Königsblauer Verzweiflungsschrei

29. August 2013FelixBlogs

Es gibt diese Tage, an denen man seine Lieblingsmannschaft sorgenvoll betrachtet. An denen man skeptisch ist, überkritisch und Mannschaft, Funktionäre oder Trainer dringend auswechseln möchte. Nicht, weil man denkt, dass man es besser kann, sondern weil es genügend Leute gibt, die es nicht schlechter machen würden. Diesen Punkt habe ich Mittwochvormittag hinter mir gelassen. Angekommen bin ich seit der Verpflichtung von Dennis Aogo bei blanker Verzweiflung und dem Drang, alle anzuschreien.

Bereits vor einem halben Jahr habe ich meine Probleme mit Horst Heldt beschrieben. Das klang damals so:

„Heldt landete im Jahr 2006 mit den Spielern Boka, Hilbert, da Silva, Osorio und Pardo fünf absolute Glücksgriffe, die entscheidende Rollen in der Meistermannschaft des VfB Stuttgart übernehmen sollten. Seitdem kam jedoch keine gute Idee mehr aus dem Horstgehirn. Bereits unmittelbar danach zeigte der Manager durch die Verpflichtungen von Marica, Ewerthon oder Bastürk, dass er keinerlei Gespür dafür besitzt, welche Charaktere einer Mannschaft gut tun oder welches Leistungspotential ein Spieler noch besitzt. Auch die Liste der Neuverpflichtungen auf Schalke belegen, dass Horst Heldt nicht in der Lage ist, charakterliche Eigenarten von Spielern richtig zu bewerten. Schalke 04 hat eine Truppe, die extrem schwer zu schlagen ist, wenn alle Lust haben. Doch Spieler wie Fuchs, Neustädter, Bastos, Obasi, Barnetta oder Marica (alle von Heldt verpflichtet) geht eindeutig der Wille ab, immer alles (oder zumindest genug) zu geben.“

Die Verpflichtung von Dennis Aogo und Christian Clemens passt genau in diese Kategorie von Spielern. Darüber hinaus wird der von mir heißgeliebte, wenn auch fußballerisch nicht so starke, Teemu Pukki den Verein verlassen. Das sind Hotte-Transfers erster Güte, die eine Mannschaft, der ohnehin schon viel egal ist, noch anfälliger von Kopfproblemen einzelner Profis macht.

Das geht am Toptrainer der Schalker, Jens Keller, natürlich ungerührt vorbei. Schließlich ist er dazu übergegangen, ständig überragende Auftritte einer Mannschaft zu sehen, die rückwärts laufen müsste, wenn sie versuchen würde, ihr Spiel noch langsamer aufzubauen. In keinem Saisonspiel schienen die Spieler einen Plan zu haben, was bei gegnerischem und bei eigenem Ballbesitz anzufangen ist. Selbst die großartigen Konter der vergangenen Rückrunde sind aus dem Spiel verschwunden, weil keiner Anstalten macht, Bälle zu erobern und schnell in die Spitze zu spielen. Die Außenverteidiger hinterlaufen nicht, die Sechser stehen ständig irgendwo und sind weder defensiv noch offensiv ins Spiel eingebunden und der neue Mega-Top-Star Julian Draxler wird in der Mitte komplett verbrannt.

Was man sich dabei gedacht hat, einem 19-Jährigen einen 100 Millionen Eurovertrag zu geben, ihn mit der 10 auszustatten und  mit der Brechstange zu einer Symbolfigur machen zu wollen, kann ich nicht ansatzweise nachvollziehen. Der Druck ist für den Spieler zu groß, der entweder daran zerbricht oder zu einem weiteren Hotte-Zombie voller Selbstüberschätzung mutiert. Draxler ist schnell, hat einen Superschuss und kann den Ball prima von Außen in die Spitze bringen (Die letzten 20 Minuten gegen PAOK sollten als Beweis reichen). Warum konnte man es nicht wie bei Schweinsteiger machen, der auch 6 Jahre lang stumpf die Flügel runtergeschickt wurde, bis er zu einem Weltklassespieler in der Mitte wurde? Warum muss das so schnell und aktionistisch passieren? Es ist zum Kotzen!!!

Na bitte, drei Ausrufezeichen. Endlich jemanden angeschrien und dabei anschaulich gemacht, dass alles Mist ist. Es geht mir schon ein wenig besser. Am Samstag sollte es eine deutliche Niederlage gegen Leverkusen geben und noch vor der Bundestagswahl wird  sich ein Trainer mit einem Konzept, das nicht ausschließlich auf Kontern beruht (was das Team in der Rückrunde wirklich überragend gemacht hat) auf der Schalker Bank wiederfinden. Und bitte nicht Markus Babbel sein. Den findet Hotte nämlich leider auch toll.

5 Kommentare zu “Königsblauer Verzweiflungsschrei”

  1. supermutti · 30. August 2013 Antworten

    und jetzt auch noch boateng!

  2. Lucki04 · 30. August 2013 Antworten

    Heldt hat Keller geholt – erst als Interimscoach, dann als Chefcoach (der erste B-Jugendtrainer der Welt, dem das gelungen ist).
    beide Male mit unglaublichem Gespür für schlechtes Timing:
    - wenn überhaupt, hätte Hub nicht drei Tage VOR, sondern erst nach dem Pokal gegen Mainz gehen müssen.
    - HH hat Keller schon für Platz 4 belobigt, als wir die fehlenden 3 Pkt. noch gar nicht hatten.
    Horsti weiß genau, daß er nicht mehr tragbar ist, wenn “sein” Jugendtrainer gefeuert wird,
    darum werden wir beide noch ne ganze Zeit am Hals haben…
    traurig für ne Mannschaft, die eigentlich Potential hätte.

  3. wolke04 · 29. August 2013 Antworten

    Tönnies & Peters sind die Totengräber des Vereins, der Fisch stinkt vom Kopf her

  4. Trainerfreund · 29. August 2013 Antworten

    In meinen Augen trifft Jens Keller keine Schuld. Wenn keiner sich an seine Laufwege hält, kann auch der beste Caoch nix machen. FARFAN RAUS!

    • echter_schalker · 29. August 2013 Antworten

      keller muss weg!11!!!

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