Die Ampel: Zehn Neue und kein Neuer

30. August 2011Felix> Bundesliga, | Die Ampel

Nach jedem Spieltag bedient ein Autor von doppel-sechs.de die Bundesligaampel. Wir fassen die Ereignisse der letzten Wochen, insbesondere des letzten Spieltags zusammen und zeigen, ob unserer Meinung nach die Fahrt für den Verein in dieser Form weiter gehen kann (grün), ob es bedenklich ist (gelb) oder der Verein Probleme hat und den Motor lieber nochmal neu starten sollte (rot).

1899 Hoffenheim: Marvin Compper war der Unglücksrabe am vergangen Spieltag: Sein Team hatte sich gerade eine 1:0 Führung gegen die Gäste erarbeitet, da leistete sich der Abwehrspieler einen extrem unglücklichen Rückpassversuch zu Keeper Starke, der Bremer Arnautovic kam an den Ball und die Hoffenheimer Führung war nach kurzer Zeit zu nichte. So ein Schock wirkt schwer für ein Team, und die Kraichgauer kamen nicht mehr so recht zurück ins Spiel, an dessen Ende eine Heimniederlage zu verbuchen ist. Da davor jedoch 6 Punkte aus zwei Spielen eingefahren werden konnten, sehen wir keinen Grund hektisch Umstellungen an unserer Ampelanlage vorzunehmen: Sie bleibt GRÜN.

1.FC Kaiserslautern: Im Gegensatz zu sonst furiosen Auftritten in der Vergangenheit wirkte die Leistung der Lauterer im Heimspiel gegen Bayern München extrem ernüchternd: Anstatt zumindest zu versuchen den Gegner zu überrennen, wirkte die Körpersprache der Spieler so, als würden sie lediglich darauf bedacht sein, die Deckung hochzunehmen und den Schaden zu minimieren. Die Mannschaft scheint wenig Selbstvertrauen zu haben, und die Kritik aus der Vorwoche, dass die Innenverteidigung gedanklich zu langsam und zu unbeweglich sei, bestätigte Rodnei indem er gleich zwei Elfmeter verursachte. Die Ampel bleibt auf ROT.

1.FC Köln: Die Kölner gewannen ihr Auswärtsspiel in Hamburg und konnten dabei gleich zweimal einen Rückstand aufholen. Eine außergewöhnliche Leistung, die den Kölnern die ersten drei Punkte der Saison beschert hat, zumal das Team in den ersten beiden Spielen nach dem ersten Gegentor stets auseinander gefallen ist. Wenn nach der Länderspielpause auch Stammtorwart Rensing wieder zurückkehrt, wird der FC wohl noch stabiler auftreten können. Aufgrund des grausigen Saisonstarts und der aktuellen Krise der besiegten Hamburger belassen wir die Ampel aber vorerst auf ROT.

1.FC Nürnberg: Den ersten Heimsieg der Saison feierten die Cluberer mit einem dreckigen 1:0 gegen den FC Augsburg. Das Fehlen von Markus Feulner machte sich im Offensivspiel bemerkbar, so dass eine Einzelaktion des eingewechselten Alexander Esswein die drei Punkte ins Frankenland brachte. Ein Pflichtsieg, der die Nürnberger ins sichere Mittelfeld der Tabelle bringt. GRÜN

Bayern München: Wieder gewonnen, wieder zu Null. Darüber hinaus trifft auch Mario Gomez wieder so regelmäßig wie letztes Jahr. Sollte Trainer Heynckes darauf verzichten, den Torhüter der zweiten Mannschaft aufzustellen, dürfte den Bayern die Tabellenführung nur schwer zu nehmen sein. GRÜN

Bayer Leverkusen: Das minimalistischste Team der Liga (nur 2:2 Tore aus 4 Spielen) hat seit dem 2.Spieltag kein Gegentor mehr kassiert. An diesem zweiten Spieltag gab der junge Torwart Bernd Leno sein Debüt im Tor der Leverkusener, und die Serie der Bayerelf hängt sicher auch mit seiner Person zusammen. Auch gegen den offensivstarken Meister Dortmund gelang es dem Team von Trainer Robin Dutt kein Gegentor zuzulassen. Diese Leistung verdient Respekt und eine GRÜN leuchtende Ampel.

Borussia Dortmund: Nach dem 0:0 im Topspiel am Samstagabend stellt sich die Frage: Sollen wir die Ampel im Hinblick auf die Ansprüche des Titelverteidigers oder auf im Hinblick auf die Ansprüche des BVB einstellen? Der Titelverteidiger, der im letzten Jahr fast die komplette Hinrunde ohne Auswärtsniederlage blieb, muss enttäuscht sein angesichts der Tatsache, dass man auch im zweiten Auswärtsspiel der Saison kein Tor erzielen konnte. Der BVB hingegen kann mit einem Punkt in Leverkusen sicherlich gut leben, zu dem steht die Mannschaft auf einem Europapokalplatz. Trotz der Sperre von Mario Götze lassen wir die Ampel also auf GRÜN.

Borussia Mönchengladbach: Die Fohlen verloren beim 0:1 auf Schalke das erste Spiel in dieser Saison und auch die Tabellenführung. Die erste Tatsache ist eigentlich sogar ein kleines Lob wert, die Schalker berauschten sich in der vergangenen Woche an der eigenen Offensivstärke und erzielten in den zwei Spielen gegen Helsinki und Mainz 10 Tore, gegen die Gladbacher jedoch nur eins. Zudem ist der Fünfte Platz mit Sicherheit mehr als man von der Borussia erwarten darf. Also bleibt die Ampel weiterhin GRÜN.

FC Augsburg: Der FC Augsburg musste in Nürnberg die zweite Niederlage in Folge einstecken, die Mannschaft blieb zudem das zweite Mal hintereinander ohne Tor. Dies lässt die Vermutung zu, dass es den Schwaben in der Offensive an Spielern mangelt, die auf Bundesliganiveau mithalten können. Außer Sturmtank Sascha Mölders gelang es bisher keinem Spieler, den Ball im gegnerischen Kasten unterzubringen und auch der eben erwähnte Mölders scheitert immer häufiger an seiner holprigen Technik. Dennoch reichen die beiden bisher gesammelten Punkte immerhin für den Relegationsplatz. Deshalb leuchtet die Ampel GELB.

FSV Mainz 05: Mainz 05 scheint in dieser Saison ein arges Konditions- oder Konzentrationsproblem zu haben: In Freiburg führte das Team bereits 2:0 und rettete einen knappen 2:1 Sieg über die Zeit. Gegen Schalke wurde eine 2:0-Pausenführung noch verspielt und das Team ging unter mit 2:4. In Hannover startete die Mannschaft wieder furios, lag bereits nach 2 Minuten in Führung und konnte sich in der Folgezeit noch über 2 Aluminiumtreffer ärgern. Nach dem Ausgleich der Niedersachsen nach einer halben Stunde konnte sich die Mannschaft jedoch am Ende glücklich schätzen, überhaupt einen Punkt aus der AWD-Arena entführt zu haben. Trotz der absteigenden Tendenz bleibt der Saisonstart der 05er genug für GRÜN.

Hannover 96: Die kräftezehrenden englischen Wochen machen sich bei den Hannoveranern bereits jetzt bemerkbar und werden mit Unentschieden weggesteckt: Gegen Mainz gab es das dritte 1:1 seit letztem Sonntag. Der gute Tabellenplatz und den Einzug in die Gruppenphase der Europa League gegen die stärker eingeschätzten Spieler des FC Sevilla sind ausreichende Gründe für eine GRÜN leuchtende Ampel. Doch wenn die Doppelbelastung bei Hannover bereits dazu führt, dass aus zwei Heimspielen gegen Aufsteiger Hertha und Mainz nur zwei Punkte mitgenommen werden, muss man sich fragen ob der Kader für die kommenden Herausforderungen in der Breite gut genug besetzt ist.

Hamburger SV: Die 3:4 Heimniederlage gegen den 1.FC Köln versetzte den Hamburger SV in Schockstarre: Auswärtsniederlagen gegen Bayern München und Borussia Dortmund sind keine außergewöhnlichen Ereignisse. Das Spiel gegen Hertha war voll grauenhafter Abwehrfehler, aber man hätte fast drei Punkte mitgenommen. Jedoch gegen eine stark verunsicherte Kölner Mannschaft trotz zweimaliger Führung zu verlieren ist Grund genug für allgemeine Fassungslosigkeit. Die Probleme des Vereins sind mannigfaltig: Torwart Drobny ist zu alt oder hat zu wenig Spielpraxis, die Abwehr wirkt unorganisiert und Kapitän Westermann bemüht, aber überfordert. Dem Mittelfeld fehlt es an Laufbereitschaft und dem Offensivspiel an Kreativität (Nur 1 von 6 Toren des HSV fiel als Resultat eines eigenen Spielzugs). Der Mut an Trainer Oenning festzuhalten ist bemerkenswert. Dieser hält zur Zeit die rote Laterne. Wir gesellen uns dazu: ROT.

Hertha BSC: Das 1:0 gegen den VfB Stuttgart bedeutet für die Berliner den ersten Heimsieg in der Bundesliga seit 2009 (ebenfalls 1:0, damals gegen Hannover 96). Darüber hinaus führt es die Hauptstädter nach zwei hart erkämpften Punkten auf fremden Platz in das Mittelfeld der Bundesligatabelle. Ein rundum positiver Saisonstart für den Aufsteiger, den wir in GRÜN beleuchten.

SC Freiburg: Welch eine fantastische Leistung! Das 3:0 über den VfL Wolfsburg lässt die Freiburger aufatmen und zeigt vielleicht auch Papiss Cisse, wie viel Spaß Fußball in Freiburg machen kann. Darüber hinaus gelang es auch der bisher anfälligen Defensive zum ersten Mal in dieser Spielzeit kein Gegentor zuzulassen. Da die Ampel aber letzte Woche noch rot leuchtete, schalten wir erst mal nur eine Stufe nach oben: GELB für den SC Freiburg.

Schalke 04: 11 Tore, 6 Punkte und ein kleines Europapokalhighlight: die Woche des FC Schalke kann sich sehen lassen und ist vor allem mit einem Spieler zu verknüpfen: Jefferson Farfan. Seit seiner Verletzungspause wirkt der Peruaner hoch motiviert und ist sich teilweise nicht mal zu schade, mit nach hinten zu arbeiten. Besonders erfreulich, auch angesichts der Abwehrleistung im Euroleaguespiel gegen Helsinki, ist, dass die Knappen zu Null spielen konnten. Gegen den Tabellenführer aus Mönchengladbach. Deshalb leuchtet die Schalker Ampel diese Woche erstmals GRÜN.

VfB Stuttgart: Der VfB Stuttgart verlor in Berlin das zweite Spiel in Folge, wieder mit 0:1. Ein Stellungsfehler von Neuzugang Kvist kostete den Schwaben in einer ausgeglichenen Partie zumindest einen Punkt. Trainer Labbadia hat nun die Aufgabe, bei den Spielern erneut die Euphorie zu wecken, die am ersten Spieltag für ein 3:0 über Schalke 04 sorgte. Bis dahin bleibt die Ampel GELB.

VfL Wolfsburg: Der Transfercounter bei den Wölfen steht momentan, etwa 36 Stunden vor der Schließung des Transferfensters, bei 10 Neuzugängen. Darunter befindet sich keiner für die Position, die den Wölfen im Moment am meisten Kopfzerbrechen bereiten sollte: Die des Torhüters. Diego Benaglio, in den vergangenen Spielzeiten bereits weit hinter der Form zurück, die er in seinen ersten Wolfsburger Jahren hatte und einer der Gründe für den Titelgewinn 2009 war, ist diese Saison nur ein Schatten seiner Selbst. Sein Verhalten vor beiden Gegentoren der ersten Halbzeit beim 0:3 in Freiburg war an der Grenze zur Lächerlichkeit. Felix Magath hätte sicherlich nicht geglaubt, so schnell wieder in die Nähe der Abstiegsränge zu rutschen. Deshalb leuchtet die Ampel ROT.

Werder Bremen: Nach einem grauenhaften Jahr mit vielen Abstiegssorgen ist Werder Bremen zurück dort, wo sie in den vergangen 7 Jahren so häufig zu Hause waren: Auf einem Rang unter den besten drei. Bei aller Euphorie ist es trotzdem Fakt, dass die drei Siege allesamt gegen Teams eingefahren wurden, die nicht zur Ligaspitze zu zählen sind und der einzige Vergleich mit einem Topteam (0:1 in Leverkusen) Defizite bei den Spielern offenbarte. Zumal die „neuen Helden“ des Weserstrands, Markus Rosenberg und Marko Arnautovic, in der Vergangenheit nicht unbedingt durch Beständigkeit glänzten. Allerdings ist im nächsten Heimspiel der HSV zu Gast und ein Sieg ist nicht unwahrscheinlich. Und sollten sich die Bremer mit diesem oben festsetzen, darf man gespannt sein, was folgt… Die Zukunft leuchtet GRÜN.

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