Die Empel: Nun ist es vorbei

5. Juli 2012Felix> Länderspiele

Die Ampel ist ein Klassiker auf doppelsechs – wir bewerten die Leistungen und Auftritte der Teams in den Farben grün (gut), gelb (nicht so gut) und rot (ganz und gar nicht gut). Für die Europameisterschaft bringen wir natürlich auch Farbe ins Spiel – und einen grauenhaften Wortwitz obendrein. Wir präsentieren: Die Empel. Heute in der Abschlussedition: Unser letzter Bericht zur Europameisterschaft 2012.

 

 

Deutschland
Grünes Licht für die deutsche Elf, die uns viel Freude bereitete, große Hoffnung auf den Titel machte und nach 15 Siegen in Folge (Pflichtspiele) gegen Italien zwei Tore nicht schoss, die der Gegner erzielte. Es besteht kein Grund zu Jammern und zu Klagen: Deutschland spielte eine sehr gute EM, gewann die ersten 4 Spiele und hatte im Halbfinale kein Glück.

England
England überraschte bei diesem Turnier: Trotz des Ausfalls von einigen Leistungsträger über das ganze (Lampard, Cahill, Wilshere) oder das halbe Turnier (Rooney) verloren die Briten kein einziges Spiel. Lediglich das Elfmeterschießen zeigte wiederholt seine in England extrem häßliche Fratze. Konzentrierte Defensivarbeit und gefährlicher Konterfußball wurden zum Markenzeichen der Three Lions, denen trotzdem schon im Viertelfinale die Zähne gezogen wurden.

Irland
Ernsthaft: Sportlich hat von den Iren kaum jemand etwas erwartet. Im Nachhinein wird das irische Ausscheiden sogar noch von der Tatsache relativiert, dass sie gegen die beiden Finalgegner in der Gruppe antreten mussten. Aber von der positiven Stimmung, welche die irischen Fans in die EM-Stadien brachten, werden noch viele Erinnerungen bleiben. It’s true: You can’t beat the Irish.

Italien
Giaccherini, Balzaretti, Abate, Bonucci. Nur Liebhaber der italienischen Liga oder leidenschaftliche Spieler eines Fußballmanagers dürften jeden einzelnen dieses Quartetts vor dem Turnier gekannt haben. Doch dank großartiger Form durchschnittlicher Spieler, sehr guter taktischer Einstellung und brutal überraschender Selbstdisziplin des Sturmduos Cassano & Balotelli schaffte es Italien bis ins Finale. Sehr grün.

Kroatien
Die Kroaten überzeugten bei dieser Europameisterschaft: Gegen Irland gewannen sie souverän, gegen Italien verloren sie nicht und auch gegen Spanien hätte es fast zu einem Punkt gereicht. Doch die äußerst schwere Gruppe und übermächtige Gegner verhinderten, dass Kroatien, in jedem Spiel von Trainer Slaven Bilic exzellent auf den Gegner eingestellt, die nächste Runde erreichen konnte. Trotzdem eine rundum grüne Leistung des Teams.

Portugal
Cristiano Ronaldo ist unheimlich gereift. In Gestik, taktischem Verständnis und Mannschaftsdienlichkeit. Und wenn ein Spieler, der ohne Lionel Messi mit Abstand der beste auf der Welt wäre, auch als Persönlichkeit auf dem Platz Topleistungen bringt, profitiert sein Team enorm davon. Portugal überzeugt durch einen überragenden Ronaldo, ein unermüdlich arbeitendes und technisch starkes Mittelfeld um Veloso, Meireles und Moutinho, und zwei sehr gute Innenverteidiger mit Pepe und Bruno Alves. Für das Finale hat es nicht gereicht, für grünes Licht hingegen schon.

Russland
Nach überragendem Offensivfußball im ersten und 60 Minuten des zweiten Spiels galt Russland als gesetzt für das Viertelfinale. Die Spielergeneration um Arshavin, Kerzhakov und Zhirkov setzte an zu einem letzten Hurra, dass letztlich nur ein Hu werden sollte. Gegen Griechenland stürmte man erneut munter an, verlor aber mit 0:1. Für das Viertelfinale war das nicht genug, für grünes Licht schon.

Spanien
Europameister mit perfektem Fußball und nur einem Gegentor im Turnier. Grün, ne?

 

 

Dänemark
Dänemark war in allen drei Spielen schlecht, aber witzig. Gegen die Niederlande reicht eine schwache Leistung zu einer großen Überraschung, gegen Portugal gab es ein äußerst abwechslungsreiches Spiel. Und gegen Deutschland war Dänemark erneut deutlich unterlegen, konnte aber die deutschen Fans ziemlich nervös machen, weil sie lange ein 1:1 halten konnten und das Turnier zeigte, dass sie immer irgendwie ein Tor machen können.

Frankreich
Favorit! Geheimfavorit! Europameister! Die Erwartungen an Frankreich waren hoch. Am Ende sprang jedoch nichts dabei raus. Gegen England war es dem Team zu anstrengend mehr als ein Unentschieden zu holen. Im zweiten Spiel gegen die Ukraine wurden die Abwehrschwächen des Gastgebers dankbar angenommen. Gegen Schweden hatte man keinen Bock, gegen Spanien war man chancenlos. Die Mängel im französischen Team liegen mehr in den Köpfen als in den Füßen der Spieler.

Griechenland
In drei Vorrundenspielen schafften es die Griechen, jeden Fehler ihrer Gegner eiskalt zu nutzen und damit je 1 Tor zu erzielen. Obwohl man nur einmal ohne Gegentor blieb, reichte dies für das Viertelfinale. Dort zeigte man die beste Leistung des Turniers und schoss sogar 2 Tore, ohne das ein gegnerischer Spieler vorher etwas extrem Dummes getan hätte. Für das Erreichen des Viertelfinals, ohne erkennbares Talent bei den meisten Spielern, gibt es gelbes Licht.

Schweden
Schade, Schweden. In allen Gruppenspielen habt ihr gut mitgehalten und witzige Dinge angestellt. Eure Spiele waren die unterhaltsamsten der EM, voller Führungswechsel und Überraschungen. Trotzdem hat es zu häufig nicht gereicht, wenn der Gegner ebenfalls gewinnen wollte. Denn ein guter Fußballer (Ibrahimovic) war in dieser Gruppe nicht genug, um die nächste Runde zu erreichen.

Tschechien
In der Vorrunde zeigte sich die Mannschaft spielstark, Petr Cech eher schwach und Milan Baros überhaupt nicht. Im Viertelfinale zeigten sich Petr Cech sehr stark, die Mannschaft eher schwach und Milan Baros überhaupt nicht. Und trotz dieser konstanten Leistung ihres einzigen Stürmers mussten die Tschechen nach dem ersten Spiel der KO-Runde die Heimreise antreten. Das insgesamt biedere Auftreten dieses beschränkten Teams reicht nur für gelbes Licht.

Ukraine
Der Gastgeber konnte mit beherztem Offensivfußball in jedem Spiel mithalten. Gegen Schweden reichte die Euphorie noch aus, um die besonders in der Defensive schwachen Ukrainer zum Sieg zu tragen. In den folgenden Spielen stieß das Team von Oleg Blochin immer wieder ein seine Grenzen, obwohl einzelne Spieler (allen voran Jarmolenko) durchaus überzeugen konnten. Gegen zwei ehemalige Weltmeister zu scheitern ist für den Gastgeber schade, aber verzeihlich.

 

 

Niederlande
Berts ballverliebte Ballermänner schieden in der Vorrunde ohne Punkt aus. Das ist, trotz schwerer Gruppe und Formschwäche zahlreicher Schlüsselspieler (u.a. van Bommel, Robben) eine große Enttäuschung für die Nationalmannschaft der Niederlande. Der mit Arroganz vergebene Sieg gegen Dänemark und die Hilflosigkeit gegen Deutschland zeigten an, dass die Elftal in diesem Jahr in keinem Bereich mithalten konnte.

Polen
Bereits nach dem ersten Spiel gegen Griechenland hatte man, insbesondere nach der verspielten Führung, den Eindruck, dass sich einige Spieler in Polens Kader ganz persönlich hassen. Auch Robert Lewandowski schien häufig genervt von der Unfähigkeit mancher Mitspieler. Gegen Russland schien man sich gefangen zu haben, doch es folgte der Offenbarungseid gegen Tschechien, als das Team um das Ausscheiden bettelte. Polens Fußballnationalmannschaft hat in diesem Turnier gezeigt, wie man als Gastgeber alles falsch machen kann.

 

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