Meine Perle: Der HSV & Ich im Abstiegskampf

2. April 2012StephanBlogs, | Meine Perle

Ich erfahre es jedes Jahr aufs Neue: Das Leben als HSV-Fan ist hart. Man kämpft mit dem Anspruchsdenken im Umfeld, der Lustlosigkeit der Profis und chronischer Titellosigkeit. Meine Ansichten zu Hamburg. Meiner Perle.

 

Heute ist wieder so ein richtiger Montag!

Angst und Anspannung. Das ist also dieser „Abstiegskampf“, von dem alle sprechen. Kannte ich nie. Wollte ich auch nicht kennen. Musste ich auch nicht kennen. Ich bin HSV-Fan. Dummerweise ist das dieses Jahr irgendwie ganz anders. Ich könnte jetzt erzählen, was alles schlecht läuft: Zum Beispiel Dennis Aogo jede Woche erzählen zu lassen, dass die Qualität der Mannschaft ausreicht und es jetzt endlich alle verstanden haben. Ich könnte jetzt aber auch erzählen, was alles gut läuft: Zum Beispiel – oh, schwerer als gedacht – dass sich die Mannschaft durch Kampfeswillen und Glück zu einem fiesen 1:0 Sieg gegen Kaiserslautern gespielt hat. Aber ich schreibe über mich. Über meine erste Woche „Abstiegskampf“.

Montag, 26.03.2012. Ich schaue mir immer wieder entsetzt die Tabelle an. In der Tageszeitung, online, in einer anderen Tageszeitung. 27 Punkte nach 27 Spielen. Egal, in welchem Medium ich nachschlage. Das erste Mal Angst.  Dienstag, 27.03.2012. Die Vorbereitungen für das Wochenende laufen. Statistiken ausgraben (noch nie haben die Pfälzer gegen den HSV gewonnen), Tabellenrechner beim Kicker auswerten und so lange kurios Punkte verteilen bis der HSV bereits am 30. Spieltag gerettet ist. Wird nicht funktionieren. Ist mir egal. Ruhe bewahren. Mittwoch, 28.03.2012. Ich ertappe mich erneut am Tabellenrechner. Wenn Köln, Hertha und Lautern alles verlieren, braucht man nur noch einen Punkt… .Zeit für das erste Mal So-könnte-der-HSV-am-Samstag-spielen. Ist irgendwie wenig aufschlussreich, denn es spielen dort immer noch die gleichen Spieler, die seit 4 Wochen nicht gewonnen haben. Donnerstag, 29.03.2012. Angst. Nein, Schönreden. Öfter live am Montag im Fernsehen. Neuanfang. Alles auf Null. Danach richtig durchstarten. Blödsinn. Zweite Liga ist mies, niemand will da spielen geschweige denn sich so etwas anschauen. Starkreden. Die Qualität der Mannschaft ist da und es haben jetzt alle verstanden. Blödsinn. Ich bin gar nicht Dennis Aogo. Freitag, 30.03.2012. So-könnte-der-HSV-am-Samstag-spielen wirkt wieder wenig überraschend. Ein positives Zeichen. Keine Experimente. Ruhe bewahren. Die Vorbereitungen sind jetzt quasi auf ihrem Höhepunkt. Ich wälze Statistiken, lese Berichte mit/von/für/über den HSV im Kicker und in der Mopo und habe im Tabellenrechner lustige Kombinationen für einen Hoffenheimer Abstieg gefunden – und das alles gleichzeitig. Ich kann nicht schlafen.

Samstag, 31.03.2012. Gut vorbereitet verspüre Sicherheit. Wer ist eigentlich dieser Derstorff? Ich verspüre Hochmut. Irgendwann stelle ich fest, dass ich dem Reporter im Radio nicht mehr zuhöre, sondern nur noch auf seine Stimmlage achte. Ist jetzt auch egal. 1:0 gewonnen. Ich bin erleichtert, sage aber, dass ich nichts anderes erwartet habe. Alles andere als ein Sieg kam nie in Frage.  Sonntag, 01.04.2012. Regeneration. Ich nehme Abstand von Sportseiten im Internet. Ich entspanne mich bei Filmen und Pizza. Montag, 02.04.2012. Ich stelle fest, dass ich letzte Woche nichts anderes gemacht habe, als für den Abstiegskampf zu leben. Nichts. Gar nichts. Der Dank sind immerhin drei Punkte und Siege der Konkurrenz aus Augsburg, Freiburg und irgendwie auch Mainz.  Der Blick nach oben bleibt verwehrt – für einen HSV Fan das Schlimmste.

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