Die Geschichte von Frank und Olli

21. Mai 2014Felix> Bundesliga, Analyse

Die Saison 12/13 sollte der HSV nach Willen des Vorstands auf einem einstelligen Tabellenplatz mit 45 Punkten beenden. Frank Arnesen wurde nach Platz 7 (48 Punkte) durch Oliver Kreuzer ersetzt, der mit unglaublicher Inkompetenz den HSV fast in die zweite Liga führte. Eine Analyse der Fehler des Managers.

Vor zwei Jahren prognostizierten wir dem Hamburger SV, dass es in dieser Saison (2013/2014) um den Einzug in den Europapokal gehen würde – unter der Voraussetzung, dass Trainer Fink und Manager Arnesen dann noch im Amt seien. Zum Ende der vergangenen Spielzeit (7.Platz) sah es so aus, als wären die Hanseaten auf einem guten Weg. Bis man sich gegen einen kontinuierlichen Weg entschied und stattdessen lieber eine Runde Geisterbahn fahren wollte.

In einer kurzen, aber effektiven, medialen Schmutzkampagne wurde Manager Arnesen aus dem Amt geekelt. Neben dem Verpassen der Europa League (die nie offiziell Ziel war; nach Platz 15 im Vorjahr) wurden dem Manager vor allen Dingen Nichtigkeiten vorgeworfen, etwa die angestrebte Vertragsverlängerung mit Ersatztorwart Jaroslav Drobny, die Arnesen mit der bekannten Verlatzungsanfälligkeit von Stammkeeper Rene Adler begründete.

Als Nachfolger wurden Oliver Kreuzer, zu diesem Zeitpunkt noch beim Karlsruher SC angestellt, und der zuvor von Hannover 96 entlassene Jörg Schmadtke eingeladen. Der Verein entschied sich zielsicher für die teurere, weil mit einer Ablöse verbundene, und weniger kompetente Lösung. Bereits in den ersten Interviews stellte sich Kreuzer als Schaumschläger und Luftblasenproduzent erster Güte heraus. In Hamburgs Medienlandschaft verwechselte man das mit Kommunikationsfreudigkeit und damit als Fortschritt zum introvertierten Arnesen.

 

Gescheiterte Kaderplanung

Anschließend wurde als Erolg verbucht, dass Kreuzer Stürmer Marcus Berg, einst für 10 Millionen vom FC Groningen verpflichtet und mit dem Gehalt eines Topstürmers ausgestattet, endlich aus dem Kader strich, in dem er ihn ablösefrei nach Athen vermittelte (wo Berg unter anderem mit 3 Toren das Pokalfinale im Alleingang entschied). Der erste von vormals drei Mittelstürmern hatte den Verein verlassen. In der Winterpause musste Artjoms Rudnevs, immerhin 12-facher Torschütze in der Vorsaison, ebenfalls gehen. Auch Linksverteidiger Dennis Aogo wurde nach einem abstrusen Mallorcatrip zwischen zwei Spielen hektisch nach Schalke verliehen und dann ganz verkauft.

Durch die Abgänge von Aogo und Rudnevs im Saisonverlauf sorgte der neue Manager innerhalb von 6 Monaten dafür, dass der HSV auf drei Schlüsselpositionen (beide Außenverteidiger und im Sturmzentrum) mit dem ausgeliehen Pierre-Michel Lasogga und Marcell Jansen insgesamt auf 2 Spieler kam, die Bundesliganiveau besaßen. Dies führte dazu, dass Dennis Diekmeier auf der rechten Abwehrseite machen konnte, was er wollte (und häufig auch tat), weil er nie um seinen Platz in der Mannschaft fürchten musste.

Nach einer Verletzung von Marcell Jansen mussten zunächst Heiko Westermann und danach Peter Jiracek zeigen, warum sie noch nie in ihrer Karriere linker Verteidiger spielten. Und nie wieder spielen sollten. Die zweitklassig besetzten defensiven Außenbahnen trugen ihren Teil zu den 75 Gegentoren der Hamburger bei. Hinzu kam, dass Hamburg einfach keine Tore schoss, wenn Lasogga nicht auf dem Feld war.

Das Bild wird nicht besser, schaut man sich Kreuzers weitere Transferbilanz an: Lasse Sobiech, der schon in Fürth zeigte, dass er in der Bundesliga arg mit sich und Spieltempo zu kämpfen hatte, kam im späteren Saisonverlauf überhaupt nicht mehr zum Einsatz. Stürmer Jacques Zoua (2 Tore in 27 Spielen) verkam zu einer totalen Witzfigur. Lediglich Johan Djourou zeigte sich phasenweise solide und fiel in der schlechtesten Abwehr der Liga zumindest nicht negativ auf. Kreuzers bester Einkauf, Torjäger Pierre-Michel Lasogga, wird den Verein ohne finanzielle Entschädigung verlassen. Er soll nächstes Jahr in Berlin den abgewanderten Adrian Ramos ersetzen.

 

Sinnloses Trainerkarussell

Interessant zu beobachten ist zudem, dass keiner der drei Trainer, die der HSV in der vergangen Spielzeit beschäftigte, mit dem vorhandenen Spielermaterial bessere oder schlechtere Ergebnisse erzielte als seine Vorgänger. Die Bilanz von Thorsten Fink (1 Sieg, 1 Unentschieden, 3 Niederlagen) entspricht, um den Faktor 3 erhöht, exakt der von Bert van Marwijk (3-3-9). Auch Mirko Slomka (3-2-8) wäre wahrscheinlich auf die Ausbeute seiner Vorgänger gekommen, hätte die Bundesliga 36 Spieltage. Drei verschiedene Trainer sollten ausreichen um zu beweisen, dass mit diesem unglaublich dämlich zusammengestellten Kader nicht mehr drin war als 27 Punkte und 2 Unentschieden in der Relegation.

Wer an dieser Stelle den Finger heben und auf Frank Arnesen verweisen möchte, der den Kader ursprünglich zusammengestellt hat, dem sei entschieden widersprochen. Hakan Calhanoglu, neben Lasogga der zweite Spieler mit ansehnlicher Torquote beim Hamburger SV, wurde noch vom Dänen verpflichtet. Die von ihm geholten Innenverteidiger Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne wurde zwischenzeitlich zu Hoffnungsträgern stilisiert, weil die von Kreuzer für dieses Position installierten Lasse Sobiech und Jonathan Tah (noch) nicht gut genug für die Bundesliga sind. Und schließlich war es Jaroslav Drobny, den Arnesen behalten wollte und dafür entlassen wurde, der dem Dino in der Relegation gegen Fürth die Haut rettete. Weil Rene Adler verletzt fehlte.

 

Hoffnung auf HSVPLUS

Dass Arnesens Weitsicht den HSV über seine Amtszeit hinaus in der Liga hielt, wäre eine zu starke Behauptung. Doch festzuhalten bleibt, dass  sich der HSV in den vergangenen 12 Monate so häufig das Messer ins eigene Bein rammte, dass er fast verblutet wäre. Aktionismus im Aufsichtsrat und blindes Vertrauen in einen Manager, der sich seiner Aufgabe nie gewachsen zeigte, führten den Verein fast geradewegs in die größte Katastrophe seit der Gründung der Bundesliga. Geduld, die nötig gewesen wäre, um an Arnesen festzuhalten, war noch nie die Stärke der Hamburger und wird es anscheinend auch nie werden. Auch die Initiative HSVPLUS, die am Sonntag in einer Mitgliederversammlung zur Abstimmung steht und interne Strukturen verändern möchte, plant den HSV bis 2020 zur Meisterschaft zu führen. Das dann aber bitte ohne Oliver Kreuzer.

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