Die Ampel: Als Kevin den HSV anzündete

24. Januar 2012Felix> Bundesliga, | Die Ampel

Nach jedem Spieltag bedient ein Autor von doppel-sechs.de die Bundesligaampel. Wir fassen die Ereignisse der letzten Wochen, insbesondere des letzten Spieltags zusammen und zeigen, ob unserer Meinung nach die Fahrt für den Verein in dieser Form weiter gehen kann (grün), ob es bedenklich ist (gelb) oder der Verein Probleme hat und den Motor lieber nochmal neu starten sollte (rot).

1.FC Kaiserslautern: Zum Glück kamen in der Winterpause mit Jörgensen, Swierczok und Wagner drei Stürmer in die Pfalz. Denn zu der Tatsache, dass sich das bisherige Personal als unfähig herausstellte: Es wird diesen Eindruck in den kommenden Wochen kaum korrigieren können. Kouemaha (Verletzung) und Shechter (Rotsperre) fallen noch mindestens 2 Wochen aus, so dass die Neuverpflichtungen ihre Chance haben werden, ihren Wert unter Beweis zu stellen. Vielleicht springt dann sogar mehr heraus, als beim 0:0 gegen Bremen. Vorerst leuchtet die Ampel aber weiter ROT.

1.FC Köln: Sah es vor den letzten Spieltagen der Hinrunde noch so aus, als würde der FC Kontakt zu den Europapokalplätzen herstellen können, ist das Team von Stale Solbakken nach nur 1 Punkt aus den drei folgenden Spielen wieder vorschriftsmäßig im Mittelfeld versunken. Gegen den VfL Wolfsburg verlor man verdient mit 0:1, auch wenn eine Punkteteilung gerecht gewesen wäre. Für den Klub ungewöhnlich bleiben die Kölner bei uns ein Muster an Beständigkeit, seit mehreren Monaten leuchtet die Ampel ununterbrochen GELB.

1.FC Nürnberg: Zwei Siege, Fünf Tore, Kein Gegentor. Das ist die Bilanz des 1.FC Nürnberg aus den letzten beiden Bundesligaspielen. Eine Leistung, mit der sich der Club ein kleines Polster zu den Abstiegsrängen herausspielen konnte. Mit Balitsch und Hlousek verstärken dazu zwei Spieler den Kader, die bereits Bundesligaerfahrung sammeln konnten und somit den ohnehin besten Kader aller Abstiegskandidaten verstärken (ausgenommen ist der HSV, aber der kämpft ja auch um den Einzug ins internationale Geschäft). Einzig das Pokalaus gegen Fürth trübt die Stimmung und färbt das Licht der Ampel GELB.

1899 Hoffenheim: Trotz fortgesetztem personellen Aderlass gelang den Hoffenheimern ein engagierter Start in die Rückrunde. Auch ohne den nach Schalke ausgeliehenen Obasi sowie den gesperrten Compper und Vorsah zeigte das Team von Holger Stanislawski eine solide Vorstellung, obwohl die zwingende Torgefahr letztlich fehlte. Das Duell der grauesten Mäuse der Liga gegen Hannover 96 sprang folgerichtig ein 0:0 heraus. GELB

Bayer Leverkusen: Mit einem 3:2 gegen starke Mainzer bauten die Leverkusener den Abstand auf Hannover 96 auf 5 Punkte aus und sichern damit den Platz für die Europa League Playoffs. Auf der rechten Abwehrseite machte der junge Danny da Costa sein erstes Bundesligaspiel von Beginn an und machte zumindest in der Offensive einen sehr guten Eindruck und leitete das 1:0 ein. Der Rest der Mannschaft ließ sich trotz des raschen Ausgleichs nach der Pause nicht noch weiter verunsichern. Da darf die Ampel auch auf GRÜN bleiben.

Bayern München: Bastian Schweinsteiger feierte nach seiner Schulterverletzung sein Comeback für die Bayern und konnte gleich ein Tor erzielen. Ansonsten bemühten sich die Bayern vergeblich, mit wenig körperlichem Aufwand und nur durch technische Überlegenheit den Ball im Gladbacher Tor unterzubringen. Die Schalker scheiterten bei ihrer Pokalniederlage im vergangenen Dezember mit einer ähnlichen Strategie. Konzentrationsfehler in der Abwehr (und vor allem von Torwart Neuer, der diesmal tatsächlich einen unglaublichen Fehler machte) führten hingegen zu drei Gegentoren. Hinzu kommt der Ausfall von Daniel van Buyten, der eine sehr gute Hinrunde spielte. Auch wenn es insgesamt eher schleppend vorangeht, wir lassen die Ampel vorerst auf GRÜN.

Borussia Dortmund: Nachdem sich die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp zum Jahresausklang auf dem Zahnfleisch in das Viertelfinale des DFB-Pokals gekämpft hatte stand den Profis nach einer strapaziösen Hinrunde endlich eine kleine Pause bevor. In dieser Zeit kehrten wichtige Stammspieler ins Team zurück (Subotic und Bender) und eine neue Spielfreude wurde entwickelt, mit der ein passiver HSV gnadenlos auseinandergenommen wurde. Der BVB hat in der Hansestadt Kurs auf die Titelverteidigung genommen, die Ampel leuchtet deswegen natürlich GRÜN.

Borussia Mönchengladbach: Mit einem überzeugenden 3:1 gegen Schalke 04 im DFB-Pokal verabschiedete sich Mönchengladbach in die Winterpause, mit einem überzeugenden 3:1 gegen Bayern München kommen sie wieder zurück. Dass in der Zwischenzeit mit Marco Reus und Roman Neustädter zwei Leistungsträger ihren Abschied angekündigt haben, kann angesichts dessen schnell in Vergessenheit geraten. Darf es auch. GRÜN

FC Augsburg: Bereits in der Hinrunde hatten wir bemerkt, dass das Team des FC Augsburg sich seit dem Ausfall des Stammkeepers Simon Jentzsch stabilisierte und mehr Punkte einfahren konnte als zuvor. Zwar ist dafür nicht unbedingt die Schuld beim Torwart zu suchen, der vor seinem Ausfall gute Leistungen brachte, aber es fällt trotzdem auf, dass Jentzsch beim Gegentor in Freiburg recht merkwürdig aussah. Angetreten mit dem Ziel, sich durch körperbetontes Spiel einen Punkt zu sichern und mit etwas Glück mehr zu holen, scheiterte die Mission der Augsburger durch den Gegentreffer. Die Schwaben sind wieder Letzter, die Ampel leuchtet wieder ROT.

FSV Mainz 05: Trotz einer sehr starken Leistung nach der Pause konnten die Mainzer keinen Punkt aus Leverkusen entführen. Trotzdem sind die positiven Eindrücke stark: Die Mainzer ließen aus dem Spiel kaum Chancen für den Gegner zu und brachten die Leverkusener nach Tuchels Umstellungen in der Pause in arge Bedrängnis. Eine dieser Umstellungen ist ein weiterer Grund zu Freude: Nach fast einem Jahr Verletzungspause ist Adam Szalai zurück auf den Plätzen der Bundesliga und wird als wuchtiger Stoßstürmer den Mainzern mehr taktische Möglichkeiten geben. Da bleibt die Ampel, trotz  (zu) großer Nähe zu den Abstiegsrängen, erst mal auf GELB.

Hannover 96: Im Gegensatz zu den Ankündigungen und Hoffnungen der Niedersachsen gab es in der Winterpause keine Neuzugänge an der Leine. Stattdessen musste Mirko Slomka in Hoffenheim noch auf die Stammspieler Haggui, Ya Konan, Pinto, Schlaudraff und Schulz verzichten und war so das erste Mal gezwungen von seinem favorisierten 4-4-2 System abzukehren. Moritz Stoppelkamp agierte als Spielmacher hinter der einzigen Spitze Abdellaoue. Dabei sprang ein leistungsgerechtes 0:0 in Hoffenheim heraus. Damit wartet Hannover seit dem 2:1 gegen Bayern München vom 23.10. auf einen Sieg in der Bundesliga. Die Ampel bleibt auf GELB.

Hamburger SV: Über dem Hamburger Volkspark liegt der widerliche Gestank, der entsteht, wenn man künstliche Euphorie anzündet und niederbrennen lässt. Brandstifter ist in diesem Fall ein gewisser Kevin G. aus D., der beobachtet wurde, wie er die Hamburger Freude auf die Rückrunde als erster in Brand steckte. Hauptschuldiger ist jedoch Thorsten F., der die „guten“ Ergebnisse gegen Ende der Hinrunde (1:1 gegen Augsburg, Pokalaus in Stuttgart) dazu nutzte, den „ganz großen Angriff“ anzukündigen und „den Blick nach Europa“ zu richten und damit die leicht entzündliche, künstliche Euphorie ins Stadion brachte. Passend zur Ernüchterung nach der Niederlage, bei der sich die Hamburger widerstandslos ihrem Schicksal ergaben,  schalten wir die Ampel zurück auf GELB.

Hertha BSC:  Mit einer roten Ampel und gegenseitigen Schuldzuweisungen in der Öffentlichkeit gingen die Berliner in die Winterpause. Mit einer Niederlage und einem verunsicherten Auftritt beim 1.FC Nürnberg kommen sie wieder heraus. Das Team hat den bequemen Mittelfeldplatz verspielt und steht nur noch 3 Punkte entfernt vom Relegationsplatz und muss sich noch an einen neuen Trainer gewöhnen. Deshalb leuchtet die Ampel weiter ROT.

SC Freiburg: Letzter Tabellenplatz, Trainerwechsel, Spielerentlassung, Verkauf des besten Spielers der Mannschaft. Es sieht auf den ersten Blick nicht besonders positiv aus, was die Winterpause den Breisgauern bescherte. Und doch starteten die Freiburger mit einem wichtigen 1:0 gegen den größten Konkurrenten im Abstiegskampf aus Augsburg in die Rückrunde. Dabei präsentierte sich das Team extrem ballsicher und defensiv stabilisiert. Trotzdem lassen wir die Ampel vorerst auf ROT.

Schalke 04: Nachdem dem enttäuschenden Jahresabschluss 2011, als Schalke mit einer schwachen Leistung in Mönchengladbach aus dem DFB-Pokal ausschied gewannen die Königsblauen das erste Spiel der Rückrunde gegen Stuttgart mit 3:1. Hier zeigte sich vor allem die Kreativabteilung um Joel Matip und Kyriakos Papadopoulos als Garant für den Sieg, beide Ballzauberer erzielten ein Tor gegen die Schwaben. Durch die Niederlage der Bayern stehen die Schalker mit den 3 Punkten plötzlich wieder im Zentrum des Meisterschaftskampfes. GRÜN

VfB Stuttgart: Bemüht, aber umständlich und erfolglos zeigte sich der VfB beim Gastspiel in der Veltinsarena in Gelsenkirchen. Das 0:1 viel früh im Spiel nach einer Standardsituation, danach konnten nur wenig Chancen herausgespielt werden. Für Trainer Bruno Labbadia dürfte es trotz des gelungenen Einzugs in die nächste Runde des DFB-Pokals bald eng werden, sein Team ist mit nur einem Sieg aus den letzten acht Bundesligaspielen auf Platz 10 der Tabelle abgerutscht. Die Ampel bleibt deshalb ROT.

VfL Wolfsburg: Die von Felix Magath mit 30 Millionen Euro verstärkten Wolfsburger zeigten im Spiel gegen den 1.FC Köln eine engagierte Leistung und wurden mit einem weiteren Heimsieg belohnt. Wie schon gegen Stuttgart am Ende der Hinrunde war wieder Sebastian Polter der Matchwinner für die Wölfe. Vielleicht gelingt endlich eine Aufholjagd auf die oberen Tabellenplätze, wenn die geradezu lächerliche Auswärtsschwäche der Hinrunde abgelegt werden kann. Wir schalten die Ampel um auf GELB.

Werder Bremen: Nach drei heftigen Klatschen auf fremden Plätzen konnte Werder Bremen am vergangen Wochenende ohne Gegentor bleiben, obwohl man nicht einmal genug Spieler im Kader hatte, um die Bank komplett zu besetzen (umso witziger, dass Marko Arnautovic dort 90 Minuten sitzen bleiben musste). Man darf das 0:0 in Kaiserslautern also durchaus als Erfolg für Werder werten. Dennoch gibt es im Kader momentan zu viele Baustellen (Wolf, Prödl, Wesley) als das man mit Recht behaupten könnte, es sei wieder alles in Ordnung. Deshalb bleibt die Ampel auf GELB.

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