Felix, die Witzfigur.

1. März 2012FelixBlogs

In der Hinrunde zeichnete es sich bereits ab, zu Beginn der Rückrunde wurde der Eindruck angezweifelt, doch nach den jüngsten Ereignissen komme ich zu folgender Prognose: Felix Magath hat den Verstand verloren. Zumindest einen Teil davon, den für Selbstreflexion.

Als Magath im Sommer 2009 mit Wolfsburg Meister wurde und den Posten bei Schalke 04 antrat, fand er eine Mannschaft vor, die bereits das Potential zeigte oben mitzuspielen. Mit dieser Truppe wurde er Vizemeister, weil er den Kern der Mannschaft um Torwart Neuer, Abwehrchef Bordon und Mittelstürmer Kuranyi sinnvoll ergänzte, auch wenn bereits ein paar Fehlgriffe unter seinen Transfers zu erkennen waren. Ab diesem Zeitpunkt im Sommer 2010 verkam Magath zu einer Karikatur seiner selbst.

Zunächst ließ er die Verträge langjähriger Stammspieler wie Kuranyi oder Bordon auslaufen und verkaufte Kapitän Westermann, weil kein Geld für die hohen Gehälter zu Verfügung stehe und der Verein sparen muss. Nur sechs Wochen später stürzte er die Schalker noch tiefer in die roten Zahlen und verpflichtete er für 40 Millionen Euro Topstars aus ganz Europa. Und für weitere 10 Millionen Nieten, die nicht mehr als 3 Spiele machten (Deac, Plestan und Reginuissen gehören sicherlich zu den Highlights). Dazwischen lag wohl der Punkt, als die ersten Dämme in Magaths Kopf brachen.

Im Winter wiederholt sich das Lustige Transferroulette des Trainers; darüber hinaus suspendiert er Spieler und holt sie nach Belieben zurück in die Mannschaft (mittlerweile schon ein Klassiker). Läuft es nicht, sucht er die Schuld bei den Spielern und wechselt die Mannschaft munter durch, scheinbar ohne einen Zusammenhang zwischen seinen Aufstellungsorgien und dem mangelnden Spielfluss zu bemerken. In Wolfsburg hat sich dieses Bild nicht verändert, es ist sogar noch schlimmer geworden: Immer mehr Spieler werden verpflichtet, eingesetzt, suspendiert, verschmäht und wieder aufgestellt.

Die Spieler haben kein Selbstvertrauen, keine Abstimmung aufeinander und können auch keinen Draht zum Trainer haben. Mit der Selbstherrlichkeit eines afrikanischen Diktators verweist Magath darauf, in seiner ersten Amtszeit in Wolfsburg habe er viele Spieler gekauft und sei am Ende Meister geworden. Es ist richtig, dass Magath zu Beginn seiner Amtszeit in Wolfsburg 2007 den Kader des Abstiegskandidaten umkrempelte und in der Hinrunde einiges ausprobierte. In der Rückserie führte er jedoch ein eingespieltes Team in den Europapokal, im darauffolgenden Sommer nahm er nur wenige Änderungen an seiner Stammformation vor. Eine Stammformation ist in dieser Saison nicht mal im Ansatz zu erkennen, weil Magath zu beschäftigt ist, Schuldige zu finden.

Eine weitere, neue Macke Magaths ist es, für sein Mittelfeld nur noch unkreative Spieler des Typs „Sechsers“ zu verpflichten (etwa Jiracek, Träsch, Hitzlsperger in Wolfsburg; Kluge, Annan, Pliatsikas in Gelsenkirchen). Dies ist nicht nur ein weiterer Grund für die bürokratische Spielweise seiner Vereine in den letzten drei Jahren, es zeigt auch, dass Magath anscheinend keine Spieler haben will, die kreativ Denken können. Sowas gefällt Alleinherrschern selten.

Die unsinnigen Summen von  Geld, die Magath bei seinen Shoppingtouren verbrannt hat, sollen hier nicht diskutiert oder gar in Relation zu den Erträgen gesetzt werden. Die taktischen Fähigkeiten des Trainers Magaths sind nach wie vor vorhanden, etwa wie er seine Schalker im März letzten Jahres ins Pokalfinale mauerte. Aber die Menschenführung, welche er sich in den letzten Jahren angeeignet zu haben scheint, wird verhindern, dass er jemals wieder irgendetwas gewinnen kann. Hinzu kommt der absolute Mangel an Selbstkritik, sowohl in seinen Medienauftritten, als auch bei seinen Aufstellungen. Magath macht keine Fehler. Die Spieler machen sie. Alle.

Magath selbst behauptet steif und fest, nur das zu tun, was er immer getan habe. Dann tut er dies allerdings ohne Maß und in Verkennung dessen, was sich in der Vergangenheit tatsächlich abspielte. Auf diese Weise verkommt zu einer Karikatur seiner Selbst. Alles, was von Magath übrig bleibt, ist eine Witzfigur.

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