Die Ampel: Mike Hanke in der Champions League (ohne Gegentor).

11. Oktober 2011Felix> Bundesliga, | Die Ampel

Nach jedem Spieltag bedient ein Autor von doppel-sechs.de die Bundesligaampel. Wir fassen die Ereignisse der letzten Wochen, insbesondere des letzten Spieltags zusammen und zeigen, ob unserer Meinung nach die Fahrt für den Verein in dieser Form weiter gehen kann (grün), ob es bedenklich ist (gelb) oder der Verein Probleme hat und den Motor lieber nochmal neu starten sollte (rot).

Nachdem wir im September unseren Urlaub genossen haben, werden wir bei der heutigen Beurteilung die letzen 4 Wochen mit einfließen lassen. Bevor es also in der nächsten Woche wieder spieltagsbezogen weitergeht, gibt es nun so etwas wie „Quartalsnoten“ für die 18 Bundesligisten.

1899 Hoffenheim: Der Saisonstart war furios; weitere sehr gute Spiele, wie etwa ein 4:0 in Mainz oder das beachtenswerte 0:0 im Heimspiel gegen Bayern München, das die Siegesserie des Rekordmeisters stoppte, folgten. Ryan Babel scheint endlich in der Bundesliga angekommen zu sein und erweist sich als phänomenaler Gewinn, sowohl für seinen Verein als auch für den neutralen Fußballfan. Mit Holger Stanislawski hat der Verein zudem mehr Persönlichkeit als zuvor. Die Platzierung in der oberen Tabellenhälfte und der positive Gesamteindruck sorgen für leuchtendes GRÜN.

1.FC Kaiserslautern: Bereits bei den letzten Ampeln musste festgestellt werden, dass es beim FCK in vielen Bereichen Mängel gibt: Die Innenverteidigung scheint unbeweglich und gedanklich zu langsam, die Stürmer strahlen wenig Torgefahr aus und im Mittelfeld ist Christian Tiffert der einzige Spieler, der über längere Zeit Bundesliganiveau halten kann. Folglich stehen die Pfälzer nach wie vor auf einem Abstiegsplatz. Dazu hat die Mannschaft neben Srdjan Lakic mit Ivo Ilicevic noch einen weiteren Leistungsträger der Vorsaison verloren. Die Ampel leuchtet ROT.

1.FC Köln: Der 1.FC Köln zeigt sich als äußerst unbeständiges Team, nicht nur von Spiel zu Spiel, sondern teilweise sogar zwischen zwei Halbzeiten. So reichte eine außergewöhnliche Halbzeit in Leverkusen zu einem überraschenden und überaus deutlichem Auswärtssieg, in Berlin gab es praktisch innerhalb von 45 Minuten wieder eine Packung. Stellenweise erinnerte das Auftreten der Kölner in der Hauptstadt an die blutleeren Vorstellungen zu Saisonbeginn. Dennoch reichen die wenigen Highlights aus, um die Ampel noch auf GELB stehen zu lassen.

1.FC Nürnberg: In Franken ist die Fußballwelt in Ordnung: Abseits von großen Erwartungen gelingt es Dieter Hecking mit seinem Team, gegen schwächere Gegner Punkte zu sammeln und gegen stärkere Gegner nicht allzu schlecht auszusehen. Die Folge daraus ist ein Platz im Mittelfeld, mit dem keiner unzufrieden sein kann, da er die Spielstärke der Mannschaft durchaus widerspiegelt. Ob der Ausfall von Kapitän und Stammtorwart Rafael Schäfer dies begünstigt oder mit ihm mehr möglich wäre, soll jeder selbst entscheiden. Wir entscheiden uns, den Club in ein gemütliches GRÜN zu tauchen.

Bayern München: Schauen wir mal auf die Bilanz: 1 Sieg im DFB-Pokal (ohne Gegentor), 4 Siege in der Champions League (ohne Gegentor), 6 Siege in der Bundesliga (ohne Gegentor). Macht 11 Siege (ohne Gegentor) in 13 Spielen. Sieht GRÜN aus (ohne Gegentor).

Bayer Leverkusen: Bayer 04 Leverkusen spielt eine witzige Saison. Erst verletzen sich alle Torhüter (oder stellen sich als unfähig heraus), dann wird ein Spieler aus der dritten Liga für diese Position verpflichtet. Dieser wird erst über alle Maße gelobt und kassiert in den folgenden vier Spielen 10 Gegentore. Innenverteidiger Ömer Toprak entscheidet, für die türkische Nationalelf zu spielen (was wir mit großer Erleichterung zur Kenntnis genommen haben.), der beste deutsche Fußballer der vergangenen Jahrzehnts darf auch mal mitspielen und die Führungsetage plaudert mit Boulevardzeitungen munter über Leistungsträger der ersten Mannschaft. Leistungstechnisch steht der Verein im Mittelfeld der Tabelle und ist bereits aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Klingt alles so GELB.

Borussia Dortmund: Die Leichtigkeit. Sie ist weg. War das herrlich, als Borussia Dortmund frei von jeder Sorge Gegner um Gegner überrannte und nicht selten mit 3 oder mehr Toren in die Kabine zurückschickte. Zwar spielen die Dortmunder teilweise immer noch mitreißenden Fußball, aber die Unbekümmertheit vor dem Tor geht ihnen ab. So sehr, dass nun auch die sonst sehr souveräne Innenverteidigung hin und wieder die Nerven verliert. Der Balsam für die geschundenen Nerven des BVB steht aber schon bereit: Er ist 187 cm groß, spielt für die Nationalmannschaft Paraguays und hört auf den Namen Lucas. Mit seiner Torgefährlichkeit dürfte das Selbstvertrauen bald wieder zurück sein im Dortmunder Spiel. Und selbst wenn Robert Lewandowski zuletzt drei Tore in einem Spiel erzielte: War nur Augsburg. Bleibt die Frage, ob Platz 6 für den BVB bisher ein unbefriedigendes Ergebnis ist. Wir denken nicht: GRÜN.

Borussia Mönchengladbach: Schauen wir mal: Ter Stegen – Jantschke, Brouwers, Dante, Daems – Nordtveit, Neustädter – Reus, Arango – de Camargo, Hanke. Diese Elf ist Lucien Favres Zauberformel für kompakte Defensivarbeit (ergänzt durch zwei arbeitende Stürmer) und knappe 1:0 Siege (beflügelt durch einen dribbelstarken Jungnationalspieler). Dennoch muss man gestehen, dass die elf Namen, die oben aufgeführt sind, nicht nach Champions League klingen. Oder nach Europa League. Deshalb bleibt wenig Raum für Diskussionen: GRÜN.

FC Augsburg: Beharrlich weigerten wir uns, die Ampel für den FCA auf Rot zu stellen, solange er nicht auf einem Abstiegsplatz steht. Nun steht er auf einem Abstiegsplatz und hat nicht nur dieses Problem: Außer dem Torhüter fehlt es in allen Mannschaftsteilen an Spielern mit Bundesligatauglichkeit. Auch Sascha Mölders, immerhin dreifacher Torschütze in den ersten zwei Spielen, konnte seine Form nicht über den August hinaus konservieren und wirkt nun mehr denn je wie ein guter Zweitligatorjäger. Hinzu kommt eine lange Verletztenliste und die Aussicht, dass die Spiele gegen Bayern, Schalke und Bremen noch ausstehen. Positiv bleibt, dass das Umfeld ruhig bleibt. Wir hingegen nicht mehr: ROT.

FSV Mainz 05: Nanu, was war da los? Am 2.Spieltag war Mainz Tabellenführer, führte am darauffolgenden Spieltag bereits überlegen mit 2:0 – und dann begann es Gegentore zu hageln. 4 gegen Schalke, 4 gegen Hoffenheim, 3 gegen Kaiserslautern und Nürnberg. Hinzu kamen verzeihliche und knappe Punktverluste gegen Hannover 96 und Borussia Dortmund. Dennoch sinkt das Team von Thomas Tuchel immer tiefer in der Tabelle und scheint in den Abstiegskampf einzusteigen. Die Qualität des Kaders ist schwer einzuschätzen: Die sonst souveräne Doppelsechs mit Soto und Polanski präsentierte sich extrem wechselhaft, die Außenspieler wie Nicolai Müller, Stieber oder Risse schwanken extrem in ihren Leistungen. Im Sturm und in der Abwehr fehlt es an überzeugender individueller Klasse. Trotz des Saisonstarts: Der September war für Mainz ROT.

Hannover 96: Hannover 96 bleibt eine Mannschaft, die mit der Präzision eines Uhrwerks weitermacht, wo sie in der vergangen Spielzeit aufhörte: Unspektakulär Punkte einfahren. Auch wenn mehr Ausrutscher dabei sind als in der letzten Saison (etwa das überraschende 0:3 in Stuttgart): Gegen Bremen und gegen Dortmund gelangen Siege, die Hannover weiter als Spitzenteam bestätigen und auch in dieser Tabellenregion zementieren. Mirko Slomka darf man dazu gratulieren, aus einer grauen Maus ein respektables und fürchtenswertes Team zu formen. Und wer eine vermeintliche Abhängigkeit von den Toren Abdellaoues sehen möchte: Auch Didier Ya Konan ist wieder fit und mit Sicherheit die gleiche Klasse wie dem Norweger zuzutrauen. GRÜN.

Hamburger SV: Der Tabellenletzte hat sich nach katastrophalem Saisonstart von Trainer Michael Oenning getrennt und Rodolfo Cardoso zum Cheftrainer befördert, der jedoch den Job nicht weiter ausführen darf. Bei der Suche nach einem Trainer stellen sich die Hamburger ähnlich geschickt an wie bei der Suche nach einem Sportdirektor in den letzten beiden Jahren und selbst wenn doppelt so schnell eine Lösung gefunden würde, der neue Trainer könnte erst kurz vor Saisonende vorgestellt werden. Ständig dringen Interna nach Außen und ein Kandidat nach dem anderen wird durch den Blätterwald gejagt. Und dennoch sind all diese strukturellen Probleme verhältnismäßig klein gegenüber denen der Mannschaft. Natürlich zeigt die Ampel ROT.

Hertha BSC: Für Hertha BSC gilt in etwa das Gleiche wie für den 1.FC Nürnberg: Man kann durchaus zufrieden mit dem Rang im Mittelfeld sein. Dennoch ist es bemerkenswert, welches Potential die Mannschaft zeitweise andeutet: Etwa beim 3:0 gegen Köln, das in einer Halbzeit herausgespielt wurde, oder den Auswärtssieg beim deutschen Meister Borussia Dortmund. Darüber zeigt Raffael in dieser Spielzeit, dass seine schwachen Auftritte in der Abstiegssaison nicht seine wahre Leistungsstärke widerspiegeln. Der Brasilianer ist ein großartiger Spielmacher mit toller Schusstechnik. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass Hertha über einen sehr kleinen Kader verfügt und Ausfälle nur schwer aufgefangen werden können. Wir leuchten für den Hauptstadtklub aber vorerst GRÜN.

SC Freiburg: Der SC Freiburg beweist in dieser Saison perfektes Timing: Immer, wenn man das Gefühl hat, der Verein würde dringend drei Punkte benötigen, gelingt der Mannschaft ein wichtiger Heimsieg gegen einen stärker eingeschätzten Gegner (3:0 gegen Wolfsburg, 1:0 gegen Mönchengladbach). Obwohl Cisse nicht mehr in der überragenden Verfassung der ersten Spieltage ist, steht das Team am 8.Spieltag nicht auf einem Abstiegsplatz und zeigt immer wieder, die Klasse zu haben um die Klasse zu halten. Die Verpflichtung von Andreas Hinkel wird sich darauf nicht negativ auswirken. Alles GELB in Freiburg.

Schalke 04: Die letzten drei Spiele konnte das Team von Huub Stevens wettbewerbsübergreifend für sich entscheiden. Das spricht für eine gute Form der Mannschaft, zumal aus Hamburg drei Punkte entführt werden konnten. Zwar wird der Auswärtssieg durch die bisherige Leistung der Hanseaten als nicht so euphorisch wahrgenommen, dennoch konnten drei Punkte aus einem Auswärtsspiel mitgenommen werden, in dem für die Schalker in den letzten Jahren wenig zu gewinnen war. Dennoch hat der Rückzug von Trainer Ralf Rangnick wieder Unruhe in den Verein getragen, die durch dessen Verpflichtung eigentlich vermieden werden sollte. Bis sich die Lage auf Schalke wieder vollends beruhigt hat, leuchtet die Ampel GELB.

VfB Stuttgart: Der VfB Stuttgart zeigt sich in dieser Saison äußerst wechselhaft. Trotz eines sehr guten Spielerpotentials scheint die Mannschaft schnell die Lust zu verlieren, wenn es nicht läuft. Krasse Gegensätze bieten die Heimsiege gegen Schalke und Hannover (beide mit 3:0 nach Hause geschickt) zu Leistungen wie dem bisher einzigen Saisonsieg des HSV (eine 1:2 Heimniederlage durch haarsträubende Fehler von Torwart Sven Ulreich). Der jüngste 2:0 Sieg auf dem Betzenberg bringt jedoch wieder Hoffnung und platziert die Schwaben nah an den Europapokalrängen. Bis das Team jedoch Konstanz zeigt, bleibt die Ampel auf GELB.

VfL Wolfsburg: Ich habe tatsächlich erst vor kurzem durch meinen Comunio-Newsletter erfahren, dass der VfL Wolfsburg Aleksiandr Hleb verpflichtet hat. Und wie ihr euch vorstellen könnt, sind wir durchaus up-to-date was die Bundesliga angeht. Der Weißrusse kam bisher ohnehin nicht zum Einsatz, aber bestimmt wird die Kugel im Magathschen Aufstellungsroulette auch irgendwann bei ihm hängen bleiben. Der VfL ist nach wie vor in der Findungsphase und präsentierte sich phasenweise als stabiles Team, das jedoch pünktlich jeden Aufwärtstrend mit sofortigen Niederlagen und Leistungsabfällen wieder stoppen kann. Immerhin steht das Team nicht auf einem Abstiegsplatz, eine Steigerung zum letzten Jahr, und Torhüter Benaglio scheint sich wieder gefangen zu haben. Das alles reicht gerade noch für GELB.

Werder Bremen: Claudio Pizarro ist ein Phänomen. Seit drei Jahren habe ich regelmäßig Phasen, in denen ich absolut davon überzeugt bin, dass der Mann körperlich zu Ende ist und seine Karriere nun ausklingen wird. Und dann ist er plötzlich wieder dieser überragende Torjäger, der aus jeder Situation den überraschenden Punch setzen kann. Nicht zuletzt dank seiner Torgefahr steht Werder Bremen auf einem Tabellenplatz, der zur Champions League Teilnahme berechtigt. Und sollte Pizarro ohne große Verletzungen durch die Saison kommen, wirkt das nicht mal so gruselig. Die Trennung von langjährigen Spielern wie Mertesacker, Jensen oder Vranjes hat dem Team gut getan und die neuformierte Defensive verrichtet einen ordentlichen Job. Es leuchtet GRÜN an der Weser.

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