang: Das Gegentor in den ersten 45 Minuten fiel durch einen Elfmeter. In der zweiten Hälfte brachen die Kölner völlig ein: Die Lücken zwischen Mittelfeld und Abwehr waren bis zu 30 Meter groß, die Schalker wurden vor ihren Toren teilweise gar nicht attackiert. Wie schon in der Vorwoche müssen wir uns fragen, ob das Problem in der mangelnden Einsatzbereitschaft oder im fehlenden taktischen Verständnis der Spieler liegt. Das Ergebnis aber spricht eine klare Sprache: Letzter Platz, die meisten Gegentore und als einziges Team noch ohne Punkt. ROT, oder?!

1.FC Nürnberg: Der FCN lag gegen Hannover schnell 0:2 und tat sich schwer zurück ins Spiel zu kommen. Philipp Wollscheid scheint noch Schwierigkeiten zu haben, in seinem Spiel das Niveau des Vorjahres zu bestätigen und sah bei einigen Hannoveraner Angriffen eher unglücklich aus. Nach der letzten Saison muss man Hannover jedoch als Spitzenteam ansehen, und der Club gewann sein erstes Saisonspiel in Berlin. Deshalb ist die Niederlage kein Beinbruch, die Ampel steht auf GELB.

Bayern München: Die Bayern haben nun endlich wieder ein Bollwerk in der eigenen Abwehr und spielten in Wolfsburg relativ frei von Problemen zu Null. Das Offensivspiel, in der vergangen Saison für 80 Tore gut, lahmt jedoch gewaltig: Die brachiale Gewalt eines Defensivspielers brachten den Münchnern drei Punkte. Ist der Glanz von Robben und Ribery vorrüber? Liegt es daran, dass die Bayern mehr mit langen Bällen operieren oder die Gegner es verstanden haben, die Flügelspieler der Bayern doppelt zu decken? Die Zukunft wird uns die Antworten geben. Die Gegenwart ist in GELB getaucht.

Bayer Leverkusen: Das 1:0 gegen Bremen dürfte die Gemüter etwas beruhigen. Dennoch bleibt an den drei gewonnen Punkten der fade Beigeschmack des wackligen Saisonstarts hängen. Immerhin durfte Michael Ballack von Beginn an auflaufen, was mehr Ball- und Passsicherheit bei der Werkself zur Folge hatte. Die Leverkusener zeigten eine ansprechende Leistung, die spät aber verdient mit drei Punkten belohnt wurde. Der Alarm wird abgestellt, die Ampel leuchtet GELB.

Borussia Dortmund: Vielleicht hat es was mit Karma zu tun, dass der BVB gegen den Verein, dessen Vorsitzenden die Dortmunder Fans ligaweit am heftigsten beschimpfen, einfach nicht gewinnen kann. Soll jeder selbst entscheiden. Vielleicht hat es was mit Müdigkeit zu tun, dass Mario Götze und Shinji Kagawa, in den vergangen Wochen in überragender Form, an diesem Wochenende nicht glänzen konnten, wie sie es noch gegen des HSV taten. Dürfte der Realität entsprechen. Vielleicht ist dies der Beginn, einer langen, ermüdenden Krise des BVB, an deren Ende zum zweiten Mal in der Geschichte der Bundesliga der Abstieg eines amtierenden Meisters steht. Wahrscheinlich eher nicht. GRÜN.

Borussia Mönchengladbach: Der gute Eindruck des 1.Spieltags konnte von der Mannschaft problemlos bestätigt werden. Beim 1:1 gegen Stuttgart sahen wir keine Gladbacher Elf, die euphorisch in ihr Verderben rannte, sondern sich auf den Fußball konzentrierte, den sie spielen kann. Im Hinblick auf die Einschätzung der Vorwoche scheint es nun völlig gerechtfertigt, die Ampel auf GRÜN zu schalten.

FC Augsburg: Dem Unentschieden gegen Freiburg folgte nun ein Punkt in Kaiserslautern, für den die Mannschaft den frühen Vorsprung durch Sascha Mölders lange verteidigte und nach dem Ausgleich sogar noch einen Pfostentreffer verzeichnen konnte. Der Einsatzwille der Augsburger ist bemerkenswert, allein die Punkteausbeute wird dem betriebenem Aufwand noch nicht gerecht. Deshalb steht die Ampel auf GELB.

FSV Mainz 05: Mainz 05 ist Tabellenführer. Es kann wohl wenig Widerspruch geben: GRÜN.

Hannover 96: Unglaublich, aber vor ein paar Minuten habe ich Hannover 96 ein Spitzenteam genannt. Zwei 2:1 Siege gegen Nürnberg und Hoffenheim sind zwar nicht dazu angetan, groß Euphorie auszulösen, dennoch beeindruckt es, mit welcher Souveränität und Humorlosigkeit die Niedersachsen diese 6 Punkte eingefahren haben. Das macht sogar Mut im Hinblick auf das Europapokalspiel gegen den FC Sevilla. Die Ampel steht auf GRÜN.

Hamburger SV: Man kann durchaus beim deutschen Meister mit 1:3 verlieren. Im folgenden Heimspiel gegen einen Aufsteiger sollte dann jedoch mehr herausspringen als ein äußerst glückliches 2:2. Die Hamburger Defensive wirkte im Heimspiel gegen Berlin desorientiert und hätte dafür auch mit mehr als zwei Gegentoren bestraft werden können. Im Spiel nach vorne gelang es den Hamburgern bisher noch nicht, ein Tor aus dem Spiel heraus zu erzielen: Gegen Dortmund und Hertha trafen je ein Spieler nach Standardsituationen, das 2:1 von Son am vergangenen Samstag entstand aus einem groben Fehlpass der Hertha Abwehr. Im nächsten Spiel geht es nach München, wo sicherlich auch keine 3 Punkte eingefahren werden. Die Ampel leuchtet ROT.

Hertha BSC: Nach dem 0:1 gegen Nürnberg im Auftaktspiel, in der die Berliner extrem nervös agierten, folgte ein nun ein starker Auftritt beim Hamburger SV, der auch mit einem Sieg hätte belohnt werden können. Allein die Defensive der Berliner macht etwas Sorgen, zumal Torhüter Kraft immer noch seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis stellen muss. Dennoch gibt die Leistung des Teams keinen Anlass zu größerer Sorge. GELB

SC Freiburg: Die Breisgauer holten aus den Spielen gegen Augsburg und Mainz nur einen Punkt. Eine bescheidene Bilanz, zählen die bisherigen Gegner doch wahrlich nicht zu den Größen der Liga. Dennoch ist es sicherlich zu früh, um den SC zu einem Abstiegskandidaten zu erklären. Sollte Cisse den Verein nicht verlassen, könnte allein seine Klasse ausreichen um genügend Punkte zu sammeln. Die Ampel steht auf GELB.

Schalke 04: Dem 0:3 in Stuttgart ließen die Schalker ein Feuerwerk im Heimspiel gegen den 1.FC Köln folgen. Die Tatsache, dass Jermaine Jones und Alexander Baumjohann nicht im Kader standen, sollte im Hinblick auf die Kolumne der Vorwoche erwähnt werden. Fraglich bleibt, wie viel der Triumph über die Leistungsstärke der Schalker aussagt; blieben die Kölner in der zweiten Hälfte so passiv, dass ballführende Spieler im Schritttempo durch das Mittelfeld spazieren konnten. Hinzu kommt die von den Medien hineingetragene Unruhe um Raul, der niemals eine Absicht geäußert hat, wechseln zu wollen. Also bleibt die Ampel GELB.

VfB Stuttgart: Ein Auswärtspunkt reicht  durchaus, wenn das erste Heimspiel mit 3:0 gewonnen wurde: Die Stuttgarter bleiben in der Tabelle komfortabel platziert, darüber hinaus scheint das umgebaute Stadion die Spieler zu Höchstleistungen zu motivieren. Bleibt Cacau in der angedeuteten Topform, können sich die Fans des VfB noch ein paar witzige Wochen freuen. Deshalb schimmert die Ampel natürlich GRÜN.

VfL Wolfsburg: Eine 0:1 Heimpleite in der Nachspielzeit gegen den FC Bayern ist mit Sicherheit kein Beinbruch und die neuformierte Mannschaft der Wölfe bleibt so eindrucksvoll wie schon in der Vorwoche beschrieben. Einzig Keeper Benaglio muss wohl unterstellt werden, nie mehr die Form der Meistersaison erreichen zu können. Dennoch überwiegen positive Eindrücke, deshalb bleibt die Ampel auf GRÜN stehen.

Werder Bremen: Dem Heimsieg gegen Kaiserslautern folgte nun schnell wieder die Ernüchterung: Werder Bremen blieb in Leverkusen fast chancenlos und kann sich bei einem sehr guten Tim Wiese bedanken, dass der Führungstreffer für die Bayer-Elf erst in der Schlussphase fiel. Es scheint, als würde ein Stammplatz in der Bundesliga für Stürmer Florian Thy zu früh kommen, seiner vergebene Chance in der ersten Halbzeit wird er im Fernsehen und Internet sicherlich noch häufiger zu sehen bekommen, als ihm lieb sein dürfte. Die Ampel leuchtet GELB für die Bremer.

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