Die Ampel: Der kleine Philipp im Sechserparadies

27. Juni 2014Felix> WM 2014, | Die Ampel

Die Ampel ist ein Formbarometer für Bundesligavereine. In diesem besonderen Fall wird allerdings der Ruhetag der WM dafür genutzt, um eine Bilanz im deutschen Team zu ziehen. Wie hat sich die deutsche Mannschaft in der Vorrunde präsentiert? Nur ein einziges Sorgenkind konnte ausfindig gemacht werden.
grün
Manuel Neuer
Machte gegen Portugal einen sicheren Eindruck, konnte gegen Ghana bei beiden Gegentoren nichts machen. Im Spiel gegen Amerika hätte auch ein ausreichend großes Bierfass seinen Platz im Tor einnehmen können. Es hätte nichts geändert.

Mats Hummels
Torschütze gegen Portugal. Stand gegen Ghana mehr im Mittelpunkt, als ihm lieb war, weil das Mittelfeld zu häufig das Sieb machte. Gegen die USA ließ er zusammen mit Per Mertesacker die amerikanische Offensive im Allgemeinen und Gegenspieler Clint Dempsey im Speziellen einfach verschwinden. Schaltet sich häufig mit der Brechstange in den eigenen Spielaufbau ein, was zu überraschenden Momenten für die eigene und gegnerische Mannschaft führt.

Per Mertesacker
Per lieferte in den ersten drei Spielen drei Mal die gleiche Leistung. Eigentlich spielt er seit acht Jahren ständig das gleiche Spiel. Unaufgeregt, zuverlässig und zweikampfstark in der Defensive; dazu arg unbeholfen im Aufbauspiel. Da er bei eigenem Ballbesitz aber ohnehin meist ignoriert wird, fällt das nicht sonderlich ins Gewicht.

Jerome Boateng
Sehr gut im Spiel gegen Portugal, wo er Cristiano Ronaldo über die komplette Spieldauer nervte und aus dem Spiel nahm. Durchlebte gegen Ghana eine Mindermotivationsphase, in der er weit vom Gegner weg stand und viel dadurch lösen wollte, dass er Jerome ist. Gegen die USA defensiv so unterfordert, dass er kräftig flanken übte.

Thomas Müller
4 Tore in 3 Spielen sind eine sehr gute Bilanz. Müller gibt in diesem Turnier die falsche falsche Neun. Das ist ein Spieler, der so tut, als sei er gar kein Mittelstürmer und dann doch viele Abstaubertore macht. Hinzu kommt eine in allen Spielen vorbildliche Laufleistung und gegen Ghana so großer Einsatz, dass er eine Platzwunde und ein Veilchen nach sich zog. Daumen hoch!

Bastian Schweinsteiger
Basti brachte die völlig fehlende Struktur in der zweiten Halbzeit gegen Ghana zumindest in Ansätzen zurück ins Spiel. Gegen die USA bestach er durch ansehnliche Ballannahmen und –abspiele. Dabei sortierte er das deutsche Mittelfeld mit und gegen den Ball vorbildlich. Zudem stopfte er alle Lücken, die sich ergaben, weil Philipp Lahm mal wieder irgendwohin unterwegs war.

Miroslav Klose
Kam nach seinem 36.Geburtstag ins Spiel gegen Ghana und schwang sich nach wenigen Sekunden zum erfolgreichsten Torschützen der WM-Geschichte auf. Machen wir uns nichts vor: Die WM hat damit für Miro alles geboten, was er erwarten konnte. Da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass er gegen die USA zur Halbzeit eingewechselt wurde und trotzdem nicht dabei war.

Mario Götze
Zeigte gegen Portugal ein gutes Spiel, war schwer vom Ball zu trennen und holte auch deshalb den Elfmeter zum ersten deutschen Tor bei dieser WM raus. Musste gegen Ghana wegen des phlegmatischen Auftritts von Toni Kroos viel mit nach hinten arbeiten und wurde deshalb völlig erschöpft ausgewechselt. Fiel beim Ball-und-Gegner-laufen-lassen gegen Amerika nach seiner Einwechslung weder auf noch ab.

WM-Ampel

gelb
Benedikt Höwedes
Benni ist beim besten Willen kein linker Außenverteidiger und stößt sehr schnell an seine Grenzen auf dieser Position. Er hinterläuft selten, wenn dann in Zeitlupe, und weiß absolut nicht wohin mit dem Ball sollte, er ihn in der gegnerischen Hälfte mal bekommen – zumal er ihn dann meist auf dem schwächeren Fuß hat. Zudem ist es denkbar ungünstig, wenn der große und etwas lethargische Höwedes kleine, wendige Spieler verteidigen muss. Gibt stets sein Bestes, ist trotzdem nur eine Notlösung.

Shkodran Mustafi
Durfte ein 20 Minuten die Auftaktparty gegen Portugal mitfeiern. Zeigte gegen Ghana 10 Minuten gute Ansätze, sah dann beim 1:1 nicht gut aus und wurde danach von der Mannschaft geschnitten, auch wenn er häufig freistand. Vielleicht in 2 Jahren nochmal probieren.

Sami Khedira
Machte gegen Portugal zunächst einen guten Eindruck, weil er mit viel Selbstvertrauen vom gewonnen Champions League Finale in die Partie ging. Sami hatte dabei Glück, dass keines der beiden Teams in der zweiten Halbzeit hohes Tempo gehen wollte. Das machten dann die fiesen Ghanaer, woraufhin Sami nach ordentlicher erster Hälfte in der zweiten Halbzeit völlig erschöpft Riesenlücken in den deutschen Defensivverbund riss. Die lange Verletzungspause macht sich konditionell bemerkbar.

Mesut Özil
Machte mit einer engagierten Leistung gegen Portugal seine teilnahmslosen Auftritte in den Vorbereitungsspielen vergessen. Gegen Ghana agierte Mesut bemüht, aber unglücklich und verlor dadurch viele Bälle. Die technisch wirklich schlechten Amerikaner forderten ihn dann ganz arg dazu heraus, mehrere Konter abzuwürgen, weil er auf den Ball treten und noch jemanden aussteigen lassen musste. Stellt sich selbst häufig vor größere Probleme als seine Gegenspieler.

Toni Kroos
Seine Leistung gegen Portugal war in der Offensive und in der Defensive Weltklasse, weil er Verantwortung übernahm, mit viel Übersicht das Spiel eröffnete und mit vollem Einsatz in Zweikämpfe ging. Gegen Ghana war sein Offensivspiel noch immer gut, während er defensiv viel durch stehen und kucken lösen wollte. Gegen die USA machte er einen weiteren Schritt zurück – in diesem Spiel kam dann wieder die 2012-Variante von Toni zum Einsatz: Keine Sprints, kaum Bewegung und gaaaaaanz viele Distanzschüsse.

WM-Ampel

rot
Philipp Lahm
Der kleine Philipp möchte gerne aus dem Sechserparadies abgeholt werden. Es ist nicht so, dass er sich keine Mühe gibt, aber für ihn gilt das gleiche wie für Benedikt Höwedes – auf diesem Niveau ist die Rolle vor der Abwehr nicht seine Position. Philipp steht häufig falsch und ist deshalb, trotz großartiger Antizipation, zu selten in der Lage gegnerische Spielzüge zu unterbinden. Im Aufbauspiel leistet er sich zu viele Fehler, weil er schneller unter Druck gerät als auf der Außenbahn und schlechte Entscheidungen trifft. Dass drei Spiele zu probieren ist OK, aber nun sollten wir uns alle eingestehen, dass die Sache (noch) nicht funktioniert und die Nationalmannschaft dringend einen linken Verteidiger braucht.

 

Für Roman Weidenfeller, Ron-Robert Zieler, Matthias Ginter, Erik Durm, Kevin Großkreutz, Julian Draxler, Christoph Kramer, Lukas Podolski und Andre Schürrle bleibt die Ampel aus. Zu wenig Einsatzzeit.

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