Die Ampel: Bedrohte Tierarten

10. Mai 2012Felix> Bundesliga, | Die Ampel

Nach jedem Spieltag bedient ein Autor von doppel-sechs.de die Ampel. Wir fassen die Ereignisse der letzten Wochen, insbesondere des letzten Spieltags zusammen und zeigen, ob unserer Meinung nach die Fahrt für den Verein in dieser Form weiter gehen kann (grün), ob es bedenklich ist (gelb) oder der Verein Probleme hat und den Motor lieber nochmal neu starten sollte (rot).

 

Die Saison ist vorbei und unsere Ampel ist ganz schön heißgelaufen. Wir müssen eine Pause machen, alles mal gründlich durchschrubben und die Glühbirnen auswechseln. Wir präsentieren: Die letzte Ampel zur Saison 11/12 (Teil 2)!

 

 

Borussia Mönchengladbach

Von der Relegation in die Championsleague – Borussia Mönchengladbach ist einen Weg gegangen, von dem Hertha oder Fortuna Düsseldorf nur träumen können. Die Gründe dafür sind vielfältig: Ein überragendes taktisches Konzept und die ungewöhnliche Kombination einer geschlossenen Mannschaftsleistung, in die sich großartige Fußballspieler einfügten und nur bei absoluter Notwendigkeit herausragten. Denn ohne Stürmer Marco Reus oder Torwart ter Stegen wäre Gladbachs Erfolg ebenso unmöglich gewesen wie ohne die taktische Disziplin aller Feldspieler.

Wir unkten unter der Saison oft genug, dass der Kader zu dünn besetzt sei, um dauerhaft oben mitzuspielen. Und diese Prognose sollte sich bewahrheiten: Der erste Ausfall eines Leistungsträgers in der Rückrunde (Patrick Herrmann verletzte sich am 22.Spieltag) ließ eine Negativserie folgen, die den Fohlen die direkte Qualifikation für die Championsleague kostete (von 12 Spielen wurden nur noch 3 gewonnen). Dennoch ist der vierte Platz und das Pokalhalbfinale natürlich Anlass zu grünem Licht!

FC Augsburg

Axel Bellinghausen, Sascha Mölders, Sebastian Langkamp. Allesamt gute Zweitligaspieler, die allerdings auf Bundesliganiveau, da war man sich einig, Nichts verloren hatten. Betreut von einem Trainer, der ebenfalls in der Bundesliga höchstens eine Randnotiz war, auch wenn er in der zweiten Liga gute Arbeit geleistet hatte. Und diese Mischung aus durchschnittlichen Figuren, von denen nur der Torwart in der Bundesliga bereits Stammspieler war, blieb in der Liga.

Die Leistung des FC Augsburg kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der unbedingte Glaube an sich selbst, der die Augsburger davor bewahrte, sich von den Rückschlägen und unglücklichen Niederlagen der Hinrunde demoralisieren zu lassen. Der gute Riecher von Manager Rettig, der in der Winterpause mit Ja-Cheol Koo den wahrscheinlich besten Transfer dieses Fensters tätigte. Die starken Leistungen von Spielern wie Langkamp, Bellinghausen, Hosogai und Oehrl. Das alles lässt den FCA auch nächstes Jahr in der Bundesliga spielen und die Schwabenampel in sattem Grün erstrahlen.

FSV Mainz 05

Immer wieder wurden sie beschworen, die Namen des „magischen Dreiecks“, dass die Mainzer im vergangen Jahr in die Europaleague zauberte. Fuchs, Holtby, Schürrle. Alle hatten den Verein verlassen. Hinzu kam der Kreuzbandriss von Adam Szalai, der ebenfalls in der Hinrunde ausfiel. Und ohne diese Leistungsträger scheiterten die Mainzer in der Qualifikation zur Europaleague vollkommen verdient an Gaz Med Gas Met irgendeinem Verein aus Rumänien.

Ein schlechtes Omen, das die Mainzer als Abstiegskandidat in die Saison starten ließ. Umso erstaunlicher ist es, dass es letztlich nur in der Hinrunde kleine Probleme für den FSV gab. Ansonsten stand das Team sicher im Mittelfeld. Mainz verlor darüber hinaus keines seiner Spiele gegen den FC Bayern, was sonst nur Borussia Dortmund gelang. Und es gab gleich zwei Bundesligarekorde für den FSV zu feiern: Die meisten Tore eines Neuzugangs in aufeinanderfolgenden Spielen (Mohamed Zidans 6 Tore in 6 Spielen) und Nikolce Noveski, der sich an die Spitze der ewigen Eigentorschützenliste setzte (6 Eigentore in der Bundesliga). Eine schöne Bestmarke für einen Karnevalsverein.

 

 

VfL Wolfsburg

Felix Magath hatte gut vorgelegt, doch am Ende machte er einen entscheidenden Fehler: Er  setzte zwischenzeitlich mehrere Spiele auf die gleichen Spieler und diese gewannen vier Spiele in Folge. So endete Magaths Rekordversuch, als erster Trainer seit Einführung der 3-Punkteregel mehr Spieler einzusetzen als Punkte zu sammeln. Letztlich blieb es bei respektablen 36 Spielern, sein Team holte aber 44 Punkte.

Magath probierte eine Menge aus, kaufte viele Spieler mit witzigen Namen aus exotischen Ländern (Mazedonien, Elfenbeinküste, Schweiz) und erreichte damit am Ende fast noch die Europaleague. Ein Urteil über seine Arbeit wird sich erst im nächsten Jahr fällen lassen, wenn der von ihm angekündigte Umbruch vollzogen ist. Doch in dieser Saison brachte Magaths Personalpolitik den VfL häufig an den Rand der Lächerlichkeit. Und wir scheuten uns selten, ihn darüber hinweg zu schubsen. Nach einer Saison im Abstiegskampf ist Rang 8 im Folgejahr jedoch absolut Gelb.

 

 

Hamburger SV

Bedrohte Tierarten I: Der Bundesliga-Dino. Der Bundesliga-Dino ist ein uralter Dickhäuter aus den nördlichen Regionen Deutschlands. Es gilt als schwer zu führen und wurde in den letzten Jahren häufig zwischen Platz 5 und 9 gesichtet. Normalerweise hält er sich fern vom Abstiegssumpf, doch manchmal gerät er zu nah heran und droht zu versinken, ohne selbst Notiz davon zu nehmen.

Die HSV hat ein Übergangsjahr hinter sich. In solchen Spielzeiten ist es normal, dass nicht alles glatt läuft, trotzdem haben wir uns für die rote Farbe entschieden. Weil die offensichtlichen Einstellungsprobleme, die einige Spieler in dieser Spielzeit offenbarten, den HSV fast den Kopf gekostet hätten. Paolo Guerrero steht hier nur exemplarisch an der Spitze eines Teams, das Spiele auch gerne nach dem ersten Gegentor komplett abschenkte. Ein Wunder, dass der Dino nicht im Abstiegssumpf hängen blieb.

Hertha BSC

Bedrohte Tierarten II: Das Dumme-Bären-Maskottchen. Das Dumme-Bären-Maskottchen war früher ein Stürmer seines Vereins und spielte sogar in der Championsleague. Dann wurde der Architekt dieses Erfolgs vom Hof gejagt und das Dumme-Bären-Maskottchen übernahm dessen Job. Es sammelte gute und schlechte Trainer, warf sie wieder aus seiner Höhle, sorgte für allgemeine Verwirrung in seinem Umfeld und ging schließlich eine Symbiose mit einem Ligafossil ein. Mist! Jetzt habe ich doch glatt das Maskottchen mit dem Manager verwechselt.

Die Saison der Hertha ist eng verbunden mit den unglücklichen Personalentscheidungen von Michael Preetz. Er ist  verantwortlich für die Entlassung von Markus Babbel, obwohl dieser noch bis Saisonende weitergemacht hätte. Der Abwärtstrend begann hier. Anschließend kam die Verpflichtung von Michael Skibbe, der mit 4 Niederlagen in die Rückrunde startete und eilig wieder entlassen wurde. Und schließlich der Inthronisierung von König Otto, dessen Bilanz trotz des Erreichens der Relegation einfach schlecht und enttäuschend ist.

 

In Teil 1 leuchtete unsere Ampel bereits für folgende Vereine:

1.FC Nürnberg
Bayern München
Borussia Dortmund
Bayer Leverkusen
1899 Hoffenheim
1.FC Kaiserslautern

 

Auch morgen ist die Lampe an: Unsere Ampel leuchtet das letzte Mal in dieser Saison auf 6 weitere Vereine.

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