Die größte Überraschung der Vorrunde

7. Dezember 2012Felix> Bundesliga

Drei deutsche Vereine stehen im Achtelfinale der Champions League. Nachdem Schalke und Bayern schon dran waren, kümmern wir uns heute um die Vorrunde des BVB. Und die war vor allem irgendwas mit Über. Überraschend, Überragend, Überwältigend. Plötzlich ist die Mannschaft von Jürgen Klopp, auf deren Weiterkommen im September nur ganz Wenige gewettet hätten, einer der Mitfavoriten auf den Titelgewinn.

Das Ding war durch – obwohl gerade Mal die Gruppenauslosung vorüber war. Ajax Amsterdam, der vorzeige Club des niederländischen Fußballs. Manchester City, englischer Meister und Millionen der Herrscherfamilie von Abu Dhabi im Rücken. Und Real Madrid, das weiße Ballett, der beste Verein der Welt mit dem geilsten Typen in allen Diskos der Welt (Sorry, Thorsten Fink!), Cristiano Ronaldo. Wie sollte eine Mannschaft, für die Piräus und Marseille in der Vorsaison unüberwindbare Hürden darstellten, sich da behaupten können? Unmöglich!

Zumindest war das erste Spiel die dankbarste Aufgabe. Das Heimspiel gegen Amsterdam war das Einzige, was die Mannschaft von Jürgen Klopp zumindest auf dem Papier hätte gewinnen können. Trotzdem bot sich das gleiche Bild, was in den Jahren zuvor schon für eine Menge Frustration sorgte: Dortmund spielte engagiert, spielte sich Chancen heraus und traf das Tor nicht. Selbst ein Elfmeter von Mats Hummels sollte nicht helfen. Und als das letzte Fünkchen Hoffnung zu verglühen drohte, weil es sogar im Heimspiel gegen Ajax wieder nicht reichen sollte, schoss Robert Lewandowski ein Tor, was die Dortmunder Versicherungskampfbahn erbeben ließ, wie es zuletzt Ewerthon 2002 oder Neuville 2006 geschafft hatten. Das 1:0 für Dortmund, kurz vor dem Spielende. Sollte da doch was gehen?

Als nächstes ging es nach England, in die Arbeiterstadt Manchester. Allerdings nicht, wie beim letzten Champions League Triumph 1997 zum vorzeige Verein United, sondern zu dessen hässlicher, kleiner und erfolgloser Schwester. Die Schwester war jedoch in der Zwischenzeit mit jeder Menge Geld vom Golf operiert, geschminkt und schick angezogen worden. Mit elf Nationalspielern aus England, Spanien, Bosnien, Argentinien und Belgien gespickt brannten die Citizens darauf, die Niederlage aus dem ersten Spiel in Madrid vergessen zu machen. Es entwickelte sich ein Spiel mit atemberaubendem Tempo, jede Menger sehenswerter Chancen auf beiden Seiten und einer hervorragend aufgelegten Borussia. In einem der besten Fußballspiele des Jahres 2012 führten die Dortmund kurz vor dem Abpfiff mit 1:0, als Neven Subotic den Ball im Strafraum an den Arm bekam.

Mario Balotelli verwandelte den fälligen Elfmeter und am Ende wusste kein Dortmunder, egal ob Spieler oder Fan so Recht, was er mit dem Punkt anfangen sollte. Natürlich kam er überraschend und war dem BVB durchaus willkommen. Aber man hatte enormen Aufwand betrieben, um am Ende doch nur Unentschieden gespielt zu haben. War das wieder die internationale Naivität, die den Dortmundern im Vorjahr das Weiterkommen kostete? Mit diesen Zweifeln erwartete man das kommende Heimspiel gegen Real Madrid.

Zu allem Überfluss setzte es vor dem Spiel noch eine Heimniederlage im Revierderby. Die Stimmung war, zumindest was Optimismus anging, auf dem Nullpunkt. Doch schon kurz nach dem Anpfiff zeigte sich: Die Dortmunder wollten. Und schon ein paar Minuten später paarte sich eine noch viel wichtigere Erkenntnis hinzu: Die Dortmunder konnten! Und Robert Lewandowski demonstrierte nach einer knappen halben Stunde, wie sehr sie konnten, in dem er erneut das wichtige 1:0 erzielte. Allerdings konnten die Gäste aus Madrid genauso gut, was Cristiano Ronaldo mit einem Traumtor zum 1:1, nur Minuten nach der Dortmunder Führung, bewies.

Dortmund zeigte sich geschockt nach dem schnellen Ausgleich der Spanier, rettete das 1:1 jedoch in die Pause. Danach kam eine Mannschaft aus der Kabine, die Trainer Jürgen Klopp in den folgenden Wochen völlig zu Recht als „Mentalitätsmonster“ beschrieb. Die Spieler fighteten Real Madrid nieder, versuchten alles, um die Ballzauberer in weiß aus dem Spiel zu nehmen und wurden durch den Siegtreffer von Marcel Schmelzer belohnt. Nach dem Spiel war klar: Borussia Dortmund war angekommen, auf der größten Bühne des Vereinsfußballs.

Die Rückrunde erlebte der BVB wie im Rausch. Wie schon beim Spiel in Manchester überraschte die Borussia auch in Madrid mit offensivem Tempofußball und hatte den Riesen erneut am Rand einer Niederlage, bevor wieder kurz vor dem Abpfiff eine Standardsituation zum Ausgleich führte. Diesmal führte der späte Gegentreffer jedoch zu keinerlei Zweifeln, sondern zu dem Selbstbewusstsein, dass man Madrid und Manchester auf eigenem Platz hätte schlagen können. Mit diesem Selbstbewusstsein im Gepäck reiste der deutsche Meister nach Amsterdam, wo man Ajax in der gefürchteten ArenA mit 4:1 demütigte, weil Marco Reus und Mario Götze wirklich Alles gelingen wollte.

Dortmund, nach der Auslosung bereits ausgeschieden, stand einen Spieltag vor dem Ende bereits als Gruppensieger fest, was als die größte Sensation der bisherigen Champions League Saison gelten muss. Im letzten Heimspiel gelang ein Sieg gegen eine Mannschaft von Manchester City, die in erster Linie bemüht schien, die unattraktive Europa League zu vermeiden. Julian Schieber zeigte sich bereits Anfang Dezember in Festtagsstimmung und erfüllte den Engländern ihren Wunsch, als er den Ball zum 1:0 über die Linie stolperte.

Und nun ist Borussia Dortmund, nach zwei mitreißenden und gleichsam überraschenden Meisterschaften, auf dem Weg Europa zu erobern. Wer sich in dieser Gruppe mit 4 Siegen und 2 Unentschieden durchsetzt, zudem alle Heimspiele gewinnt und dabei nur ein Gegentor zulässt, muss als Mitfavorit auf den Titelgewinn gelten. Noch ist dieser Text eine Zwischenbilanz nach einer sensationellen Champions League Vorrunde. Vielleicht ist er in 6 Monaten schon ein Rückpass zum Champions League Triumph 2013. Unmöglich scheint dies nicht.

Mögliche Achtelfinalgegner des BVB.

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