Die Ampel: 60 % weniger Gegentore!

23. August 2011Felix> Bundesliga, | Die Ampel

Nach jedem Spiel bedient ein Autor von doppel-sechs.de die Bundesligaampel. Wir fassen die Ereignisse der letzten Wochen, insbesondere des letzten Spieltags zusammen und zeigen, ob unserer Meinung nach die Fahrt für den Verein in dieser Form weiter gehen kann (grün), ob es bedenklich ist (gelb) oder der Verein Probleme hat und den Motor lieber nochmal neu starten sollte (rot). Viel Spaß beim Lesen!

1899 Hoffenheim: Dem 1:0 im Heimspiel gegen Dortmund folgte nun ein weitestgehend ungefährdeter Auswärtssieg beim FC Augsburg. Gemessen an den Ansprüchen beider Vereine sollte dies jedoch nicht als Selbstverständlich angesehen werden: Ein Sieg auf fremden Platz kann nach den bisherigen Auftritten der Mannschaft für 1899 keinesfalls bloß ein „Pflichtsieg“ sein. Erfreulich ist für die Kraichgauer darüber hinaus, dass Ryan Babel bei dem Tor zum 1:0 die Klasse andeutete, die man von einem Spieler der vorher bei Ajax und Liverpool unter Vertrag stand, erwarten darf. Hoffenheim liegt weit über dem Soll: Es gibt keinen Grund, die Ampel nicht auf GRÜN zu schalten.

1.FC Kaiserslautern: Der Saisonstart des FCK ist schwer zu beurteilen: Die Mannschaft lag gegen den FC Augsburg lange zurück und kämpfte sich noch zum 1:1, in Köln wurde die 1:0 Führung in weniger als zwei Minuten wieder verspielt. Der Mannschaft fehlt es gerade in der Abwehr an körperlich und geistig beweglichen Spielern: Wie gegen Augsburg fiel auch das Gegentor in Köln nach einem Steilpass in den Rücken der Abwehr, ein Mittel mit dem die Domstädter sich auch weitere Chancen erarbeiteten. Im kommenden Heimspiel gastiert der FC Bayern auf dem Betzenberg, anschließend geht es zum Tabellenführer nach Mönchengladbach. Angesichts der bisherigen dünnen Ausbeute gegen schwächere Gegner schalten wir die pfälzische Ampel auf ROT.

1.FC Köln: Das Heimspiel gegen Kaiserslautern bescherte dem FC einige positive Eindrücke und den ersten Punkt der Saison. Zu den positiven Eindrücken gehören, dass die Spieler des FC vor dem 0:1 nicht ganz so orientierungslos wirkten wie in den Vorwochen und die Mannschaft sich trotz des Gegentores nicht hängen ließ. Im Offensivspiel stimmten die Laufwege und dank der statischen Viererkette des FCK ergaben sich weitere Chancen, die durchaus zu einem Sieg hätten führen können. Dennoch bleibt die Frage offen, was wohl passiert wäre, wenn der erste Angriff nach dem Rückstand nicht umgehend zu einem Tor geführt hätte. Wegen des katastrophalen Saisonstarts leuchtet die Ampel am Rhein weiter in sattem ROT.

1.FC Nürnberg: Der Club zehrt weiter von seinem gelungenen Saisonstart in Berlin und den dort erspielten drei Punkten. In den folgenden Duellen gegen stärkere Gegner kamen zwar keine neuen Punkte auf das Konto, aber die Franken ließen sich nicht wehrlos zerfetzen wie Köln oder der HSV, sondern spielten mit und stellten am letzten Samstag Meister Dortmund vor einige Probleme. Die Tatsache, dass Torwart Raphael Schäfer lange ausfällt, kann für den 1.FC Nürnberg ein Fluch oder ein Segen sein: Zwar ist Schäfer Kapitän und sein letzter längerer Ausfall in der Spielzeit 09/10 hatte eine Niederlagenserie zur Folge, die Trainer Michael Oenning den Job kostete. Dennoch nagt der Zahn der Zeit auch an seinen Leistungen und Vertreter Rakovsky machte beim BVB keinen schlechten Eindruck. GELB für den Club.

Bayern München: Neuer, Boateng, Rafinha. Der FC Bayern investierte in den letzten Monaten einige Euros in seine Abwehr, mit durchschlagendem Erfolg: In den bisherigen 5 Pflichtspielen dieser Saison spielte das Team vier Mal zu Null, das einzige Gegentor, dass die Münchener bisher kassierten war in erster Linie witzig. Die Offensive ist, oder besser: scheint nun auch angelaufen zu sein. 7 Tore fielen in den Spielen gegen Zürich und den HSV. Obwohl sich die Hanseaten kaum wehrten, macht sich bei den Bayern bemerkbar, wie gefährlich sie sein können, besonders wenn Robben und Ribery nicht stumpf auf ihrer Außenbahn bleiben, sondern sich bei Ballbesitz frei bewegen dürfen. Das erste Mal in dieser Saison leuchtet die Bayernampel GRÜN.

Bayer Leverkusen: Das Team von Trainer Robin Dutt fängt sich langsam: Nach dem katastrophalen Saisonstart mit der Pokalniederlage in Dresden und dem blutleeren Auftritt in Mainz konnte Bayer mit zwei 1:0 Erfolgen in Serie das Bild wieder gerade rücken. Vor allem der junge Torwart Bernd Leno rückt in den Mittelpunkt, der es geschafft hat, in seinen ersten beiden Spielen als Bundesligatorwart ohne Gegentreffer zu bleiben und den Fans damit das Warten auf die Rückkehr von Rene Adler verkürzt. Dennoch reicht der Gesamteindruck, den Leverkusen hinterlässt, nur für GELB.

Borussia Dortmund: Der Meister zeigte sich durch die Niederlage in Sinsheim wenig beeindruckt und zeigte eine souveräne Vorstellung beim 2:0 über den Club aus Nürnberg. Trotzdem wird man in Dortmund erleichtert sein, wenn Lucas Barrios zurück auf dem Platz ist: Zwar hat sein Vertreter Robert Lewandowski im Hinblick auf seine Einsatzzeiten keine schlechte Torquote und traf auch am Wochenende, dennoch braucht er wesentlich mehr Chancen als der verletzte Barrios. Bereits vor zwei Wochen äußerte ich an dieser Stelle Zweifel, ob Ilkay Gündogan seiner Rolle als Ideengeber im Mittelfeld bereits gewachsen ist: Die Tore gegen kompakte Nürnberger fielen nach Einzelaktionen von Götze bzw. Großkreutz. Ich habe keine Zweifel, dass der junge Mittelfeldspieler das Potential hat, das Niveau von Sahin zu erreichen, doch kurzfristig wird dies wohl nicht geschehen. Trotzdem leuchtet die Ampel natürlich GRÜN.

Borussia Mönchengladbach: Welch‘ ein furioser Saisonstart! Als Krönung für die tolle Serie unter Trainer Favre (Saisonübergreifend 10 Spiele ohne Niederlage bei nur 3 Unentschieden) stehen die Fohlen nun an der Tabellenspitze. Sogar Raul Bobadilla trifft und harmoniert mit seinen Mitspielern. Der Sieg und die Tabellenführung riefen in mir Erinnerungen wach: Es war der 5. Spieltag der Saison 2006/2007, Gladbach gewann 1:0 gegen Dortmund und feierte den Platz an der Sonne. Ein Stürmer namens Kahé erzielte sein viertes Saisontor und schien als bester Torjäger der Liga endlich den Durchbruch geschafft zu haben. Hoffentlich endet es nicht so wie damals: In der zweiten Liga. Noch leuchtet in Mönchengladbach alles GRÜN.

FC Augsburg: Bei Augsburgs erster Saisonniederlage zeigte sich der Unterschied zwischen einer Mannschaft, die tapfer kämpft um auf hohem Niveau mithalten zu können und einem Spieler, der bereits auf europäischer Bühne seine Klasse gezeigt hat: Ryan Babel lief nach etwa 10 Minuten mit dem Ball an fünf Augsburgern vorbei und traf zum 1:0. In der Folge fehlte Augsburg das Glück, den Ausgleich zu erzielen und wurde kurz vor dem Ende mit dem Elfmeter zum 0:2 bestraft. Jedoch gibt weder die Art und Weise der Niederlage noch der aktuelle Punktestand Anlass zu akuter Sorge: Jeder Spieltag, an dem Augsburg keinen Abstiegsplatz belegt, sollte positiv bewertet werden: GELB.

FSV Mainz 05: Na das war ja mal extrem unglücklich für die Mainzer: Mit großem Einsatzwillen und hohem spielerischem Aufwand gelang bereits nach 15 Minuten eine 2:0 Führung gegen Schalke 04, die bis zur Halbzeit durchaus hätte ausgebaut werden können. Es schien nur noch eine Frage der Höhe des Sieges zu sein, bis in der Halbzeit zwei Dinge passierten, die in dieser Kombination fatal waren: für Schalke kam Jefferson Farfan ins Spiel, Thomas Tuchel brachte Choupo-Moting für Risse, der sich nun als Stürmer auf der linken Seite mit Farfan und dem spielstarken Marcel Höger auseinandersetzen musste: klappte eher suboptimal. Die Mainzer wurden von den Schalkern zu Beginn der zweiten Hälfte überrannt. In einer ausgeglichenen Schlussphase, waren es dann die Schalker, die durch Matip den Lucky Punch setzen konnten. Bei 6 Toren und 6 Punkten aus 3 Spielen ist dies jedoch kein Anlass, eine andere Farbe als GRÜN zu wählen.

Hannover 96: Nach dem tollen Saisonstart mit 4 Siegen aus 4 Pflichtspielen machte sich bei Hannover 96 am Sonntag bemerkbar, was man im Vorfeld bereits erwarten durfte: Der kraftraubende Konterfußball der Niedersachsen ist nicht dazu geeignet, mit der gleichen Elf zwei Spiele innerhalb eine Woche zu gewinnen. Auch gegen Berlin ging das Team 1:0 in Führung, hatte aber am Ende des Spiels nicht mehr die notwendige Konzentration, den Sieg über die Zeit zu retten. Dennoch ist der Saisonstart mehr als gelungen und Didier Ya Konan, der in der vergangenen Spielzeit noch als unverzichtbar galt, hat dieses Jahr noch kein Spiel von Beginn an bestritten. Der tolle Start und die Aussicht auf die Rückkehr des Ivorers tauchen Hannover in GRÜN.

Hamburger SV: Entgegen der allgemeinen negativen Stimmung brachte das Auswärtsspiel beim FC Bayern einige positive Erkenntnisse: Im Vergleich zur Vorsaison konnte der HSV die Anzahl der Gegentore in München um 12,5 %  reduzieren, in der zweiten Halbzeit sogar um 60% ! Trainer Oenning verändert die Mannschaft jeden Spieltag personell und taktisch. Ein Trick, den Vorgänger Armin Veh (immerhin Meistertrainer 06/07) in Hamburg eingeführt hat und durch den verhindert wird, dass eine unsichere Mannschaft sich aufeinander und den Gegner einstellen kann. Darüber hinaus verfügt der HSV mit Jeffrey Bruma und Michael Mancienne über die lustigste Innenverteidigung der Liga! Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt, deshalb stellen wir die Ampel auf ROT.

Hertha BSC: Der Hertha schlägt sich Wacker: Nach dem nervösen Saisonstart gegen Nürnberg folgten zwei Unentschieden auf fremden Platz gegen Mannschaften, die sich seit Jahren in der Bundesliga etabliert haben. Immer wieder geriet die Mannschaft von Trainer Markus Babbel in Rückstand, zwei Mal gelang dem Team ein spätes Ausgleichstor. Das zeugt von Moral und Klasse im Team der Hauptstädter. Sollte im kommenden Heimspiel gegen Stuttgart ein Führungstor oder gar ein Sieg drin sein, steht die Hertha im sicheren Mittelfeld der Tabelle. Passend dazu schon mal die Farbe GELB.

SC Freiburg: Die Freiburger überzeugen durch äußerst unterhaltsam Fußball und ihren Topstürmer Papiss Demba Cisse, auf den ich auch diese Woche wieder aber Lobeshymne anstimmen möchte: Er kann das einfach richtig gut. Betrachtet man den Saisonstart des SC Freiburg jedoch in Zahlen, kommt folgendes dabei heraus: 1 Punkt bei 9 Gegentoren. In der nächsten Woche tritt der VfL Wolfsburg im Breisgau an, auch ein Gegner bei dem drei Punkte nicht in unmittelbarer Aussicht stehen. Wir schalten die Ampel vorsichtshalber auf ROT, um eine warnende Wirkung zu erzielen: Es müssen Punkte her!

Schalke 04: Die Ampel stand nach den ersten 45 Minuten in Mainz auf ROT, wie es deutlicher gar nicht sein könnte. Dann kam Farfan. 4 Tore erzielten die Knappen in der zweiten Halbzeit in Mainz, überrannten den Gegner in einer Art & Weise die… auch nicht völlig überzeugend ist: Es muss darauf hingewiesen werden, dass 3 von 4 Toren von Abwehrspielern erzielt wurden und diese fielen alle nach Standardsituationen. Trotz der großartigen Aufholjagd spielt auch das 0:2 im Europapokal in Helsinki eine Rolle für unsere Ampelschaltung: Sie leuchtet GELB.

VfB Stuttgart: Es ist eine Woche her, da prognostizierte ich den Schwaben in den kommenden Wochen viel, viel Spaß. Und darauf folgte eine Leistung, die dermaßen uninspiriert war, als ob sie darauf abzielte, mich zu widerlegen. Das Mittelfeld zeigte sich Ideenarm und ohne große Laufbereitschaft, der unnötige Platzverweis für Khalid Boulahrouz, der dem Schiedsrichter in der Nachspielzeit unbedingt mit dem Mittelfinger winken musste, rundete das wenig hübsche Bild ab. Hoffentlich ist dies nicht der Beginn des gefürchteten „Bruno-Effekts“. Die Ampel schaltet um auf GELB.

VfL Wolfsburg: Felix Magath präsentierte in den ersten Spielen ein 4-4-2 System mit einer Doppelsechs, die von Christian Träsch und Josue gebildet wurde. Damit gab es ein 3:0 in Köln und ein beachtenswertes 0:1 gegen den FC Bayern, bei dem allerdings ein Punktgewinn nicht unverdient gewesen wäre. In Gladbach präsentierte Magath wiederholt die Raute, das Spielsystem seiner Wahl des Meisterjahres 08/09, in dem Zvjezdan Misimovic auf der Spielmacherposition brillierte. Zu dessen Nachfolger hat Magath, nachdem Diego leichte Einstellungsprobleme offenbarte, den Japaner Makoto Hasebe erklärt. Ein Spieler, der in den Vorwochen noch als rechter Außenverteidiger auflief. Das klappte ähnlich gut wie beim Pokalspiel in Leipzig, wo der VfL ebenfalls mit Hasebe hinter den Spitzen auflief und beim Viertligisten ausschied. War wohl keine so gute Idee. Die Ampel springt auf GELB.

Werder Bremen: Die lustigen Ballerbremer sind wieder da! Sah man in der letzten Saison teilweise grauenhaften Fußball im Weserstadion feierte Werder nun den zweiten Heimsieg im zweiten Spiel. Vorne fielen fünf Tore, angetrieben von Marko Marin, der immer besser ins Spiel fand und hinten gab es die klassische Bremer Abwehrleistung zu bestaunen, die dem Gegner mindestens genauso viel Vergnügen bereitet wie dem neutralen Zuschauer. Es muss daran gezweifelt werden, ob Sokratis Papasthatopoulos  auf der Position als Außerverteidiger wirklich am besten aufgehoben ist. Wenn dadurch allerdings Clemens Fritz offensiver agieren darf, kann die Entscheidung grundsätzlich nicht falsch sein: Denn nach einigen Jahren im grauen Leistungsmittelmaß macht der blonde Rechtsfuß in dieser Spielzeit bisher viel Spaß. Und sogar ein Tor. Nach der letzten Saison sind 6 Punkte aus den ersten Spielen Grund genug für die Vereinsfarbe GRÜN.

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