Ein richtiger Montag: Alle einsperren!

4. Juni 2012FelixBlogs, | Ein richtiger Montag

Heute ist wieder so ein richtiger Montag…

Alle für ein paar Wochen einsperren! Das scheint mir die einzige Lösung zu sein, die drei Wochen nach dem Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin als erträglich und gerecht erscheint. Jeder Einzelne muss bestraft werden, der vor dem Abpfiff auf das Spielfeld rannte, um den Aufstieg seiner Mannschaft zu feiern im Blutrausch alles zu töten und zu verbrennen, was ihm in die Finger kam.

Denn diese Menschen sind der Auslöser für den multimedialen Shitstorm, der mich in den vergangen Wochen mehrmals an die Grenze des Brechreizes trieb. Und ich weiß gar nicht, worüber ich mich mehr ärgern soll, denn es gibt so viele Dinge, die mich furchtbar wütend und traurig machen.

Die Bilder, mit denen die reißerischen Berichte unterlegt werden, sind in der Regel falsch gekennzeichnet: Nicht selten gewinnt man den Eindruck, die Düsseldorfer Anhänger hätten versucht, einzelne Herthaprofis in Brand zu setzen. Gezeigt werden jedoch Bilder, wie Berliner Profis in der 60.Minuten die bengalischen Feuer, die von ihren eigenen Anhängern aufs Feld geworfen wurden, vom Rasen zu entfernen.

Die Wortwahl, mit denen das Grauen heraufbeschworen wird: Fußballschande, Platzsturm, Blutbad, Todesangst. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass es keine Verletzten oder gar Tote an diesem Abend gab. Es ging lediglich um Fans, die im Jubelwahn zu früh auf den Platz stürmten.

Die Sturheit, mit der Leute über das Geschehen urteilen, die das Spiel nicht mal gesehen haben: „Dann können ja immer alle bei knapper Führung auf den Platz laufen.“ Diesen gleichsam haarsträubenden wie widerlichen Unsinn bekommt man immer wieder in Ohren und Augen gedrückt.  Dabei wird gerne ignoriert: Es handelt sich um keinen Einzelfall. Verfrüht jubelnde Fans auf dem Spielfeld sind, auch in der Geschichte des deutschen Fußballs, keine Seltenheit. Prominentestes Beispiel ist die Meisterschaft von Stuttgart 1992, als das Spiel in Leverkusen beim knappen Stand für 2:1 für den VfB nicht regulär beendet werden konnte, weil begeisterte Fans auf den Rasen stürmten.

Hier spielt auch wieder die verheerende Entscheidung von Wolfgang Stark eine Rolle, das Spiel für 20 Minuten zu unterbrechen, statt einfach abzupfeifen, und es dadurch möglich zu machen, das Spiel zu einer „Fußballschande“ zu stilisieren. Es ist seit 15 Jahren nicht mehr passiert, aber das macht die Vorkommnisse in Düsseldorf zu keinem Novum. Und schon gar nicht zu einer „neuen Dimension der Gewalt im Fußball.“.

Ich wiederhole meine Forderung vom Anfang: Einfach ein paar Tage Freiheitsentzug, um in Ruhe darüber nachdenken zu können, was in Düsseldorf eigentlich passiert ist. Das würde Allen in den Bereichen Presse, Fernsehen, Fanbetreuung und Politik wirklich gut tun.

Zum Glück ist ab Freitag endlich Europameisterschaft…

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“68.Minute – Tor für Deutschland!
Özil tritt einen Freistoß in den Strafraum, der griechische Torwart rennt irgendwohin, Klose ist mit dem Kopf zu Stelle.”

” Ein Spiel wie der Film “Stolz & Vorurteil”. Man wartet erst eine Stunde, dass etwas passiert und dann eine Stunde, dass es endlich aufhört.”

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