Die Ampel: Im Norden was Neues

14. Mai 2014Felix> Bundesliga, Analyse, | Die Ampel

Zum Abschluss der Spielzeit 2013/2014 nehmen wir die 18 Bundesligisten nochmal unter die Lupe – im Licht unseres bewährten Stimmungsbarometers, der Ampel. Heute beurteilen wir die Vereine aus dem Norden der Republik: Wolfsburg, Hannover und Werder Bremen müssen unserem kritischem Blick standhalten.

 

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Erstmals seit der Meisterschaft 2009 spielt der VfL Wolfsburg wieder in einem internationalen Wettbewerb. Und, wer hätte das gedacht, es war nicht Armin Veh oder Steve McClaren, die großen Trainerhoffnungen vergangener Jahre und auch nicht der zurückgeholte Meistertrainer Felix Magath, der die Wölfe zurück auf die große Bühne des europäischen Vereinsfußballs führte. Es war der von uns „Durchschnitts-Dieter“ getaufte, weil jahrelang im Tabellenmittelfeld geparkte, Dieter Hecking.

Hecking führte eine sehr gut besetzte Mannschaft mit sachlichem Fußball auf den fünften Tabellenrang. Während der gesamten Rückrunde kamen praktisch niemals Zweifel auf, dass der VfL dieses Ziel in diesem Spieljahr erreichen könnte. Zusammen mit Klaus Allofs, der nach katastrophalen letzten Jahren in Bremen wieder auf eine ansehnliche Transferquote kam. Die beiden haben fernab von den Hau-Ruck-Aktionen ihrer Vorgänger mit Ruhe, ehrlicher Arbeit und völlig frei von Glamour einen Kader zusammengestellt, der bis zum letzten Spieltag an die Tür zur Champions League kratzte.

Mit Robin Knoche und Max Arnold umfasst Heckings Stammpersonal zwei in Deutschland begehrte Talente, Linksverteidiger Ricardo Rodriguez hat mit einer starken Saison bereits halb Europa auf sich aufmerksam gemacht. Der nachverpflichtete Luiz Gustavo brachte der Mannschaft Stabilität und Erfahrung. Der im Dezember vollzogene Tausch von Spielmacher Diego, der sich in Heckings bürokratischem System ohnehin nicht richtig wohlfühlte, zum bodenständigeren aber technisch nicht viel schwächeren Kevin de Bruyne war nach kurzer Anlaufzeit ebenfalls ein absoluter Volltreffer. Die Zukunft in Wolfsburg sieht erstmals seit 2009 verlockend aus. Das Gefühl, jetzt endlich was schaffen zu müssen, hat sich der Verein in dieser Spielzeit genommen.

Der VfL Wolfsburg hat sein Saisonziel erreicht und scheint für die kommenden Jahre gut aufgestellt zu sein. Eine nette Abwechslung zu den Jahren zuvor.

 

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Am 7.Mai 2011, solange ist das noch gar nicht her, spielte Hannover 96 beim VfB Stuttgart um die Möglichkeit, an der Champions League Qualifikation teilzunehmen. Hannover verlor mit 1:2 und musste dem FC Bayern den Vortritt in die Königklasse lassen. Für die UEFA-Fünfjahreswertung sicherlich eine dankbare Entwicklung. H96 beendete die Spielzeit als Vierter und schien erstmals ein ernst zunehmender Bundesligaverein zu sein.

Drei Jahre später kann man feststellen, dass alles, was Trainer Mirko Slomka und Sportchef Jörg Schmadtke zu diesem Zeitpunkt aufgebaut hatten, nun von Martin Kinds Arsch wieder umgestoßen wurde. Es scheint, der einstige Schmetterling will lieber wieder Raupe sein, denn Hannover hat sich seit der Entlassung von Jörg Schmadtke im Frühjahr 2013, als es immerhin noch um die Teilnahme an der Europa League ging, kopfüber zurück ins Tabellenmittelfeld gestürzt.

Kind installierte Dirk Dufner als Sportmanager, dessen Transfers Sane, Prib, Leonardo und Marcelo allesamt nicht die Qualität mitbrachten, den Verein in der oberen Tabellenhälfte zu halten. Folglich musste im Winter auch der einstige Erfolgscoach Slomka seinen Hut nehmen und wurde durch Tayfun Korkut ersetzt, der die Mannschaft zumindest nicht verbesserte. Dass Hannover zwischenzeitlich sogar in Abstiegsnot geriet war die Quittung für Präsident Kind, der schon zum vierten Mal in seinen Amtszeiten medial einen Streit zwischen Manager und Trainer inszenierte, um etwas Schwung in den Verein zu bringen.

Das liest sich alles sehr rot, aber Hannover ist letztlich nur da gelandet, wo es in unseren Augen hingehört. Gelb ist die Farbe des Mittelmaß.

 

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Liebe Freunde und Fans von Werder Bremen, erinnert ihr euch, was für ein Spaß es war in den letzten 15 Jahren ins Weserstadion zu gehen? Dass pro Saison mindestens ein Gegner mit 6 Toren nach Hause geschickt wurde? Und die eigenen Abwehrspieler bei Ecken immer vorne waren und die daraus resultierenden Konter das Spiel immer wieder spannend machten? Das ist jetzt vorbei.

Die Konsolidierungsphase bei Werder Bremen, die seit 3-4 Jahren angekündigt wurde, hat endlich begonnen. Weil endlich Schlüsselfiguren neben dem Platz ausgetauscht wurden und sich das auf dem Platz bemerkbar macht. Statt schwierigen Künstlern wie Diego, Arnautovic oder Carlos Alberto fanden Arbeitstiere wie Caldirola, Di Santo und Garcia den Weg auf den Werderrasen. Die Defensive wirkt strukturierter, das Offensivspiel hingegen etwas schematischer und berechenbarer als in den Jahren zuvor. Aber: Die Meisten arbeiten in beide Richtungen mit. Der Abgang von Aaron Hunt wird in diesem Zusammenhang ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung sein.

Der neue Trainer Robin Dutt lässt zwar jegliches Charisma vermissen, das Thomas Schaaf hatte, aber sein größtenteils vorsichtiges Spiel ist mit diesem Kader der richtige Weg, um den Abstiegsrängen fernzubleiben. Manager Thomas Eichin ist mit seiner Art, Klartext zu sprechen und Probleme direkt anzusprechen eine erfrischende Alternative zu Klaus Allofs. Das bewährte Tandem aus forschem Trainer und glatten Manager ist mit vertauschten Rollen neu installiert wurden. Die erste Übergangssaison ist beendet. Weitere werden folgen.

Werder Bremen zuzuschauen ist wahrlich kein Vergnügen mehr, aber das war in den letzten drei Jahren nicht anders. Zumindest kann man nun Veränderungen erkennen und auf weitere hoffen.

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