Die Empel: Der letzte echte Sturmtank

16. Juni 2012Felix> Länderspiele

Die Ampel ist ein Klassiker auf doppelsechs – wir bewerten die Leistungen und Auftritte der Teams in den Farben grün (gut), gelb (nicht so gut) und rot (ganz und gar nicht gut). Für die Europameisterschaft bringen wir natürlich auch Farbe ins Spiel – und einen grauenhaften Wortwitz obendrein. Wir präsentieren: Die Empel.

 

 

Deutschland
Die deutsche Mannschaft zeigte nach dem schwachen 1:0 gegen Portugal gegen die Niederlande eine deutliche Leistungssteigerung. Verantwortlich dafür ist vor allen Dingen Bastian Schweinsteiger, der sowohl in der Offensive als auch in der Defensive bewies, warum er das Prädikat „Weltklassespieler“ verdient hat. Deutschland hat als einziges Team beide Spiele gewonnen.

England
Nachdem durch große Disziplin ein Unentschieden gegen Frankreich erkämpft wurde, musste durch mangelnde Disziplin (bei gegnerischen Standards) gegen Schweden um den Sieg gezittert werden. Doch die Offensivabteilung machte ihren Job, schoss drei sehenswerte Tore und brachte England ganz nah an die KO-Runde.

Frankreich
Nachdem sich Frankreich im ersten Spiel dagegen entschied, mit unangemessenem Kraftaufwand das Spiel gegen England zu gewinnen, wurde die Ukraine locker mit 2:0 besiegt. Dabei spielte das Team schnellen, direkten Offensivfußball mit gefährlichen Seitenwechseln. Die Abwehr der Franzosen wirkt hingegen sorglos und schlampig, Diarra als zentraler Mann vor der Viererkette oft überfordert. Dennoch grün für den tollen Angriffsfußball.

Kroatien
Kroatien startete mit einem Pflichtsieg gegen schwache Iren in das Turnier. Gegen überlegene Italiener erkämpfte sich die Mannschaft von Slaven Bilic ein 1:1. In beiden Spielen traf Mario Mandzukic, weil er keinen Ball verloren gibt und die Kugel aus jeder Situation aufs Tor bringen will. Resultat sind drei extrem merkwürdige Treffer und grünes Licht für Kroatien.

Russland
Der russische Angriffswirbel verebbte gegen eine gut organisierte und extrem hart spielende polnische Abwehr. Dennoch bleiben das 4:1 gegen Tschechien und Arshavins Dribblings, die zumindest 60 Minuten lang die Zuschauer begeisterten, in Erinnerung. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir die Sbornaja im Viertelfinale wiedersehen.

Spanien
Spanien zeigte gegen Irland, was diese Mannschaft so furchteinflößend macht: Ist das Team einmal in Ballbesitz, bekommt der Gegner die Kugel nur bei einem Ab- oder Anstoß wieder zurück. Gegen Irland demonstrierte der Weltmeister seine Klasse und half Fernando Torres dabei, seine Krise zu beenden. Diagnose: Erschreckend Grün.

Tschechien
Spielerisch konnte Tschechien bereits im ersten Spiel überzeugen, im zweiten reichten dem Team 6 Minuten, um Griechenland zu besiegen. Das starke Mittelfeld um Pilar, Jiracek und Plasil lässt die Tschechen zumindest auf dem Papier als Favorit in das Gruppenendspiel gegen Polen gehen. Die eigentlichen Leistungsträger Baros, Rosicky und Cech sind hingegen katastrophal außer Form.

 

 

Dänemark
Die schwache Verteidigung der Dänen wurde gegen Portugal mit drei Gegentoren bestraft. Trotzdem schafften es die Dänen mit beeindruckendem Kampfgeist das Spiel bis kurz vor dem Ende offen zu halten. Gegen Deutschland muss allerdings mindestens ein Punkt geholt werden, um in das Viertelfinale einzuziehen. Es wäre dieser Mannschaft zu gönnen, auch weil sie ein echtes Relikt des Weltfußballs dabei hat: Mittelstürmer Nicklas Bendtner als der letzte verbliebene Sturmtank. Kann kein Fußball spielen, zerstört das Aufbauspiel seines Teams sobald er an den Ball kommt, ist aber brandgefährlich im Strafraum.

Italien
In Italien werden böse Erinnerungen an 2004 wach: Damals gewann Italien nach Unentschieden das letzte Gruppenspiel gegen Bulgarien, schied aber aus, weil Dänemark und Schweden (völlig unbeabsichtigt, ganz echt!!!) 2:2 spielten und mit diesem Ergebnis beide das Viertelfinale erreichten. Sollten Spanien und Kroaten 2:2 oder höher Unentschieden spielen, wäre Italien wieder ausgeschieden, selbst wenn sie zehn Tore gegen Irland schießen würden. Angst machen Ampel gelb.

Polen
Mehr Kampf, Mehr Wille, Mehr Dribblings über die Außenbahnen: Gegen Russland zeigte die polnische Mannschaft ihre Stärken. Das 1:1 gegen den spielstärksten Gruppengegner geht in Ordnung, aber weil das Team gegen Griechenland schlampig einen 1:0 Vorsprung hergab, muss das letzte Spiel gegen Tschechien gewonnen werden. Dazu braucht das Team: Mehr Glück, Mehr Sicherheit im Abschluss, Mehr als 1 Tor.

Portugal
Portugal beeindruckte gegen Dänemark durch seine Moral, nach einem späten Ausgleich nochmal ins Spiel zurückzukommen. Die Belohnung war der Siegtreffer durch den eingewechselten Varela und die damit verbundene Aussicht, mit einem Unentschieden ins Viertelfinale einziehen zu können (Vorrausgesetzt, Dänemark gewinnt nicht gegen Deutschland). Besonders freuen wird das Cristiano Ronaldo, der im Spiel gegen die Dänen viele Chancen, aber wenig Glück hatte.

Ukraine
Mit Willen, Begeisterung und überraschend guter Technik gewann die Ukraine ihr erstes Spiel gegen Schweden. Gegen Frankreich wurde das Team jedoch brutal daran erinnert, dass es nur europäischer Durchschnitt ist: Es hat in vielen Belangen einfach nicht gereicht, nur das Gewitter vor dem Spiel konnte den Franzosen das Wasser reichen. Der Gastgeber muss sein letztes Spiel gegen England gewinnen, um weiter mitspielen zu dürfen.

 

 

Griechenland
Griechenland verlor das Spiel gegen Tschechien innerhalb von 6 Minuten durch defensive Nachlässigkeit. Anschließend bemühte man sich vergeblich ein Tor zu erzielen ein Spiel aufzubauen. Beide griechischen Treffer in diesem Turnier fielen nach katastrophalen und unnötigen Torwartfehlern. Das scheint nicht zu reichen.

Irland
Irland schied am Donnerstag als erstes Team definitv aus dem Turnier aus. Aber wundert es jemanden, dass dieses nicht mit dem Welt- und Europameister mithalten konnte? Nein. Aber viele wird es gewundert haben, dass seine Fans zum Ende des Spiels 10 Minuten lang „Fields of Athenry“ sangen und damit für einen der schönsten Momente des Turniers sorgten. Ohne bengalische Feuer, Feuerwerksraketen und Knallkörper. Folk statt Feuerwerk.

Niederlande
Der Drang, unbedingt ein Traumtor schießen zu wollen, sorgte für die Niederlage gegen Dänemark. Ein zu starker Gegner für die Niederlage gegen Deutschland. Trotzdem ist noch nicht alle Hoffnung verloren: Verliert Dänemark, müssen die Niederlande gegen Portugal mit 2 Toren Differenz gewinnen. Dann steht der Vizeweltmeister doch noch im Viertelfinale. Und Offensivfußball ist definitiv nicht die Schwäche des Teams von Bert von Marwijk.

Schweden
Zlatan Ibrahimovic alleine ist nicht genug, um die Vorrunde eines Turniers zu überstehen. Die Schweden zeigten sich in allen Mannschaftsteilen durchschnittlich, was in einer Gruppe mit den früheren Weltmeistern Frankreich und England sowie dem Gastgeber Ukraine einfach nicht gereicht hat.

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