Erfolgreich und ignoriert

7. Mai 2013Felix> Bundesliga

Der FC Bayern tritt in dieser Saison zum dritten Mal in den letzten vier Jahren im Champions League Finale an. Doch wer den Grund dafür nur in der gefürchteten finanziellen Stärke des Rekordmeisters sieht, der irrt sich gewaltig und sollte lieber nochmal genauer hinschauen – denn diese Erfolge sind auch das Produkt hervorragender Jungendarbeit, die auch ohne Guardiola blendend funktioniert.

Sicherlich wäre die Mannschaft des FC Bayern ohne ihre hinzugekauften Topstars wie Manuel Neuer, Jerome Boateng, Luiz Gustavo, Arjen Robben, Franck Ribery, Mario Gomez, Mario Mandzukic und allen voran der 40 Millionen Euro Transfer Javi Martinez nicht schon wieder im Champions Leauge Finale vertreten. Doch die Mannschaft, die 2012 und 2013 das Finale bestreitet hat wenig gemeinsam mit der Elf, die 2010 gegen Inter Mailand absolut chancenlos war.

Die Bayern haben zwischenzeitlich aussortiert: Spieler wie Butt, Demichelis, van Bommel, Altintop und Olic sind aus dem Team verschwunden, weil sie für das in der Champions League geforderte Leistungsniveau zu alt wurden oder es nie erreicht haben.  Übrig geblieben sind nur der unverwüstliche Daniel van Buyten, die Außenstürmer Robben und Ribery, die gerade bei der Aufzählung der Millionentransfers genannt wurden und eine Gruppe von Spielern, die den FC Bayern keinen Cent Ablöse gekostet hat und hier im Fokus stehen soll.

toni kroos (c) KSMedia

Verkörpert internationale Klasse und hat nichts gekostet: Toni Kroos. Bild: KSMedia

Was bei dem gewaltigen Kaufrausch der Bayern in den letzten 2 Jahre gerne übersehen wird: Eine ganze handvoll wichtiger Leistungsträger haben die Bayern aus der eigenen Jugend rekrutiert. Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger sind unersetzlich in der Mannschaft des Rekordmeisters und gehören auf ihren Positionen zu den besten Spielern der Welt. Thomas Müller hat auf dem Weg dorthin kurz innegehalten, blickt aber auch auf eine äußerst erfolgreiche Saison zurück. Außenverteidiger David Alaba gehört zu den unauffälligen, aber wichtigsten Mosaiksteinen der Mannschaft, die im Jahr 2013 von 23 Pflichtspielen 21 gewinnen konnte.

Zählt man Toni Kroos und Holger Badstuber hinzu, die nur wegen ihrer Verletzungen im Finale nicht auflaufen werden, stellt man schnell fest: Mehr als die Hälfte der Mannschaft des FC Bayern besteht aus Eigengewächsen. Ein Anteil, auf den selbst der FC Barcelona mit seiner hochgelobten Jugendakademie in nur wenigen Spielen kommt.

Doch nicht nur die Bayern profitieren von der hervorragenden Arbeit, die Herrmann Gerland und Mehmet Scholl in den vergangenen zehn Jahren mit der zweiten Mannschaft geleistet haben: Die meisten Bundesligisten haben einen Stammspieler, der bei für die Bayern in der Regionalliga kickte oder im Trikot der Münchener sein Bundesligadebüt gab.

Als erstes muss natürlich ein Spieler genannt werden, der ebenfalls beim Champions League Finale am 25.Mai auf dem Platz stehen dürfte und welcher der einzige sein wird, dem die Münchner derzeit nachtrauern: Mats Hummels, der zunächst nach Dortmund verliehen und später verkauft wurde, kommt aus der Talentschmiede des FCB. Jenseits des besten deutschen Innenverteidigers finden sich jedoch mit Georg Niedermeier (VfB Stuttgart), Markus Feulner (1.FC Nürnberg), Stephan Fürstner (SpVgg. Greuther Fürth) und Mehmet Ekici (Werder Bremen) eine ganze Reihe von Spielern, die solides Bundesliganiveau verkörpern.

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Könnte um den Titel mitspielen: Eine Mannschaft aktueller Bundesligaspieler aus der Bayernjugend. Foto: Eigene Grafik.

In den vergangenen Jahren waren es zudem Ex-Bayern, welche die erfolgreichsten Abschnitte der jüngeren Vereinsgeschichte entscheidend mitprägten: Zvjezdan Misimovic war der geniale Spielmacher der Wolfsburger Meisterelf von 2009; Mit Paolo Guerrero, Piotr Trochowski und David Jarolim zog der Hamburger SV 2009 und 2010 ins Hablfinale der Europa Leauge ein. Allesamt Spieler aus der Bayernjugend.

Selbst die Torhüter Stefan Wessels, Michael Rensing und Thomas Kraft, die ihre Tauglichkeit für einen Job beim FCB nie nachhaltig unter Beweis stellen konnten, sind bei anderen Bundesligisten äußerst begehrt. Rensing und Wessels können beide auf eine Zeit als Stammtorhüter des 1.FC Köln zurückblicken. Thomas Kraft ist vor zwei Wochen mit Hertha BSC in die Bundesliga zurückgekehrt.

Wer also die Bayern bei der Meisterfeier, im DFB-Pokal oder Champions League Finale sieht, sollte nicht glauben, dieser Erfolg hinge nur von Festgeldkonten, genialem Management oder Millionentransfers ab. Er ist ebenso ein Produkt von gutem Scouting und langfristiger Planung, von dem der FC Bayern und viele andere Vereine in Deutschland profitieren. Und das schon viele Jahre, bevor der gefeierte Matthias Sammer oder der ehrfurchtsvoll erwartete Josip Guardiola als Funktionäre verpflichtet wurden.

3 Kommentare zu “Erfolgreich und ignoriert”

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    Mhm, wenn der FCB in der B-Jugend, also 16-Jährige aus Rostock oder Wien kauft, sind das Eigengewächse?

    • Fu Shan · 9. Mai 2013 Antworten

      Nein, Spieler, die nicht im Bayerntrikot zur Welt kommen, sind keine “richtigen Jugendspieler”.

      Ein richtiges Eigengewächs ist etwa Kevin Großkreutz, den man bereits als Teenager nach Ahlen verscheuert, weil er zu untalentiert ist.

      Wenn jemand vor seinem 18.Lebensjahr nicht mindestens 22 Jahre in einem Verein verbracht hat, darf man nicht von “Jugendspielern” oder “Eigengewächsen” reden.

      Da kann ich jedem selbstverliebten BVB-Fan nur zustimmen.

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